Mehr Kindergeld, aber weniger Hartz IV

Mandy Peters ist alleinerziehend und hat zwei Kinder zu versorgen. Sie freute sich über die Nachricht, dass das Kindergeld zum neuen Jahr steigt. Aber die 20 Euro, die sie für ihre beiden Kinder mehr bekommen würde, werden ihr von der Arge abgezogen. Nicht nur sie, sondern noch 2200 andere Bedarfsgemeinschaften im Landkreis sind davon betroffen. Sozialverbände laufen gegen die Regelung Sturm.

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12. Januar 2009, 07:12 Uhr

Ludwigslust | Justin ist sechs Jahre alt, Leon-Maurice ist zwei. "Ich versuche alles, um den beiden genauso viel zu bieten, wie es normale Familien machen", sagt Mandy Peters. Sie ist Empfängerin von Sozialleistungen nach dem Sozialgesetzbuch II, das so genannte Hartz IV. Viel Geld hat sie im Monat nicht, aber sie will sich nicht beschweren. Ihre beiden Söhne gehen in den Kindergarten - "das ist schon viel wert", sagt sie. Wenn nur das Essengeld nicht wäre. "90 Euro im Monat sind für mich wirklich viel Geld", sagt sie. Eigentlich hatte sie zum neuen Jahr Grund zur Freude. Denn das Kindergeld für die ersten beiden Kinder steigt um zehn auf 164 Euro. "Immerhin, es wären 20 Euro mehr im Monat", sagt sie. Es wären, denn das Geld, das sie mehr im Monat erhält, zieht ihr die Arge wiederum von der Zuweisung ab. Ein Nullsummenspiel.

"Ein Skandal", kritisieren Sozialverbände wie der Arbeitslosenverband diese widersprüchliche Gesetzesregelung. "Wenn die Politik etwas für Kinder machen möchte, muss es auch für alle Familien gelten und nicht die Schwächsten ausgrenzen", so die Leiterin des Arbeitslosenzentrums Ludwigslust, Renate Völckert. Es gebe viele Familien, die von den Sozialleistungen lebten und das Geld, auch wenn es nur 10 Euro je Kind sind, gut gebrauchen könnten, so Völckert weiter. "So ein Fehler darf nicht passieren." Kinder aus Hartz-IV-Familien würden in der Schule oft ausgegrenzt. So verbessere sich ihre Situation nicht, auch nicht die der Eltern.

Im ganzen Landkreis sind 2200 Bedarfsgemeinschaften von der Regelung betroffen. Und selbst eine Erhöhung des Kindergeldes, wenn sie auch für Hartz IV-Empfänger gewährt würde, löse nicht das grundsätzliche Problem, dass es viel zu wenig Geld zum Leben sei, bemängelt die Leiterin des Arbeitslosenzentrums.

"Wir können nur das umsetzten, was uns durch Gesetz vorgegeben wird", sagte der Geschäftsführer der Arge Ludwigslust, Bernd Hentrich. Die Erhöhung des Kindergeldes werde aber lediglich bei der halbjährlichen Neubearbeitung der Anträge berücksichtigt. "Eine Nachforderung über zu viel erhaltene Leistungen bis dahin, wird es nicht geben", verspricht Bernd Hentrich.

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