Marcus Japke: Vom Mikrofon zum Haftrichter

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29. Mai 2012, 10:25 Uhr

Böses Erwachen für Radiomoderator Marcus Japke bei seiner Guten-Morgen-Show am Dienstag: Polizisten verhaften den 39-Jährigen am Studio-Mikrofon und führen ihn ab. Er soll in den Jahren 2005 und 2006 eine damals 12- beziehungsweise 13-Jährige mehrfach sexuell missbraucht haben. "Die Geschädigte hat sich erst jetzt an die Polizei gewandt", sagt Maureen Wiechmann, Sprecherin der Rostocker Staatsanwaltschaft.

Zu Japkes Abführung noch während der laufenden Sendung bei Ostseewelle wollte sie keine Angaben machen. Allerdings habe das Amtsgericht Wiederholungsgefahr angenommen. Bei Sexualstraftätern bestehe generell die Sorge, dass sie erneut zuschlagen würden. Noch am Nachmittag wurde Haftbefehl erlassen und Japke in die Justizvollzugsanstalt nach Waldeck gebracht.

Allerdings sorgten die Umstände der Festnahme während einer Livesendung unter erfahrenen Kriminalisten für Erstaunen. Die Wiederholungsgefahr während der Arbeit sei doch sehr unwahrscheinlich, hieß es gegenüber unserer Redaktion. Insofern hätte man die Festnahme auch weniger spektakulär vornehmen können. "Nicht auszudenken, wenn sich der Verdacht nicht erhärten sollte", sagte ein Ermittler.

Indes betonte Staatsanwaltschaftssprecherin Wiechmann, dass auch für Japke vorerst der Grundsatz der Unschuldsvermutung gelte. Das meint auch sein Arbeitgeber: "Der Sender ist von den bestürzenden Vorwürfen überrascht", heißt es in einer Mitteilung von Geschäftsführer Tino Sperke. Die Anschuldigungen seien bis zum Auftauchen der Polizei im Studio nicht bekannt gewesen. "Ostseewelle wird die Zusammenarbeit mit dem Moderator ab sofort ruhen lassen", heißt es in der Erklärung weiter.

Nun sieht sich das bisherige Zugpferd des Senders mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Nichts neues für Japke. Denn bereits Ende vergangenen Jahres durchsuchten Polizei und Staatsanwaltschaft Wohnungen und Büros in Rostock und Umgebung, in Berlin und Köln. Der Vorwurf damals: Japke, der 2005 beim Leipziger Amtsgericht Insolvenz beantragt hatte, soll mit Hilfe von Freunden seine wahren Einkünfte als Radiomann verschleiert haben. Er schuldet elf Gläubigern insgesamt 300 000 Euro.

Die Insolvenz hätte frühestens in diesem Jahr abgeschlossen sein können - unter der Voraussetzung, dass Japke während des Verfahrens nicht erneut auffällig geworden wäre. In der so genannten Wohlverhaltensphase muss der Schuldner alle Einkünfte gegenüber dem Insolvenzverwalter offenlegen und sich an alle Auflagen halten. Japke jedoch fuhr in dieser Zeit schon wieder mit Luxusautos herum. Seine Gläubiger zeigten ihn daraufhin an. Die bei den Durchsuchungen beschlagnahmten Papiere sollen beweisen, dass Japke sein Vermögen über seine Freunde beiseite geschafft habe, so die Gläubiger.

Beispielsweise habe der Moderator günstige Arbeitsverträge abgeschlossen und als Geschäftsführer einer Firma im Bereich Radio und Fernsehen getrickst. Letztere war 2004 von seiner damaligen Lebensgefährtin gegründet worden, die bis zum vergangenen Jahr Alleininhaberin blieb. Mittlerweile soll Japke in einem zweigeschossigen Eigenheim mit großer Garage und gepflegtem Grundstück leben, dort aber nicht gemeldet sein. "Das Verfahren läuft derzeit noch", sagt Wiechmann.

Bei einer Verurteilung vor Gericht erwarten Japke dafür bis zu fünf Jahre Gefängnis oder eine Geldstrafe. Sollten sich die neuen Vorwürfe gegen ihn bestätigen, würde es aber noch bedeutend dicker für den Sänger des Schlager-Lieds "Hallo kleiner Engel" kommen: Für jede Tat müsste er zwischen sechs Monaten und 15 Jahren absitzen. Das wäre dann aller Voraussicht nach das Ende seiner Radio-Karriere.

Ostseewelle ist in den vergangenen Jahren zum meistgehörten Radiosender des Landes aufgestiegen. Geschäftsführer Sperke hatte seit 2002 die bis dahin vor sich hindümpelnde Schlager- und Oldiestatiton auf Vordermann gebracht. Großen Anteil daran hat sein Morningshow-Mann Japke.


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