"Massiver Kontrolldruck"

Polizeikommissar Ronny Klatt und seine Kollegen überprüften gestern am Sieben Seen Center, ob die Autofahrer angeschnallt waren.
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Polizeikommissar Ronny Klatt und seine Kollegen überprüften gestern am Sieben Seen Center, ob die Autofahrer angeschnallt waren.

Mehr Unfälle und Tote auf den Straßen als noch 2007: Jetzt macht Westmecklenburgs Polizei Druck. Mit permanenten Kontrollen zu monatlich wechselnden Themenschwerpunkten wollen die Beamten Verkehrssündern auf die Finger klopfen. "Wir werden das Entdeckungsrisiko der Regelverletzer erhöhen", fasste der Chef der Schweriner Polizeidirektion, Knut Abramowski, das auf vorerst ein Jahr angelegte neue Konzept zusammen.

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08. Januar 2009, 08:25 Uhr

Schwerin | Den Auftakt zum neuen Konzept der Westmecklenburger Polizei gab es gestern mit flächendeckenden Kontrollen zur Einhaltung der Anschnallpflicht. Den gesamten Januar über werden sich alle Beamten im Bereich der Polizeidirektion Schwerin vor allem diesem Thema widmen. "Das kann die einfache Streife mit zwei Beamten sein, aber auch gebündelte Großkontrollen", sagte der Leitende Polizeidirektor, Knut Abramowski. Jeder Beamte sei entsprechend eingewiesen. "Wir wollen einen massiven Kontrolldruck aufbauen, der die Verkehrsteilnehmer nachhaltig zur freiwilligen Einhaltung der Regeln im Straßenverkehr anhalten soll."

Wie nötig das gerade bei der Anschnallpflicht sei, habe ein Test am Dienstag Nachmittag auf dem Großen Dreesch gezeigt: In nur zwei Stunden zogen die Beamten 25 Gurtmuffel aus dem Verkehr. "Es weiß eigentlich jeder, dass der Gurt Leben retten kann. Dennoch fahren viel zu viele unangeschnallt", so Abramowski. Bei sechs schweren Verkehrsunfällen im vergangenen Jahr habe es sechs Tote gegeben, weil diese nicht angeschnallt gewesen seien. In den vergangenen vier Jahren hat die Polizei im Direktionsbereich mehr als 50 000 Verstöße gegen die Gurtpflicht geahndet.

Die im Januar anstehende Überprüfung der "Rückhalteeinrichtungen", wie es im Polizeideutsch heißt, soll sich laut Abramowski nicht nur auf die Fahrer beschränken. "Gerade die Rückhaltesysteme für Kinder werden wir im Blick haben und deshalb gezielt vor Schulen und Kindereinrichtungen kontrollieren", so der Polizeichef. Zudem würden auch die Sicherungen von Tieren im Fahrzeug überprüft. Unter dem Motto "Wer hat schon gern einen Elefanten im Genick" hat die Polizeidirektion eigens ein Faltblatt aufgelegt, dass auf die Gefahren hinweist. "Ein nicht gesicherter, mittelschwerer Hund auf der Rückbank im Auto entwickelt bei einer Vollbremsung das Gewicht eines Elefanten", erklärte Abramowski.

Bei freundlichen Ermahnungen wird es die Polizei nicht belassen, wenn Verstöße entdeckt werden. Wer nicht angeschnallt fährt, muss zahlen: 30 Euro sind dann fällig.

In den kommenden Monaten werden die Themenschwerpunkte sich abwechseln. Alkohol und Drogen am Steuer sowie Geschwindigkeit bilden dabei die häufigsten Schwerpunkte, da dieses auch die größten Unfallursachen des vergangenen Jahres waren. Aber auch Zweiradfahrer werden unter die Lupe genommen. Sie hatten allein im vergangenen Jahr auf den Straßen Westmecklenburgs 160 Unfälle verursacht, bei denen sieben Menschen ums Leben kamen. Radfahrer und Fußgänger sind ebenso im Fokus der Beamten. Sie waren 2008 schuld an 193 Verkehrsunfällen. Deshalb wird sich die Polizei diesem Thema gezielt im Juni widmen, kündigte Abramowski an.

Waren in den Vorjahren die Unfallzahlen in Westmecklenburg stetig gesunken, verzeichnete die Polizei zwischen Januar und September 2008 einen "erschreckenden Anstieg", so Abramowski. In dieser Zeit starben bei 12 410 Unfällen 41 Menschen. Es gab 400 Schwerverletzte. Allein bei 632 Unfällen war überhöhte Geschwindigkeit nachweislich die Ursache. "Das sind Zahlen, die nach neuen Maßnahmen rufen. Und diesen Ruf haben wir erhört", sagte Abramowski. "Wie werden das Entdeckungsrisiko der Regelverletzer erhöhen."

Das neue Konzept themenorientierter Kontrollen ist Abramowski zufolge einmalig in Norddeutschland.

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