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Lokales

16. Dezember 2017 | 12:19 Uhr

Millionster Führerschein überreicht

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svz.de von
erstellt am 27.Mai.2010 | 08:00 Uhr

Südstadt | Beim vorbeifahren an einer Verkehrsinsel hat sie nicht genug in den Spiegel geschaut. "Da hätte auch ein Radfahrer stehen können", sagt Lehrer Sven Patzer gestern zu seiner Fahrschülerin Paula Schmidt. Zum Glück bleibt es für die 18-Jährige während der Fahrprüfung bei dem kleinen Fehler. Den Rest der Strecke meistert sie souverän. Auch Prüfer Edgar Pinick ist mit Paulas Leistung zufrieden.

Auf dem Firmengelände der Dekra angekommen, wundert sich die Abiturientin. Neben ihrer ungeduldigen Mutter, wartet auch Verkehrsminister Volker Schlotmann, um ihr zur bestandenen Prüfung zu gratulieren. Aber nicht nur das. "Sie hat als Einmillionste die Fahrerlaubnis absolviert", sagt der Minister. Neben dem für Paula wichtigen Plastikkärtchen, überreicht der Minister der aufgeregten Jugendlichen außerdem eine Einladung für ein Fahrtraining.

Ein Auto aus Schokolade geschenkt

Mutter Gabi hat ihrer volljährigen Tochter ein Auto versprochen und hält es, wenn auch nicht ganz, wie geplant: "Von mir gibt es einen Wagen aus Schokolade, das Richtige muss sie sich schon selbst verdienen." Das geht Paula jedoch gelassen an. Die Elftklässlerin lebt in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt und macht an der Borwinschule ihr Abitur. "Da brauche ich kein Auto", sagt sie. Per Rad und zu Fuß wird die junge Führerscheinbesitzerin vorerst unterwegs sein. Auch für das spätere Studium, sieht sie noch keinen Bedarf, sich ein kleinen Stadtflitzer anzuschaffen. "Ich möchte vor der Uni noch ein Jahr ins Ausland bei einem Work and Travel Programm. Da wird es dann wahrscheinlich notwendig", ahnt Paula.

Mutter Gabi freut sich schon, die Fahrkünste ihrer Tochter zu erleben. "Die ersten Augenblicke, die sie mein Auto fahren wird, ist das für mich bestimmt ein komisches Gefühl", sagt sie. Schließlich sei es für sie auch eine Art loszulassen und ihrer erwachsen werdenden Tochter Verantwortung zu übergeben. Allerdings ist Paula bereits das vierte Kind von Gabi, das bei Patzer die Fahrschule absolviert hat. Allein möchte Paula die ersten Wochen jedoch nicht in das Auto ihrer Mutter, einen Ford Fiesta, steigen. "Es ist mir lieber, wenn sie mich begleitet, damit ich mit ihr meine ersten Erfahrungen sammeln kann." So kann Gabi sich auch einmal zurücklehnen und gemütlich durch die Stadt kutschiert werden.

Die Fahrbegleitung nach bestandener Prüfung betrachtet Minister Schlotmann als wichtiges Mittel für junge Menschen, um unter Aufsicht zu lernen, mit der neu gewonnenen Verantwortung umzugehen. "Ich könnte mir so auch vorstellen, dass die Fahrerlaubnis dann auf 16 Jahre herabgesetzt werden könnte", sagt er. Das könnte auch für weniger Unfälle von Anfängern sorgen, die derzeit noch für überdurchschnittlich viele verantwortlich seien. "Das würde auch ihre Einstellung ändern, nicht mit 18 Jahren einfach dem Ruf der Freiheit zu folgen und los zurasen", sagt Marion Roock, Sachgebietsleiterin im Bereich der Führerscheinstelle Rostock. Bei der Durchsetzung dieser Richtlinie erwartet Schlotmann in der nächsten Verkehrskonferenz jedoch starken Gegenwind. Auch bei der Erfolgsquote der Prüfungen sieht Dr. Gerd Neumann, Geschäftsführer der Dekra Prüfwesen, einen regen Nachholbedarf. Etwa 70 Prozent bestehen die praktische Prüfung und 60 Prozent die Theorie. "Mit diesem Ergebnis stehen wir bundesweit auf dem dritt- bis viertletzten Platz", sagt er.

Am 3. Oktober 1990 absolvierte der erste Anwärter die Prüfung bei der Dekra. "Gerade nach der Wiedervereinigung ist der Motorisierungsgrad in den ersten vier Jahren stark gestiegen", sagt Dr. Manfred Preetz, Gebietssprecher. Seitdem hat die Dekra jedes Jahr etwa 50 000 Menschen geprüft. Im vergangenen Jahr waren es nur 32 000. Aufgrund des demografischen Wandels und der steigenden Abwanderung, rechnet die Dekra in diesem Jahr mit einem Rückgang von weiteren 10 000 Prüflingen.

Die Dekra: Technische Innovation

Im Zuge einer technischen Modernisierung erstellt die Dekra seit Anfang des Jahres in einer ersten Testphase eine „virtuelle Kundenakte“ für jeden Führerscheinanwärter. Das Ausfüllen der Theorie-Fragebögen verläuft am Computer sowie die Terminvergabe der praktischen Prüfung und die Übermittlung der Ergebnisse an die entsprechende Behörde. „Das spart bis zu neun Tage Bearbeitungszeit“, sagt Dr. Gerd Neumann, Geschäftsführer Dekra Prüfwesen. Auch in der praktischen Prüfung ist ein Notebook dabei, so dass der Prüfer per Funk den Auftrag ins Auto übertragen kann. So erhält jeder Bestehende direkt vor Ort eine vorläufige, ausgedruckte Fahrberechtigung, mit der er sofort losfahren kann. Fahrschulen brauchen außerdem bei der Prüfungsbuchung keinen Namen mehr anzugeben. Dadurch kann der Lehrer kurzfristig entscheiden, wen er den Test machen lassen will. Die Gebühr kann der Prüfling vorab per Überweisung zahlen und muss sie nicht vor Ort in bar begleichen.

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