zur Navigation springen
Lokales

21. September 2017 | 03:37 Uhr

Mestlins Kultur(haus) lebt wieder

vom

svz.de von
erstellt am 17.Okt.2010 | 08:37 Uhr

mestlin | Das lange totgesagte Kulturhaus Mestlin - Relikt einer sozialen Utopie, die der Landbevölkerung städtische Lebensqualität bringen sollte - zeigt sich dieser Tage wieder äußerst lebendig. So jedenfalls erlebte es die Besucherschar am Sonnabend zur Vernissage des Projekts "Heute Kunst", welches noch bis 7. November zielgerichtet auf die schon fast traditionelle Aktion "Kunst heute" vom Künstlerbund Mecklenburg-Vorpommern zusteuert.

Bereits zum zweiten Mal in Folge erfüllen Künstlerinnen und Künstler sowohl ost- als auch westdeutscher Biografien das nahezu zwei Jahrzehnte zweckentfremdete und verfallende Wahrzeichen des einstigen (und in der DDR einzigen jemals realisierten) "sozialistischen Musterdorfes" der 1950er Jahre mit ihren zeitgenössischen Arbeiten voller Ortsbezug.

Für Kuratorin Takwe Kaenders und die Mitglieder des rührigen Denkmal Kultur Mestlin e.V. ist unter anderem Ansporn, dass sich die Akteure vom morbiden Charme des mächtig überdimensionierten "Kulturtempels" nicht erdrückt, sondern vielmehr inspiriert fühlen. Das zeigen schon deren mitgelieferte Plakate.

Ganz konkret beispielsweise greift Dahny Melzig Archivbilder aus der Mestliner Ortschronik auf, um sie in einzigartige "transparente Welten" zu transformieren. Daneben versinnbildlicht die kreative Glasdruckerin mit Dutzenden Augen und einem gläsernen Laptop totale Überwachung, welche "Orwells düstere Prophetie" fast phantasielos erscheinen lässt angesichts bereits erlebter Zensur, Stasi oder gegenwärtiger Datensammelwut. Hochaktuell erscheinen auch die bissigen Collagen von Günter Jagnow oder die von Christian Lehsten fotografisch mit Räumen, Landschaften und Gebäuden in Beziehung gesetzte "Säule von menschlichem Maß". Die Schatten der Vergangenheit "unter der roten Fahne" dagegen lässt eine Installation in der erstmals wieder kurz für die Öffentlichkeit zugänglich gemachten Ruine des großen Saals buchstäblich lebendig werden, während Robert Huber im bereits wieder gastfreundlichen kleinen Saal des Kulturhauses Mestlin großformatige "Heimatbilder" der Nazi-Zeit mit Hilfe chinesischer Export-Malerwerkstätten in Popart zur Diskussion stellt.

Für André Brie als Laudator der Ausstellung ist die bauliche Substanz des Kulturhauses Mestlin gegenüber dem Heute zwar um Jahrzehnte zurückgeblieben. Trotzdem stehe die Uhr nicht mehr "5 vor oder gar 5 nach 12". Vielmehr sei hier "die Zeit wieder in Gang gekommen", meinte der in der Region verwurzelte Linkspolitiker zum Eröffnungslied "Time after Time", das das einheimische Duo Gabriele Hesse und Martin Kleen anstimmte. Es sei ja beileibe nicht allein die heute eröffnete Ausstellung von Händen der Mitglieder des Vereins Denkmal Kultur Mestlin sowie 16 Künstlerinnen und Künstler, meinten etliche Besucher. Vielmehr gäbe es hoffnungsvolle Ansätze dafür, dass auch die Menschen in Mestlin und Umgebung hier in ihrem Kulturhaus wieder Möglichkeiten sehen, suchen und finden. Die Exposition im Kulturhaus Mestlin ist jeweils Sonnabend und Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Am 30. Oktober sind die ausstellenden Künstler zudem bereits ab 10 Uhr vor Ort und dieser Tag klingt mit einem Konzert der Band "Jack Beat" ab 19 Uhr aus.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen