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Lokales

23. November 2017 | 10:08 Uhr

Menschenhandel: Razzia gegen Rocker

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erstellt am 02.Jun.2010 | 07:56 Uhr

Rostock | Schwere Vorwürfe gegen Mitglieder der Rostocker "Hells Angels": Nach Angaben der Polizei stehen sechs Männer des Rockerclubs im Verdacht, mehrere Mädchen im Alter unter 21 Jahren in Modellwohnungen und in einem Rostocker Nachtclub zur illegalen Prostitution gezwungen zu haben. "Wir ermitteln wegen des Verdachts des Menschenhandels und der sexuellen Ausbeutung", sagte eine Sprecherin des Landeskriminalamtes (LKA) gegenüber unserer Redaktion.

Gestern schlug die Polizei zu. Fahnder der Ermittlungsgruppe "Rocker" des LKA durchsuchten gemeinsam mit Rostocker Beamten bei einer Razzia das Clubhaus der "Hells Angels" am Petridamm und den Nachtclub "Le Refleur" in der Altstadt sowie sieben weitere Wohn- und Geschäftsgebäude in der Hansestadt. "Dabei konnte Beweismaterial sichergestellt werden, das derzeit ausgewertet wird", sagte die LKA-Sprecherin. Keiner der sechs Beschuldigten kam in Haft.

Nach Informationen unserer Zeitung handelt es sich bei den Mädchen nicht um Osteuropäerinnen, sondern um Deutsche. Es gehe um drei bis vier Opfer, hieß es aus Ermittlerkreisen. Genauere Angaben wurden bisher nicht gemacht. Die Untersuchungen leitet die Rostocker Staatsanwaltschaft.

Die gestrige Razzia war nicht der erste Schlag der Polizei gegen die Rostocker "Hells Angels". Im vergangenen Jahr wurden bei Durchsuchungen an drei verschiedenen Tagen im Clubhaus und in Wohnungen Waffen und sogar ein Sprengzünder sichergestellt, teilte das LKA mit. Die Behörde hatte bereits 2008 gegen drei Mitglieder ermittelt, denen räuberische Erpressungen und gefährliche Körperverletzungen vorgeworfen wurden. Ein Gericht verurteilte die Männer später zu Freiheitsstrafen zwischen 2 Jahren 3 Monaten und 4 Jahren 3 Monaten.

Die etwa 200 Mann starke Rockerszene in Mecklenburg-Vorpommern hat hat sich das Land aufgeteilt: Der Westen des Landes gehört den "Hells Angels" mit zwei Chartern in Rostock und Schwerin. Im Osten regieren die "Bandidos" mit Chaptern in Stralsund, Neubrandenburg, Greifswald und Anklam. Die dritte und kleinere Gruppe, "Gremium MC" hat Chapter in Schwerin und Neubrandenburg. Ein Teil der Mitglieder steht unter Verdacht, in den Drogen- und Waffenhandel sowie in die Rotlichtkriminalität verwickelt zu sein. Um den Fahndungsdruck auf die Clubs zu erhöhen, hat das LKA in diesem Jahr eine spezielle Ermittlungsgruppe "Rocker" mit zehn Beamten gebildet.

Fahnder wie Jens Bögelmann vom Dezernat "Organisierte Kriminalität" im LKA sprechen sich für Verbote von Rockerclubs aus. "Dies würde den Handlungsspielraum der Kriminellen erheblich einengen", sagte der Kriminaloberrat. In anderen Ländern wie Brandenburg oder Hamburg gibt es bereits solche Verbote. Doch Innenminister Lorenz Caffier (CDU) zeigt sich eher skeptisch und sieht primär die Bundesregierung in der Pflicht. "Aufgrund einer überregionalen Tatbegehung ist grundsätzlich das Bundesinnenministerium gefordert", sagte Ministeriumssprecher Falk Jonischkies.

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