Milchbauer kämpft sich durch Krise

<strong>Ein kleines Team:</strong> Christoph Schrange, Martin Schmidt sowie Meike und Dirk Schneekloth (v.l.). Als Milchviehbauern können sie gerade so die laufenden Kosten decken. <foto>katarina sass</foto>
Ein kleines Team: Christoph Schrange, Martin Schmidt sowie Meike und Dirk Schneekloth (v.l.). Als Milchviehbauern können sie gerade so die laufenden Kosten decken. katarina sass

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23. Juli 2010, 01:33 Uhr

Bernitt | Um knapp zehn Cent pro Liter ist der Milchpreis im Vergleich zum vergangenen Jahr gestiegen. 29 Cent, von denen die Landwirte Meike und Dirk Schneekloth mit Ach und Krach leben können. Dramatisch war die Situation im Mai 2009: Mit 19,5 Cent mussten sie auskommen, 0,32 Euro hätten sie benötigt, um nicht in die roten Zahlen zu rutschen.

Heute sind die Zeiten zwar nicht rosig, aber besser geworden: "Wir sind am Ende des Monats bei plus minus Null", sagt Meike Schneekloth. Die 30-Jährige muss mit ihrem Mann die Kosten zusammenhalten, spart auch am Personal. Zwei landwirtschaftliche Mitarbeiter leistet sich der Betrieb, einen dritten suchen sie noch. 2009 zogen sie in Betracht, sich von einem Mitarbeiter zu trennen. "Wir haben aber so durchgehalten", sagt sie heute und räumt ein: "Wir sind ein großer Betrieb mit wenig Leuten, aber dafür muss auch jeder ein paar Stunden schieben". Der Tag beginnt bei ihnen kurz vor vier Uhr in der Früh.

Investiert haben sie in einem Jahr in die notwendigsten Dinge. Zum Beispiel schafften sie sich einen Güllebehalter an, der allerdings Pflicht ist. Ein neuer Trecker musste ebenfalls her, der alte tats nicht mehr. Das einzige, was sich Meike Schneekloth gönnte, waren neue Kälber-Iglus. Doch dafür habe sie Zuchtvieh verkauft. Geld, dass sonst nicht locker sitzen würde.

Jammern wolle sie nicht, macht die Bäuerin deutlich. Aber dennoch: "Viele sagen, der Milchpreis würde reichen". Doch das gelte nur für jene Betriebe, die mehrere Standbeine aufgebaut haben und die Verluste kompensieren können. Das gilt nicht für den Betrieb der Schneekloths. Zwar betreiben sie auch ein wenig Ackerbau auf 100 Hektar Land, das sich hinter den Kuhställen anschließt. Auf 60 Hektar säen sie Weizen, Gerste, Raps und Mais aus. Davon verkaufen sie nur den Raps und den Weizen. "Der Rest ist für die Kühe." 40 Hektar nutzen sie als Weideland.

Sie haben schon gehört, dass Milchviehbauern ihre Wirtschaft aufgegeben haben. Für Meike Schneekloth ist der Gedanke unmöglich: "Jeder Tag ist anders und man weiß nie, was einen erwartet", erklärt sie ihre Leidenschaft als Landwirtin. So wie die Schneekloths müssen auch andere Höfe hart kalkulieren und können kaum investieren. 0,32 Euro bräuchten die Bauern hierzulande, um ihre Existenz auf stabile Pfeiler stützen zu können.

Experten äußerten sich indes noch optimistischer über die Entwicklung des Milchpreises. Hierzulande werde er in diesem Halbjahr "deutlich steigen", sagte kürzlich Hans Rücker, Geschäftsführer der gleichnamigen Molkerei in Wismar, an die rund 60 Betriebe aus der Region Bützow liefern.

Laut Katrin Kauer, Geschäftsführerin des Bauernverbandes, könnten Kooperationen unter den Bauern eine Möglichkeit sein. Das sollten Landwirte als Option in Betracht ziehen, die vor der Entscheidung stünden, ihren Betrieb aufzugeben.

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