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Lokales

21. August 2017 | 21:50 Uhr

Meinungen über Blitzer bleiben geteilt

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Schwerin | Zockt die Stadt die Autofahrer mit Knöllchen für Falschparken sowie Verwarn- und Bußgeldern für Tempo-Verstöße ab? Oder handelt es sich um notwendige Kontrollen für mehr Sicherheit auf den Straßen? Die kontroverse Diskussion der SVZ-Leser reißt nicht ab. Mehr als drei Millionen Euro an Einnahmen aus der Ahndung von Verkehrsordnungswidrigkeiten sind im städtischen Haushalt 2010 eingeplant. Der Kontrolldruck ist gestiegen. In Cottbus, wo ebenfalls etwa 100 000 Menschen leben, will die Stadt dieses Jahr "nur" 1,4 Millionen Euro von Verkehrssündern abkassieren.

Wolfgang Maschke ist sauer auf das Schweriner Ordnungsamt: "Sorgfältig getarnt lauern sie auf den ahnungslosen Verkehrsteilnehmer, um Kasse zu machen. Fernab von jedem Unfallschwerpunkt oder möglichen Gefahren für andere Verkehrsteilnehmer." Um seine Meinung zu untermauern, führt Maschke einige Beispiele an: "Da blitzt es aus dem Gebüsch im Grünen Tal kurz nach der Straßenbahn- und Fußgängerbrücke aus Richtung Zoo kommend. Diese vier- bis sechsspurige Straße überqueren in dem Bereich pro Jahr höchstens zwei oder drei Fußgänger, und an der nächsten Ampel wird man sowieso wieder ausgebremst. Wen stört es da, wenn der Tacho zwischenzeitlich die 60 ankratzt?" Noch eindeutiger handele es sich am Mueßer Berg vom Kreisverkehr her kommend um Abzocke. Maschke: "Man schaltet schon in den vierten Gang zurück und nimmt den Fuß vom Gas, aber der Berg zieht einen hinunter, und wenn man nicht zwischendurch die Bremse benutzt, ist man unten wieder 60 Stundenkilometer schnell und wird zur Beute derer, die dort hinter einer schwachen Rechtskurve in der Einfahrt zur Gartenanlage mit ihrem Blitzer warten. " Auch an dieser Stelle seien nur äußerst selten Fußgänger oder Radfahrer auf der Straße. Er erwarte von der Stadt den Nachweis, dass an allen zur Geschwindigkeitskontrolle vorgesehenen Orten entweder eine Erhöhung von Unfälle n oder eine besondere Gefährdungslage andere Verkehrsteilnehmer vorliege. Nur so könne sich die Stadt vom offenbar teilweise berechtigten Vorwurf der Abzocke entlasten, sagt der SVZ-Leser.

"Oft genug frage ich mich, warum die Stadt zum Beispiel vor Ortsausgangsschildern blitzt und zum Beispiel nie am Obotritenring", sagt Antje Meißner. "Das eine ist reinste Geldschneiderei und das andere fahrlässig." Schon vor gut einem Jahr habe sie die Stadt darauf hingewiesen, dass der Obotritenring einer Rennstrecke gleiche. Getan habe die Stadt jedoch nichts. Meißner: "Dabei gehen täglich Kinder über die Ampel am Obotritenring. Irgendwann wird mal einer nicht so schnell halten können, und dann geht die Suche nach der Verantwortlichkeit los. Eine Gefahrenabwägung wäre schön und für uns Anwohner wäre es ein Zeichen, dass es der Stadt nicht nur um den schnöden Mammon geht, sondern wirklich um die viel beredete Prävention."

Jens Meyer vermisst Blitzer vor Altenheimen, Schulen oder Krankenhäusern. Stattdessen blitze die Kommune lieber an Hauptstraßen, wo der Verkehr richtig fließe. "Das erscheint dem Ordnungsamt wohl lukrativer", so Meyer. An solchen Haupstraßen seien Fußgänger aber kaum gefährdet.

"Ich habe letztens einen Busgeld bescheid über 15 Euro bekommen für eine Geschwindigkeitsüberschreitung von sechs Stundenkilometern in der Ludwigsluster Chaussee", teilt Peter Mehr mit. Geblitzt worden sei er an einer Stelle, die kein Unfallschwerpunkt sei. Deshalb stehe für ihn fest: "Reine Abzocke.".

"Ich bin dafür, dass Raser geblitzt werden. Was aber in Schwerin abgeht, ist wirklich eine Frechheit", sagt Klaus Hoffmann. Er sei innerhalb kurzer Zeit zweimal geblitzt worden. Einmal mit sechs, einmal mit acht Stundenkilometern über der zugelassenen Geschwindigkeit. "Ich durfte jedesmal 15 Euro zahlen. Doch dort wo es nötig ist, sieht man keine Ordnungshüter", so Hoffmann. "In der Johannes-R.-Becher-Straße am Gymnasium kann man beispielsweise Angst um die Kinder bekommen." Dort werde nämlich auch gerast, aber selten kontrolliert. In Schwerin, so Hoffmann weiter, könne kein Autofahrer so oft aufs Tacho sehen, wie es nötig wäre, um nicht geblitzt zu werden. "Als Autofahrer muss man aber auch auf Straße und Verkehr achten, um Gefahren zu vermeiden."

Keinen Anlass zur Kritik am Ordnungsamt sieht Karl-Heinz Fehrmann: "Wir alle sollten doch daran interessiert sein, den Straßenverkehr sicherer zu machen und Leben zu schützen. Wer nicht begreifen kann, dass er sich an Gesetze und Regeln zu halten hat, der muss eben bezahlen." Dass die Stadt dabei einen Nutzen aus den Verwarn- und Bußgeldern ziehe, sei ein guter Nebeneffekt für alle Bürger. "Und dass die Stadt drei Millionen Euro aus dieser Quelle einplanen kann, zeigt eigentlich nur, wie chaotisch das Verhalten vieler Kraftfahrer ist", so Fehrmann.

"Es muss nicht heißen, drei Millionen will die Stadt abkassieren, sondern muss sie abkassieren, weil die Gesetze und Verordnungen nicht eingehalten werden", meint Ulrich Haesener. Somit könne von einer Abzocke keine Rede sein. "Jeder ist verpflichtet, sich an Regeln zu halten." Sollte man aber mit einer Ver- oder Anordnung nicht einverstanden sein, so könne man Einspruch bei der Verwaltung einlegen. So seien aus seiner Sicht etwa die Blitzer kurz vor den Ampeln Am Grünen Tal in Höhe Köpmarkt und in der Crivitzer Chaussee - an der Plater Straße - unnötig, da dort ohnehin vorsichtig gefahren werden müsse.

Wolfgang Kunze ist für den häufigen Einsatz von Blitzern: "Wenn überhöhte Geschwindigkeit die Hauptunfallursache ist, muss doch gerade sie am meisten und überall kontrolliert werden. Ich schließe mich denen an, die davon ausgehen: Wer die Regeln einhält, den stören Blitzer und andere Kontrollen nicht." Und wer als Nicht-Raser trotzdem mal zu schnell sei, werde auf diese Weise "erinnert". Interessant wäre auch eine Diskussion, ob punktgenaue Blitzer-Vorabinformationen in Medien überhaupt gerechtfertigt seien. Schließlich könnten sich Raser durch diese ermutigt fühlen, an anderen Verkehrsabschnitten schneller zu fahren und damit dort das Unfallrisiko zu erhöhen, so Kunze.

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erstellt am 16.Aug.2010 | 07:32 Uhr

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