Mehr Laster, aber weniger Pkw

Der Lkw-Verkehr in der Pritzwalker Straße hat  zugenommen.
Der Lkw-Verkehr in der Pritzwalker Straße hat zugenommen.

Die Verkehrszählung in der Pritzwalker Straße ergab Erstaunliches: Im Vergleich zu 1995 hat die Zahl der Pkw deutlich ab-, die der Lkw hingegen zugenommen. 30 km/h für Laster fordern die Anlieger.

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14. Oktober 2009, 09:48 Uhr

Perleberg | Über 80 Unterschriften trägt das Schreiben der Anlieger der Pritzwalker Straße. Risse in Fassaden und Innenwänden, Lärmbelästigung und Abgase, kurzum, die Lebensqualität habe unter dem Verkehr sehr gelitten. Insbesondere die Schwerlaster liegen den Menschen hier schwer im Magen, der "Prignitzer" berichtete. Sowohl innerstädtischer Lkw-Verkehr, als auch solcher, der auf seiner Route den kürzesten Weg durch die Stadt wählt, nehme ständig zu. Nur eine subjektive Empfindung oder Realität?

Die Stadt wollte es genau wissen und veranlasste eine Verkehrszählung. Rund um die Uhr wurde vom 22. bis 28. September von einem Datenerfassungsgerät Höhe Kita alles gezählt, was sich motorgetrieben beidseitig über die Pritz walker Straße bewegte, sprich Kräder, Pkw, kleine Laster ab 3,5 Tonnen, 7,5-Tonner, Lastzüge und landwirtschaftliches Gerät. Zudem wurden anonym auch die Geschwindigkeiten erfasst, erläutert Robert Kazmierczak, zuständig für Verkehrsangelegenheiten bei der Stadt.

Als Vergleich wurde die Verkehrszählung aus dem Jahre 1995 herangezogen, die damals an einem Tag durchgeführt wurde. Das Ergebnis ist in jeder Hinsicht erstaunlich, gesteht Kazmierczak. Vor 14 Jahren registrierte man 5041 Pkw und 1027 Lkw, jetzt waren es 2550 Pkw und 1271 Lkw. Unter dem Strich: Der Gesamtverkehr in der Straße ist geringer geworden, aber "die Laster haben eindeutig zugenommen", räumt Kazmierczak unverhohlen ein.

Und auch die Geschwindigkeit gebe hier mehr als zu denken. Zugrunde wurden jeweils die Spitzenwerte gelegt und 85 Prozent der jeweils erfassten Verkehrstypen ergaben den Durchschnittswert. Erlaubt sind in diesem Bereich zur Sicherheit der Kita-Bewohner 30 km/h. 85 Prozent der Pkw fuhren stadteinwärts durchschnittlich 58 km/h und stadtauswärts gar 68 km/h. Noch eiliger hatten es die Lastzüge, stadteinwärts liegt der Durchschnitt hier bei 68 km/h und in entgegengesetzter Richtung bei 73 km/h.

Landkreis und Polizei informieren "Als Stadt werden wir den Landkreis und die Polizei darüber informieren und bei der unteren Verkehrsbehörde des Landkreises einen Antrag stellen, die Geschwindigkeit für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen auf 30 km/h zu begrenzen." Allerdings nur in der Pritz walker Straße, denn in der sich anschließenden Wilsnacker sei die Situation etwas anders gelagert. Die Häuser stehen nicht so nahe an der Straße, es gebe durch Vorgärten mehr Seitenraum, und durch die Parkplätze an der Straße sowie die Fußgänger ampeln werde der Verkehr ebenfalls gedrosselt, so Kazmierczak.

Überrascht zeigt sich auch Jürgen Nüsse, Sachbereichsleiter Straßenverkehr beim Landkreis, von der eindeutigen Zunahme des Lkw-Verkehrs in diesem Bereich. "Und wir wollen uns dieser Situation auch stellen", betont er.

Doch da gebe es noch eine Reihe von Fragen. Denn neben der Verkehrszählung sei vor allem eine Berechnung des Lärms wichtig. Tagsüber gelten 72 und nachts 62 Dezibel. Werden diese Werte überschritten, sind verkehrsrechtliche Maßnahmen geboten.

Eine Antwort verlangt auch die Frage, was bringt eine Reduzierung von 50 auf 30 km/h und ist diese auch spürbar. Außer Zweifel stehe für Nüsse, dass eine gleichmäßige Fahrweise weniger Geräusche verursache.

Allerdings hege er auch etwas Bauchschmerzen hinsichtlich einer Geschwindigkeitsbegrenzung für Lkw. "Wir haben hier keine gerade Strecke. Langsam fahrende Laster verführen möglicherweise Pkw-Fahrer auch in der Kurve zum Überholen. Unfälle wären vorprogrammiert." Kurzum, vor einer Entscheidung sollten auch alle Bedenken offen mit der Stadt diskutiert werden.

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