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Wildschadensausgleichskasse schnürt Maßnahmenkatalog : Mehr Abschüsse allein wirken nicht

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Die Ersatzzahlungen für Wildschäden haben sich binnen weniger Jahre allein im Altkreis Ludwigslust verfünffacht. Deshalb schnürt die Ausgleichskasse einen Maßnahmenkatalog, um mit gestaffelten Zahlungen zu motivieren.

svz.de von
erstellt am 09.Okt.2012 | 06:43 Uhr

Ludwigslust | Die Ersatzzahlungen für Wildschäden haben sich binnen weniger Jahre, allein auf den Altkreis Ludwigslust bezogen, verfünffacht. In absoluten Zahlen ausgedrückt: Lagen die jährlichen Ausgleichszahlungen bis zur Jagdsaison 2006/2007 zwischen 20 000 und 25 000 Euro, so schossen diese Ausgaben auf 100 000 Euro in 2011. Und auch für das laufende Jahr liegen bereits Anträge in einer Gesamtsumme von mehr als 10 000 Euro vor. Was noch nicht bekannt jedoch real wird, sind die Schäden auf den noch nicht abgeernteten Äckern und Verluste durch Wildfraß bei den Aussaaten im kommenden Frühjahr. Das bedeutet, so der Vorsitzende der Wildschadensausgleichskasse Ludwigslust-Parchim, Jürgen Behrends aus Glaisin, dass die eigentliche Antragsflut erst noch zu erwarten ist. Die höchsten Schadensanhäufungen kommen aktuell aus den Hegemeinschaften Boize-Schaale, Rögnitztal und Hagenow sowie in den Gebieten Granzin-Bengerstorf und Neuenrode-Göslow. Ein zusätzliches Problem könnte entstehen, wenn die Kernzone des Biosphärenreservats im Bereich des ehemaligen Truppenübungsplatzes Lübtheen ausgeweitet wird. "Dann haben wir ein handfestes, wohl nicht zu regulierendes Problem", schwant Behrends nichts Gutes für den Wildschadensausgleich.

Der Vorsitzende der in diesem Jahr fusionierten Wildschadensausgleichkassen Ludwigslust und Parchim befürchtet ein Ausufern der Ersatzleistungen, was durchaus das finanzielle Aus für die Solidargemeinschaft bedeuten könnte. Behrends kennt den Teufelskreis für Wildschäden zwischen Wild, Landwirtschaft und Jagd nur zu genau. Jetzt hat die Ausgleichskasse die Reißleine gezogen. Von dort will man nun nach dem Gespräch mit den Hegegemeinschaften erreichen, dass Synergieeffekte von Landwirten und Waidmännern erzielt werden. "Es wurde Tacheles gesprochen", so Behrends. Als Ergebnis soll bereits für das aktuelle Jahr erreicht werden, dass das Maß der Belastung für aller Beteiligten erreicht wird. Für die Bestandszahlen der Hauptverursacher dieser Schäden, Schwarz- und Rot- und Damwild, gibt es für Behrends dabei nur ein Ziel: Die stärkere Bejagung, um die Populationen auf ein auch für die Bestände gesundes Maß zu dezimieren. Mehr Abschüsse allein helfen aber nicht, um Verbiss und Untergang von Erntegut zu minimieren, befindet Behrends. Der vorbeugende Schutz mit Hilfe eines derzeit in Vorbereitung befindlichen Maßnahmenkatalogs soll motivieren, die Anstrengungen gegen Wildschäden zu optimieren.

Damit steht der Vorsitzende der Wildschadensausgleichkasse Ludwigslust-Parchim nicht alleine da. Entscheidend ist nach Auffassung Behrends’ die Umsetzung aller regelnden Mechanismen. Eine Aufgabe muss es sein, die veränderten Anbaustrukturen, wie beispielsweise die Erzeugung von Energiemais, vor Wildfraß zu schützen. Schwierig, wie Behrends einräumt. "Bejagen von Wildschweinbeständen in 60 Hektar großen Beständen ist ein fast nicht zu lösendes Problem. Die Schwarzkittel erst beim Abernten zu bejagen, ergebe ebenso wenig Sinn, denn den Schaden hätten sie in ihrem Fressparadies schon lange vorher angerichtet. Und: Sie verlassen den Schlag erst, wenn sie meinen, weiterziehen zu müssen. Besser wäre für alle Beteiligten, bereits vor der Feldbestellung über Schutzmaßnahmen der Feldfrüchte zu sprechen." Wie Behrends ausführte, sind elektrische Schutzzäune, das Einzäunen, der Einsatz von Geruchsstoffen oder aufschreckende und für Unruhe sorgende Methoden durchaus vielversprechende Schutzmaßnahmen für auf den Ackerschlägen reifende Feldfrüchte. Dass der Aufwand ein oft durchaus hoher ist, das ist auch der Wildschadensausgleichskasse bewusst, urteilt Behrends. Jedoch solle der Ertrag ja auch optimal ausfallen, die Hege und Pflege des Wildes ebenso nicht auf der Strecke bleiben, unterstreicht der passionierte Waidmann die Verantwortung gegenüber der Natur und den dort beheimateten Wildtieren.

"Wenn eine Vereinbarung zwischen den jeweiligen Landwirten, den Jagdpächtern und den Jagdgenossenschaften zu Stande kommt, können Wildschäden im erheblichen Maße vermieden werden. Die Wildschadensaus gleichkasse wird solche Interessengemeinschaften mit dem gestaffelten Maßnahmenkatalog unterstützen. Die Empfehlungen garantieren dann durchaus eine 90-prozentige Erstattung, wenn es das Wild dann für den Ernteerfolg zu wild treibt", blickt Behrends trotz der angespannten Situation optimistisch in die Zukunft.

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