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Lokales

21. November 2017 | 07:33 Uhr

Massive Kritik: Winterdienst versagt

vom

svz.de von
erstellt am 13.Jan.2011 | 07:45 Uhr

Prignitz | Gegenwärtig sind Straßen weitgehend frei, der Verkehr kann relativ gut rollen. Der Winter ist aber noch lang. Und was passiert, wenn wir wieder Schnee- und Eisverhältnisse bekommen wie über die Feiertage zum Jahreswechsel? Bundes- und Landesstraßen, auf denen sich der Verkehr zwischen Eisbuckeln mehr schlecht als recht einen Weg bahnen musste oder ganz zum Erliegen kam, waren die Folge.

Doch der Landesbetrieb für Straßenwesen lässt keine Kritik an seiner eigenen Arbeit zu. Als Grund wird unter anderem fehlender Schwerlastverkehr über die Feiertage angegeben, weshalb das gestreute Salz nicht in die Straßen eingewalkt worden wäre, so seinerzeit die Aussage von Kerstin Fines-Keck, Leiterin der Niederlassung West des Landesbetriebes, gegenüber dem "Prignitzer". Die Antwort darauf, warum es beim Nachbarn in Mecklenburg-Vorpommern offensichtlich dennoch funktionierte, ließ sie offen. Auch das jüngste Fazit des Landesbetriebes zum Winterdienst enthält keinerlei Selbstkritik. Im Gegenteil, Landesbetriebschef Hans-Reinhard Reuter erklärt: "Katastrophale Straßenbedingungen hat es bisher nicht gegeben." Der Winterdienst habe alles gegeben und sei pausenlos unterwegs gewesen. Engpässe gebe es lediglich bei Streusalz. Der Produzent liefere statt der vertraglich vereinbarten 4000 Tonnen pro Tag nur 1000 Tonnen.

Manfred Prause, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Prignitz, die im Landkreis für den öffentlichen Personennahverkehr zuständig ist, lässt das nicht gelten. "Wenn man einen Vertrag mit einem Partner hat, muss der auch Sanktionen enthalten, wenn der Partner vertragsbrüchig wird", macht er geltend angesichts der nun schon längeren Diskussion zu dem fehlenden Salz.

Prause blickt kritisch auf die Situation in den vergangenen Wochen zurück. Angesichts der schlechten Straßenzustände konnten die Busse im Durchschnitt statt der sonst üblichen rund 70 Stundenkilometer nur noch mit unter Tempo 50 fahren. "Das führte zu Verspätungen. Und bei minus zehn Grad rund 20 Minuten länger auf den Bus zu warten, ist für keinen Fahrgast mehr zu akzeptieren", betont Prause. "Dank unseres rechnergestützten Betriebsleitsystems konnten wir den Anrufern zwar sagen, wo sich der Bus gerade befindet und wie lange es voraussichtlich noch dauert, bis er ankommt, aber das war für die Wartenden auch kein Trost", beschreibt Prause Reaktionen auf die Anrufe verärgerter Fahrgäste.

Deutlich verweist der Geschäftsführer darauf, dass es in anderen Verantwortungsbereichen wesentlich besser zu klappen scheint. "Wir fahren auch in andere Landkreise wie auf der B 5 nach Ludwigslust oder auf der Landesstraße nach Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. Ab der Landesgrenze waren die Straßen gut geräumt."

Sieht man von dem schlechten Zustand vor allem der Bundesstraßen 5 und 189 während und nach den Weihnachtsfeiertagen ab, führt Prause auch solche Schwerpunktbereiche wie die B 103 und die Landesstraßen 155 im Pritzwalker Bereich an, die Landesstraße 104 im Bereich Putlitz oder die Landesstraße in Richtung Lenzersilge.

Ausdrücklich positiv schätzt Prause die Zusammenarbeit mit der Prignitzer Kreisstraßenmeisterei ein. "Dort gibt es einen 24-Stunden-Dienst, der für uns immer ansprechbar ist, wenn Probleme auftauchen." Der Landesbetrieb dagegen hat schon vor Jahren aus finanziellen Gründen die Rufbereitschaft ab 22 Uhr, was den Straßenwinterdienst anbelangt, abgeschafft. Auch die Regionalleitstelle in Potsdam kann im Ernstfall dann niemanden mehr erreichen, wie die Lenzener Feuerwehr bei ihren Einsätzen zu Weihnachten feststellen musste.

Gerd Ehrke, Amtsdirektor von Putlitz-Berge, stellte in diesem Zusammenhang beim Neujahrsempfang 2011 die Frage, "ob die Ehrenamtler der Ersatz für die Bediensteten im öffentlichen Dienst werden sollen?" Und er zitierte dabei die Antwort, die man vom Landesbetrieb, angesprochen auf den "kläglichen Winterdienst" erhalten habe: "Wir haben Wichtigeres zu tun als eure Landesstraßen zu räumen, und das Streusalz ist so und so schon aufgebraucht." Mit "Wichtigeres", so Ehrke, seien Autobahnen und Bundesstraßen gemeint, obwohl letztere "in der Prignitz auch nicht besser waren - im krassen positiven Vergleich zu Mecklenburg".

Frank Rüdiger-Gottschalk, Geschäftsführer der Reisedienst Westprignitz GmbH, findet noch deutlichere Worte der Kritik. "Mit großen Anstrengungen gelang es in weiten Teilen Deutschlands, der Wintersituation Herr zu werden, mit mehr oder weniger großem Erfolg. Leider gehörte die Prignitz zu den erfolglosen Regionen, denn was die Reisenden, die Berufskraftfahrer, die Polizei, die sozialen und Rettungsdienste hier erleben mussten, war schlichtweg eine Farce."

Niemand, so Rüdiger Gottschalk, erwarte sofort und ständig beste Straßenverhältnisse, aber wenn sie sich nach Tagen nicht änderten, wenn die Gewissheit entstehe, dass nichts passiere, dann sei das frustrierend. "Wenn man dann feststellt, dass in den Nachbarregionen die Bewältigung des Winterdienstes erfolgreich vonstatten geht und im Verkehrsfunk gemeldet wird, dass Durchreisende die Prignitz meiden sollten, dann wird man hellhörig, denn immerhin sind die klimatischen und baulichen Bedingungen in der näheren und weiteren Umgebung gleich", erklärt er gegenüber unserer Redaktion.

Rüdiger-Gottschalk fordert von den Verantwortlichen des Landesbetriebes für Straßenwesen: "Sie haben einen öffentlichen Dienstleistungsauftrag, Frau Finis-Keck, von dem eine Menge abhängt und den Sie vorigen und diesen Winter nicht erfüllt haben. Denn gerade in solchen Extremsituationen müssen Sie da sein, egal, ob Feiertag oder Nachtruhe. Ein Dienstleister leistet dann, wenn die Leistung gebraucht wird." Und der Geschäftsführer empfiehlt: "Holen Sie sich Anregungen aus den Nachbarregionen!".


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