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Lokales

11. Dezember 2017 | 03:13 Uhr

Magere Ausbeute zur Spargel-Halbzeit

vom

svz.de von
erstellt am 21.Mai.2010 | 08:04 Uhr

Kladrum | Von der diesjährigen Spargelzeit ist etwa die Hälfte vorbei. Bislang gab es wenig Grund zur Freude; die Erzeuger müssen, ohne gegensteuern zu können, drastische Ertragseinbußen verkraften, die Verbraucher daraus resultierende höhere Preise hinnehmen. Einziger Trost: Was auf den Tisch kommt, ist lecker wie in jedem Jahr und belohnt jene, die immer geduldig auf die frischen Stangen aus heimischer Produktion warten und sich in diesen Wochen so richtig satt daran essen.

Allerdings mussten die Portionen bis jetzt notgedrungen kleiner ausfallen. Die Agrarproduktion Zölkow, in der Region seit diesem Jahr einziger Großerzeuger des Edelgemüses, hat auf ihren Feldern in Kladrum lediglich ein Drittel der Menge geerntet wie 2009 zu diesem Zeitpunkt, ärgert sich Geschäftsführerin Gudrun Lübbe. Aber gegen diese anhaltende Kälte so weit in den Mai hinein sei einfach kein Mittel gewachsen. "Voriges Jahr haben wir am 20. April angefangen zu stechen, diesmal ging das erst genau eine Woche später. Und was jetzt vom Feld kommt, bleibt auch weit hinter den Vorjahren zurück", vergleicht Lübbe. Täglich würden 250 bis 300 Kilogramm geerntet, in guten Zeiten dagegen 650 bis 750. Die Kladrumer hätten nie Probleme gehabt, ihren Spargel unter die Leute zu bringen. Sie verkaufen direkt vom Feld und liefern an Restaurants in der Umgebung. Nun habe die Nachfrage an manchen Tagen weit über der Erntemenge gelegen, bedauert Gudrun Lübbe.

"Es ist einfach nichts los", bestätigt Carola Gehlich. Sie verdient sich die elfte Spargelsaison etwas dazu. "Sonst musste der Korb schon zwischendurch geleert werden, jetzt ist er am Ende der Reihe erst halb voll", erzählt sie. Die Saisonhelfer, die alle aus Kladrum und Umgebung kommen, werden nach Stunden bezahlt. Doch die Reihen müssen sie ablaufen, egal wie der Ertrag ausfällt. Ein Landwirt im Nachbarkreis Güstrow hat seinen Saisonkräften aus Osteuropa, die nach Leistung bezahlt werden, wegen des geringen Aufkommens ihren Lohn um ein Fünftel aufgestockt, damit sie noch einigermaßen verdienen und bei Laune bleiben.

In Kladrum wächst auf sechs Hektar Spargel. Ein Viertel davon ist neu angelegt, und die Dämme dort sind schon eingeebnet. Die Reihen zum Stechen ergeben eine Gesamtlänge von 25 Kilo metern, die Summe aus 100 Reihen. "Wir bauen eine holländische Hybridsorte an. Die wurde uns empfohlen, als wir vor 20 Jahren mit dem Spargel anfingen. Sie hat einen stabilen Ertrag und schmeckt. Wir sind gut damit gefahren", unterstreicht Gudrun Lübbe. Allerdings ließen sich die heutigen Sorten nicht mehr so lange stechen wie einst "Ruhm von Braunschweig" oder "Eros", die Jahrzehnte durchgehalten hätten. Jetzt seien es kaum mehr als zehn Jahre. "Der Anbau ist heute viel intensiver. Deshalb können wir die Erntezeit auf keinen Fall ausdehnen, um vielleicht bisherige Verluste auszugleichen", so Lübbe. Die Pflanzen müssten sich fürs nächste Jahr erholen. Deshalb sei in Kladrum am 24. Juni definitiv Schluss. Alles andere würde sich in den nächsten Jahren rächen. Dabei lassen sich Gudrun Lübbe und ihre Kolleginnen Spargel selbst auch gern schmecken. Die Chefin am liebsten mit Butter oder Sauce Hollandaise, "aber nicht aus der Tüte, sondern selbst gemacht". Simone Hinz hingegen gibt den Spargel lieber mit Butterflocken und kleinen Würfeln aus rohem Schinken in eine Auflaufform und überbackt das Ganze mit Käse.

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