Hedwig Paul hatte Angst vor kaltem Tod : Mädchen retten 88-Jähriger das Leben

Marie-Luis (l.) und Kim freuen sich, dass es Hedwig Paul wieder besser geht. Am Carport hinter ihnen haben sie die 88-Jährige gefunden. Roswitha Spöhr
Marie-Luis (l.) und Kim freuen sich, dass es Hedwig Paul wieder besser geht. Am Carport hinter ihnen haben sie die 88-Jährige gefunden. Roswitha Spöhr

"Hut ab. Wenn alle so reagieren würden!", sagt Günter Dietrich. Sein Respekt gilt Kim Preller (10) und Marie-Luis Krätzel (11). Wegen der beiden Mädchen kann Hedwig Paul aus Kukuk schon wieder ein bisschen lächeln.

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04. Februar 2011, 10:11 Uhr

Kukuk | "Hut ab vor den Kindern. Wenn alle so reagieren würden!", sagt Günter Dietrich. Sein Respekt gilt Kim Preller (10) und Marie-Luis Krätzel (11) in Kukuk. Weil die beiden Mädchen sich gekümmert haben, kann Hedwig Paul schon wieder ein bisschen lächeln. Am vergangenen Donnerstag wurde die 88-Jährige im Crivitzer Krankenhaus operiert...

Es ist bitterkalt und spiegelglatt am Mittwochmorgen, auch auf dem Hof von Hedwig Paul in Kukuk. Das aber ahnt die 88-Jährige nicht, als sie das Haus verlässt. Sie will die Zeitung aus dem Briefkasten nehmen und den gelben Sack vor die Tür stellen. Doch auf dem glatten Untergrund hat sie keine Chance. Es reißt ihr die Beine weg. Die alte Dame stürzt.

Kim und Marie-Luis warten etliche Meter entfernt auf ihren Schulbus. Ganz leise hören sie Hilferufe. Außer ihnen ist um diese Zeit noch niemand auf der Straße. Wo kommen die Rufe her? Da entdecken die Mädchen Hedwig Paul auf dem Grundstück. Sie kennen die alte Dame vom Sehen. "Können wir helfen?", will Kim wissen. Denn die 88-Jährige steht nur auf einem Bein. Sie stützt sich an einem Pfosten des Carports. Marie-Luis und Kim spüren, dass die Rentnerin starke Schmerzen haben muss. "Frau Paul hat gezittert, ihr war kalt. Wir wollten ihr den Schuh anziehen, der daneben lag, aber es ging nicht", beschreibt Kim die Situation. Während Marie-Luis bei der 88-Jährigen bleibt, läuft Kim zur anderen Hausseite und klopft an ein Fenster. Dahinter sitzen Günter und Elke Dietrich gerade beim Frühstück. "Ich bin gleich mit raus. Frau Paul ist unsere Nachbarin, und ich kenne auch die beiden Mädchen", sagt der 70-Jährige. Doch auch er kann nicht wirklich helfen. Hedwig Paul klagt über zu starke Schmerzen. Die Hüfte sei wahrscheinlich gebrochen, vermutet sie und soll später Recht bekommen.

"Ich bin zurück ins Haus, um ein Telefon zu holen", sagt Günter Dietrich und zu den Mädchen: "Ihr müsst doch los, wenn euer Schulbus kommt." "Nein, wir bleiben jetzt solange hier, bis sie wieder da sind und kümmern uns um Frau Paul", sind sich Marie-Luis und Kim einig. Bis der Rettungswagen kommt, versuchen die Drei, die Verunglückte mit mehreren Decken ein bisschen vor der Kälte zu schützen. "Ich habe auch einen Stuhl geholt. Dass wir Frau Paul ins Haus bringen, daran war nicht zu denken. Sie konnte sich kaum bewegen", sagt Günter Dietrich.

"Hut ab vor den Kindern", lobt der 70-Jährige. Seine Frau Elke hat Kim und Marie-Luis gestern mit Schokolade als ein kleines Dankeschön überrascht. "Frau Paul ist inzwischen operiert. Wenn die Mädchen nicht gewesen wären, wäre sie wohl erfroren, hat Frau Paul zu mir gesagt. Wir haben sie schon im Krankenhaus besucht, und sie hat für die Mädchen auch liebe Grüße bestellt", sagt Elke Dietrich.

Den Schulbus nach Sternberg haben Marie-Luis und Kim übrigens auch noch geschafft.

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