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Lokales

23. September 2017 | 02:18 Uhr

Mehr Holz im Kamin - Preise steigen

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erstellt am 24.Okt.2010 | 07:02 Uhr

Malchin | In Mecklenburg-Vorpommerns Wäldern werden jedes Jahr 900 000 Festmeter (Kubikmeter) Rundholz geschlagen - zehn Prozent davon wandert in den Ofen. Der jährliche Brennholzverkauf des Landes sei in den vergangenen zehn Jahren um 50 Prozent auf 90 000 Festmeter gestiegen, sagte der Fachbereichsleiter für Holzvermarktung bei der Landesforstanstalt Malchin , Carsten Küsel. Während auf dem Lande oft traditionell noch mit Holz und Kohle geheizt werde, wachse die Zahl der Kaminbesitzer und "Luxusheizer" seit Jahren rasant.

Den Angaben zufolge holen "Selbstwerber", ausgerüstet mit Motorsägenschein, Helm und Schnittschutzhose, insgesamt 70 000 Festmeter Holz aus dem Landesforst und zerteilen Äste und Stämme selbst zu handlichen Scheiten. Weitere 20 000 Festmeter Rundholz liefern die 29 Forstämter an Weiterverarbeiter, die Kaminholz an Baumärkte oder Ofenbesitzer verkaufen. "Mit kundengerechten Sortimenten lassen sich relativ hohe Preise erzielen", sagte Küsel.

Zugleich schone das Heizen mit selbst gehacktem Holz im Vergleich zum Öl oder Gas noch immer die Geldbörse der Verbraucher. Mecklenburg-Vorpommern gehört laut Agrarministerium mit 535 000 Hektar oder 23 Prozent Forstflächen zu den waldärmsten deutschen Bundesländern. Doch die Nachfrage nach Industrie- und Brennholz - auch aus den angrenzenden Ballungsräumen Hamburg und Berlin - steige ständig und sei nicht zu befriedigen, berichtete Küsel. Die nachhaltige Forstwirtschaft mit limitiertem Holzeinschlag dürfe aber trotzdem nicht gefährdet werden.

Während die Preise für Industrieholz seit 2009 um 50 bis 60 Prozent auf über 30 Euro je Raummeter anzogen, verteuerte sich Sägeholz, meist Kiefer, von 40 auf 55 Euro je Festmeter. Angepasst an die Marktlage, erhöhten sich auch die Brennholzpreise um rund 20 Prozent in fünf Jahren. So koste der Raummeter Laubholz - darunter versteht man einen Kubikmeter locker geschichtetes Holz - für Selbstwerber in dieser Saison 15 Euro und Nadelholz 12 Euro.

Das Land ist mit mehr als 200 000 Hektar größter Waldbesitzer im Nordosten, gefolgt von Kommunen und Privateigentümern mit zusammen 180 000 Hektar. Auch in privaten und kommunalen Wäldern gehe der Brennholzeinschlag nach oben, bestätigte der Vorsitzende des Landesverbandes der Waldbesitzer, Karl-Jochen Rave. Von rund 50 000 Privatwaldbesitzern gehörten 1600 dem Verband mit zusammen 40 000 Hektar Forstflächen an. "Die Krise ist vorbei, die Preise ziehen weiter an", sagte Rave. Als "einträgliches Geschäftsfeld" bezeichnete er die Brennholzgewinnung.

Mittlerweile bestehe die Gefahr, dass die Wälder zu sehr aufgeräumt und auch von humusbildendem Astreisig befreit werden, warnte Forstfachmann Rave. Zugleich wachse mit den Holzpreisen auch die Zahl der Diebstähle. Teils mit schwerer Technik rückten Langfinger an und zerstörten dabei auch Wege und Waldboden. Sorge bereite dem Verband darüber hinaus eine zunehmende Abkehr von Nadelwäldern selbst auf kargen Böden. "Auf Sand wächst kein wertvolles Laubholz", kommentierte Rave. Doch die weitere Umwandlung von Kiefern- in Laubwälder könne künftig zu Versorgungsengpässen bei der Industrie führen.

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