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Lokales

15. Dezember 2017 | 20:59 Uhr

Metalldiebe riskieren schwere Unfälle

vom

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erstellt am 26.Sep.2010 | 05:16 Uhr

Rostock | Steigende Preise für Altmetalle senken die Hemmschwelle bei Metalldieben, die fremdes und oft auch ihr eigenes Leben riskieren. Besonders gefährlich sei die Demontage von Erdungskabeln und Metallseilen an Bahnstrecken, sagte jetzt ein Bahnsprecher. Auf den Leitungen liege eine Spannung von bis zu 15 000 Volt, schon aus einem Meter Entfernung könne der Strom überspringen. "Wer in der Nähe der Stromkabel herumschraubt, begibt sich in höchste Lebensgefahr. Tatsächlich hatten wir in diesem Zusammenhang schon Todesfälle zu verzeichnen", sagte er. Auch für Bahn-Mitarbeiter bestehe größte Gefahr, wenn Erdungskabel von Stromleitungen entfernt würden.

Immer größere Mengen verschwinden

Bis Ende Juli registrierte die Bundespolizei 126 Fälle von Metalldiebstahl in Mecklenburg-Vorpommern. Innerhalb der letzten drei Jahre sei zwar kein Anstieg der Zahl der Fälle zu verzeichnen, allerdings ließen die Diebe immer größere Mengen mitgehen. Dies gehe mit der Preisentwicklung von Altmetallen einher, sagte Wolfgang Witzkewitz von der Bundespolizeidirektion in Bad Bramstedt. Abgesehen hätten es die Diebe vor allem auf Schienen, Kupferkabel oder Schienenbaumaterial. Die Bundespolizei versuche, den Straftaten durch mehr Kontrollgänge der Beamten beizukommen. Erst vorige Woche hatten Metalldiebe bei Stralsund die Halteseile von Oberleitungsmasten entfernt. Einer der Masten stürzte daraufhin aufs Gleisbett und hätte eine Katastrophe anrichten können. Für 800 Meter Stahlseil von neun Oberleitungsmasten nahmen die Diebe schwere Unglücke in Kauf. Der Sachschaden ging in die Hunderttausende. Bundesweit betrage er jährlich mehrere Millionen Euro, sagte ein Bahnsprecher. Neben Sachschäden verursachten Metalldiebe auch immer wieder Verspätungen, wenn Gleisanlagen repariert werden müssten.

Kuriose und dubiose Fälle

Aber auch an kuriosen Fällen mangelt es nicht. Im Mai wurden zwei junge Männer in Güstrow dabei erwischt, wie sie sich mit einem Bolzenschneider am Blitzableiter des Doms zu schaffen machten. Auch vor Kriegsgräberstätten und Friedhöfen haben die Diebe keinen Respekt: Im August brachen Unbekannte die Bronzetafeln einer Kriegsgräber-Gedenkstätte auf Usedom heraus.

Was mit dem gestohlenen Metall passiert, ist häufig unklar. Das Bundeskriminalamt (BKA) vermutet, dass das Diebesgut ins Ausland gebracht wird. Zwar seien in Einzelfällen ausländische Täter gefasst worden, sagte BKA-Sprecher Gerhard Salmen. Dennoch handle es sich überwiegend um deutsche oder in Deutschland lebende Kriminelle. Es lägen keine konkreten Erkenntnisse über Abnehmer von gestohlenen Metallen im In- und Ausland vor.

Mehrere Millionen Tonnen Metall und Stahl recycelt der Umweltdienstleister Interseroh jedes Jahr in Deutschland. hin und wieder gebe es dubiose Angebote, erklärte Firmensprecher Alexander Wood. "Besonders fragwürdig war ein Angebot von Gullideckeln mit dem Signum der Stadt Dortmund." Jeder Anbieter müsse seinen Personalausweis vorlegen. Wer keine weiße Weste habe, trete spätestens dann den Rückzug an, sagte Wood. Interseroh zufolge kostet eine Tonne Kupferschrott derzeit etwa 5750 Euro.

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