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Lokales

16. Dezember 2017 | 04:40 Uhr

Mahnung wie aus heiterem Himmel

vom

svz.de von
erstellt am 07.Mai.2010 | 07:04 Uhr

Severin | Der Ärger sitzt tief. Margitta Lemm kann sich bei dem Thema so richtig in Rage reden. Ihr flatterte wie weiteren Severinern im April eine Mahnung vom Wasser- und Abwasserzweckverband (WAZV) Parchim/Lübz ins Haus. Auf die 1785 Euro Anschlussbeitrag für die zentrale Schmutzwasserbeseitigung waren noch 437,50 Euro als Säumniszuschläge draufgepackt. Die Zahlungsfrist war auf eine Woche festgelegt, andernfalls drohe eine Zwangsvollstreckung. Lemm, die mit ihrer Familie seit 1980 eine Haushälfte in dem Dorf bewohnt, ist nicht nur über den ihrer Meinung nach unzulässigen Griff ins Portmonee "stinksauer", sie sieht auch

ihren Gerechtigkeitssinn tief getroffen.

Rückblick: 2004 wurde eine neue Kläranlage für Severin und Domsühl gebaut. Unnötigerweise, wie Kritiker in beiden Gemeinden meinten. Sie hatten sogar,

unterstützt vom Verband deutscher Grundstücksnutzer, eine Bürger initiative gegen den Bau und eine damit absehbare Kostenflut gegründet. Severin hatte ein Abwassernetz mit Kläranlage, bestätigt Irene Schultz, einst Bürgermeisterin und dann Gemeindevertreterin. In Domsühl gab es Klärteiche, "die funktionierten, an denen hat der Zweckverband aber nichts gemacht", sagt Barbara Vöckler. Die neue, größere Kläranlage wurde gebaut, mit Druck aus dem zuständigen Schweriner Ministe rium, das mit Fördermitteln winkte, allerdings nur für begrenzte Zeit,wie betont wurde, erinnern sich die Mitglieder der Bürgerini tiative. "Alles, was wir unternommen haben, war für die Katz", stellt Barbara Vöckler traurig fest.

Den Baukostenbescheid über 840 Euro für die neue Kläranlage haben Lemms im Juli 2004 beglichen, gegen den Anschlussbeitrag zweieinhalb Jahre später aber fristgerecht Widerspruch eingelegt. Andere schalteten dabei sogar Anwälte ein und bekamen eine so genannte Aussetzung gewährt. "Seitdem hatte sich der Zweckverband in der Sache nicht mehr gemeldet", so Lemm. "Umso dreister finde ich jetzt die Mahnungen, gut drei Jahre später wie aus heiterem Himmel." Der Zweckverband, dem 41 Gemeinden mit 33 000 Einwohnern angehören, hat auf Anfragen empörter Bürger zurückgerudert. "Wir müssen die Säumniszuschläge nicht bezahlen, wurde mir inzwischen am Telefon gesagt, wohl aber den Rechnungsbetrag. Das ist geschehen, denn wir wollen doch nicht bei der Schufa* landen", sagt die 53-jährige Angestellte. Andere seien so eingeschüchtert gewesen, dass sie gleich alles beglichen hätten. Und bei mehreren wäre der Betrag noch viel höher als bei

ihnen selbst.

Nach Severin seien 54 Mahnungen

herausgegangen, so WAZV-Geschäftsführer Heinz Schünemann auf SVZ-Anfrage. "In 34 Fällen hatte es 2007 eine Aussetzung gegeben. Warum auch diese Bürger eine Mahnung bekommen haben, ist mir unerklärlich. Da ist bei uns offensichtlich ein Fehler passiert", räumt Schünemann ein. "Dafür kann ich mich nur entschuldigen. Von den 20, bei denen die Mahnung berechtigt war, haben die meisten bezahlt." Dem Vorwurf, hier werde abkassiert, aber mit der von Grundstückseigentümern zu viel gezahlten Mehrwertsteuer bei Trinkwasseranschlüssen wirtschafte der Zweckverband munter weiter, tritt Schünemann zu Recht entgegen. "Wir

haben dieses Geld ordnungsgemäß ans

Finanzamt abgeführt und müssen es uns für die Rückzahlungen von dort zurückholen. Dabei gehen gehen wir Ort für Ort vor, und 160 haben wir. Das ist ein riesiger zusätzlicher Aufwand für unsere Mitarbeiter." *Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung

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