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Lokales

24. September 2017 | 05:19 Uhr

Mario Reichelt läuft ins Nationalteam

vom

svz.de von
erstellt am 24.Jun.2010 | 07:09 Uhr

Rockenhausen/Wittenburg | 24 Stunden nonstop in Laufschuhen zurückzulegen, das erscheint "normalen" Menschen kaum vorstellbar und ein völlig verrücktes Unterfangen. Und doch gibt es auch in Deutschland mehr dieser Extremsportler, als man denken mag. Einer von ihnen ist Mario Reichelt von der TSG Wittenburg, der sich bereits zum dritten Mal der besonderen Herausforderung stellte.

Mit dem Wittenburger Laufgruppenchef Kurt Tsachiltschke als Betreuer an seiner Seite hatte sich der 39-Jährige auf den Weg gemacht ins gut 700 km entfernte Rockenhausen (Rheinland-Pfalz). In dem schönen 6000-Einwohner-Städtchen ermittelte die Deutsche Ultramarathon-Vereinigung (DUV) die Deutschen Meister im 24-Stunden-Lauf. 134 Athleten gingen an den Start. Und um es vorwegzunehmen: Ausnahmslos alle hielten durch. Bei der Eröffnung wurden die "Top-Athleten" persönlich vorgestellt. Auch Mario Reichelt kam in diesen Genuss, als bester deutscher Teilnehmer 2009 am berühmten Spartathlon (246 km von der griechischen Hauptstadt Athen nach Sparta). Vielleicht sorgte diese namentliche Nennung für eine zusätzliche Motivation. In jedem legte der Wittenburger auf dem 1175-m-langen Rundkurs ein enormes Tempo vor. Seine Zielstellung war klar formuliert: Die persönliche Bestmarke von 214 km sollte geknackt werden und nach Möglichkeit eine Medaille in der Altersklasse M40 herausspringen. Dafür hatte er in der Vorbereitung Kilometer um Kilometer "geschrubbt".

Reichelt legte rekordverdächtige Runden hin und schien der Konkurrenz zunächst regelrecht davonzulaufen. "Ich habe ihn animiert, das Tempo ein wenig zu drosseln, doch er hat sich einfach unheimlich gut gefühlt", erinnerte sich Kurt Tschiltschke. Bei der 100-km-Marke blieb der TSGler unter neun Stunden und lag eine Runde vor dem zweitplatzierten Rene Stroßny aus Bautzen. Es wurde langsam Nacht, die Temperaturen sanken rasch. In jedem Fall extremer, als Mario Reichelt erwartet hatte. Es mangelte an geeigneter Wettkampfkleidung, sprich einem langarmigen Laufshirt. Sein Betreuer konnte selbst nicht aushelfen, begab sich aber auf die Suche und wurde fündig. DVU-Ehrenpräsident Harry Arndt, der 70-Jährige gehörte früher selbst dem Nationalteam an, zog sofort sein langes Trikot aus - das Problem war behoben.

Auch nach 20 Stunden führte der Mecklenburger die Gesamtwertung mit 209 km noch an. Doch es kam, wie alle Experten prognostiziert hatten: Das hohe Anfangstempo forderte seinen Tribut. Reichelt bekam immer mehr Probleme und wurde überholt. Da aber auch Rene Stoßny eine Durststrecke zu überwinden hatte, entwickelte sich ein spannendes Duell um den Gesamtsieg. Der Bautzener erholte sich allerdings und stellte mit 236 gelaufenen Kilometern die Bestmarke. Mario Reichelt hatte bei der Schlusssirene 231,203 km zurückgelegt - alle Läufer bleiben dann genau an dem gerade erreichten Punkt stehen und warteten auf die exakte Messung. Als Lohn warteten gleich zwei Auszeichnungen: der zweite Platz in der Gesamtwertung und der Titel des Deutschen Meisters in der Altersklasse M40. Außerdem brachte ihm diese Topleistung die Berufung in das Nationalteam der Ultramarathonläufer ein.

Überglücklich fielen sich Reichelt und Tschiltschke in die Arme. Niemand schämte sich seiner Tränen, das galt auch für die beiden besten Frauen der Gesamtwertung, Gabriele Grohmann und Marika Heinlein, die ihr Rennen an der gleichen Stelle beendeten. Auf den schnell herbeigeschafften Stühlen fiel die erste Anspannung ab.

Als hilfreich und aufbauend hatte Mario Reichelt auch die vielen Anrufe von den Laufkameraden aus der Heimat empfunden, die Tschiltschke während des Rennens und danach erreichten und die er immer sofort weitergab: "Unsere rot-weiße-Gemeinschaft (Farben der TSG-Laufgruppe) ist sehr lebendig", freute sich das Duo nach diesem unvergesslichen und kaum beschreibbaren Wettkampf.

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