Massive Kritik an WGG-Chefs

Anfang Oktober berichtete die SVZ über zu hohe Schornsteinfeger-Gebühren. Jetzt steht die WGG-Spitze selbst im Fokus.
Anfang Oktober berichtete die SVZ über zu hohe Schornsteinfeger-Gebühren. Jetzt steht die WGG-Spitze selbst im Fokus.

Die Führung der Wohnungsgesellschaft Güstrow steht nach dem Desaster um 90 000 Euro zu hohe Schornsteinfeger-Gebühren selbst in der Kritik. Vorwurf: Die Geschäftsführer hätten die Mitarbeiterin bestraft, die den Verstoß aufdeckte, und bremsten eine Aufklärung aus. Die Beschuldigten weisen die Vorwürfe als haltlos zurück.

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28. November 2008, 03:50 Uhr

Güstrow | Über eine Sonderzahlung können sich die beiden Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Güstrow (WGG), Jürgen Schmidt und Michael Dobbek, freuen. Diesen Zuschlag sicherte der Aufsichtsrat ab. Nach SVZ-Informationen handelt es sich hierbei jeweils um einen hohen vierstelligen Betrag - eine Art 13. Gehalt.

Der Vorgang sorgt für Unmut im Umfeld der WGG, stehen doch die Geschäftsführer nach der peinlichen Panne mit überhöhten Schornsteinfeger-Gebühren selbst in der Kritik. Rund 90 000 Euro soll der zuständige Meister Hans-Dieter Murr seit 2001 nach verpasster Euro-Umstellung zu viel kassiert haben. Die WGG-Spitze stellte Anzeige, die Staatsanwaltschaft Rostock ermittelt wegen Betruges (SVZ berichtete).

Nun kommen weitere Details ans Tageslicht. So hat die Geschäftsführung versucht, die Mitarbeiterin, die den Vorfall aufdeckte, abzumahnen. Das bestätigen die WGG-Geschäftsführer Jürgen Schmidt und Michael Dobbek. Grund sei ein Verstoß gegen eine Dienstanweisung. Die Mitarbeiterin habe die Murr-Rechnung nicht wie gefordert geprüft. Noch eine Panne: Da die Frau nicht bei der WGG, sondern bei der Tochtergesellschaft Güstrower Immobiliengesellschaft (GIG) beschäftigt ist, war die Abmahnung unwirksam.

"Die einen kriegen Prämien, die anderen eine Abmahnung", kritisiert Harald Weber auf SVZ-Anfrage. Er vermisse "Selbstkritik der Geschäftsführung". Der SPD-Fraktionschef in der Stadtvertretung war amtierender Chef des WGG-Aufsichtsrates, als die Schornsteinfeger-Panne auflief. Er habe strikt aufklären wollen, versichert Weber. Aber er habe viel Widerstand in der WGG-Spitze gespürt: "Es dauerte 14 Tage bis zur Anzeige."

Hinweise auf Unregelmäßigkeiten habe es bereits im Vorfeld gegeben. Mehrere Quellen bestätigen: Die Geschäftsführung hatte Kenntnis vom fehlenden Geld über anonyme E-Mails, die vermutlich von Mitarbeitern stammen. Schmidt und Dobbek bestätigen: Diese Mails seien nach Bekanntwerden des Vorfalls eingegangen. Mehr sei wegen staatsanwaltlicher Ermittlungen derzeit nicht zu sagen.

Für Harald Weber steht fest: Für den Fehler sei die WGG-Spitze verantwortlich. Verantwortlichkeit räumen die Geschäftsführer auch ein: Bei rund 10 000 Rechnungen jährlich "können wir aber nur stichprobenartig kontrollieren", so Schmidt. Es handele sich beim Fehler um eine Rechnung pro Jahr.

Die Quittung für sein Drängen habe er bei der Wahl des neuen Aufsichtsratsvorsitzenden bekommen, sagt Weber. Dort unterlag er dem fraktionslosen Thomas Duve. "Ich war enttäuscht", so Weber. "Ich wollte den Fall Murr unbedingt zu Ende bringen."

Pikant dabei und von verschiedenen Quellen bestätigt: Die beiden im Aufsichtsrat mitstimmenden WGG-Mitarbeiter votierten für Duve - und waren somit Zünglein an der Waage. Webers Kommentar: Die Geschäftsführer hätten ihre "Hausmacht" durchgesetzt. "Das hat mit Aufsichtsrat nichts mehr zu tun." Die SPD werde auf eine Änderung des Gesellschaftervertrages drängen.

Die WGG-Chefs reagieren auf die Vorwürfe schockiert. "Das entbehrt jeder Grundlage", so Dobbek. Schmidt beteuert: "Wir haben keinen Moment das Verfahren verzögert." Vielmehr sei sofort ein externer Wirtschaftsprüfer eingeschaltet worden, der die Ursache für den Fehler bestätigt habe. Die WGG-Geschäftsführer wollen sich später schriftlich erklären - nach einem ausführlichen Gespräch mit Harald Weber, wie sie sagen. Schmidt: "Warum hat sich Herr Weber dazu nicht in den Sitzungen geäußert?"

"Das habe ich", so Weber.

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