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Lokales

18. Oktober 2017 | 22:20 Uhr

Mauern der Christuskirche freigelegt

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erstellt am 15.Apr.2011 | 07:47 Uhr

Stadtmitte | Mit Baggern, Schippen und Handwerkzeug arbeiten sich Reiner Konczak und Dieter Schmidt Stück für Stück ins Erdreich vor. Sie sind auf der Suche nach den Grundmauern der Christuskirche, die von 1909 bis 1971 am Schröderplatz stand. Einen Teil der Sakristei-Mauern am südlichen Ende haben sie schon freigelegt. Nun verfolgen sie die Fundamentmauern in Richtung Norden. "Wir nehmen das, was wir hier im Boden finden, archivarisch auf", erklärt Konczak, Grabungsleiter vom Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege. Das, was er und seine Kollegen finden, wird mit Fotos dokumentiert, genau vermessen, und in Grundrissen und Plänen festgehalten. "Das ist die letzte Gelegenheit, das zu tun", sagt er. Denn anschließend wird die Grabungsstelle zur Baustelle.

Kirche weicht Plänen einer sozialistischen Prachtstraße

Das Immobilienunternehmen TLG hat das Grundstück am Schröderplatz im März von der Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung und Stadtentwicklung gekauft. Sie will auf der Fläche, die seit den 1970er-Jahren nicht genutzt wurde, ein Hotel bauen. "Bevor wir damit beginnen, sind aber erst einmal die Bodendenkmalpfleger dran", sagt Kurt Reppenhagen, Niederlassungsleiter der TLG in Mecklenburg-Vorpommern. Er plant ein fünfgeschossiges Haus, in dem auch Wohnungen und Büros sowie eine Tiefgarage Platz haben. Baustart soll im Frühsommer dieses Jahres sein.

Mit Interesse verfolgt Reppenhagen die Arbeiten der Denkmalpfleger auf dem knapp 2500 Quadratmeter großen Grundstück. "Die Kirche, die hier einst stand, wurde 1971 gesprengt", sagt er. Der Grund für die Zerstörung des Gotteshauses: Hier war ein Vorzeigeprojekt der DDR-Architektur geplant. Eine Prachtstraße, die am Vögenteich begonnen wurde, sollte bis in den Stadthafen hinunter und schließlich über eine Brücke bis nach Gehlsdorf führen. "Dort, wo die Christuskirche stand, sollte das ,Haus der Wissenschaft und Kultur entstehen", sagt Denkmalpfleger Dieter Schmidt. Ein dreieckiges Haus, das alle umliegenden Gebäude überragt, war geplant. Aus den ambitionieren Plänen wurde allerdings nichts.

Schmidt und seine Kollegen haben sich Literatur und alte Grundrisse besorgt, bevor sie mit den Ausgrabungen begonnen haben. "Wir wissen bereits jetzt, dass ein Teil der Grundmauern unter dem Gehweg liegt", sagt Grabungsleiter Konczak. Obwohl die Kirche erst vor gut 100 Jahren nach Plänen von Gotthilf Ludwig Möckel gebaut wurde und es vergleichsweise viele Dokumente gibt, stoßen die Denkmalpfleger auf Überraschungen. Einige Mauern sind in keinem Plan eingezeichnet. Die müssen zugeordnet werden.

Eine weitere Kuriosität: In der Mitte des Grabungsfeldes haben sie einen Abfallschacht aus Ziegelsteinen freigelegt. "Den ordnen wir einer Gastwirtschaft zu, die allerdings älter sein muss als die Kirche", sagt Konczak. Eines der Fundstücke darin ist ein kaputter, kupferner Kerzenhalter. Wenn alle Mauern der ehemaligen Christuskirche, die sich auf dem Grundstück befinden, freigelegt sind, rücken die Vermesser und Fotografen an, um die Spuren der Geschichte festzuhalten.

Erst, wenn alles dokumentiert ist, können die Bodendenkmalpfleger ihre Schippen und Werkzeuge einpacken und ihre Bagger abfahren lassen. Sie machen dann Platz für die nächsten Bagger, Baumaschinen und Arbeiter. Läuft alles nach Plan, will die TLG im Mai mit dem Bau des Hotel-, Wohn- und Bürogebäudes beginnen. Die Fertigsstellung soll Ende 2012 sein.

Im Neubau: Hotel, Büro und Wohnen

Auf dem 2430 Quadratmeter großen Grundstück am Schröderplatz baut die TLG für elf Millionen Euro ein Hotel, das von Motel One genutzt werden soll. In dem fünfgeschossigen Haus sollen auch Wohnungen und Büros Platz finden. Insgesamt wird eine Fläche von 6500 Quadratmetern geschaffen. Eine Tiefgarage mit 69 Stellplätzen ist für Anwohner, Büromieter und Hotelgäste vorgesehen. Auf einer Achse in Höhe der Ostsee-Sparkasse und der Wallanlagen auf der gegenüberliegenden Seite wird es einen Durchgang für Fußgänger und Radfahrer geben. Mit dem Bau wird nach jetzigen Planungen im Frühsommer begonnen. Ende 2012 soll er fertig sein.

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