Mädchen entdecken ihre Talente

Luca Oldenburg (l.) und Michelle Fischer vom Fridericianum lernten an der Desgin Schule  digitale Bildbearbeitung mit 'Photoshop'.
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Luca Oldenburg (l.) und Michelle Fischer vom Fridericianum lernten an der Desgin Schule digitale Bildbearbeitung mit "Photoshop".

Mädchen haben überdurchschnittlich gute Zeugnisse. Beruflich streben sie jedoch noch immer klassische Frauenberufe mit oft geringem Verdienst und wenig Aufstiegschancen an. Beim ges trigen bundesweiten Girls Day öffneten auch in der Landeshauptstadt viele Firmen, Institutionen und Bildungseinrichtungen ihre Türen, um Schülerinnen insbesondere für technische Berufe zu interessieren.

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24. April 2009, 08:27 Uhr

Schwerin | Etwas skeptisch schauten Christina und Jennifer schon, als Marlis Pietrzak von der Firma Hiat im Technologie und Gewerbezentrum (TGZ) den beiden 14-Jährigen von der Bertolt-Brecht-Schule die Funktionsweise eines für die Herstellung von Brennstoffzellen benötigten Siebdruckers erklärte. Technik, das sei ehrlich gesagt nicht so "ihr Ding", sagten die Mädchen. Interessant fanden sie den gestrigen bundesweiten Girls Day dennoch. Auch Firmen, Institutionen und Bildungseinrichtungen aus Schwerin stellten insgesamt rund 400 Tagespraktika-Plätze bereit, um Schülerinnen aus den Klassenstufen 5 bis 12 vor allem für technische und techniknahe Berufe zu interessieren.

Christina und Jennifer sind keine Ausnahmen: Kauffrau im Einzelhandel, Bürokauffrau, Verkäuferin, Friseurin oder Medizinische Fachangestellte - das sind noch immer die fünf häufigsten Berufe, die Mädchen ergreifen. Auch Kita-Erzieherin und Grundschullehrerin sind beliebt. Berufe, die oft schlechter bezahlt werden und weniger Aufstiegschancen bieten als typisch Mänerdomänen.

"Mehr als die Hälfte der Mädchen wählt aus nur zehn verschiedenen Ausbildungsberufen, darunter ist kein einziger im naturwissenschaftlich-technischen Bereich", sagt die Schweriner Gleichstellungsbeauftragte, Petra Willert. "Mädchen und junge Frauen schöpfen ihre Berufsmöglichkeiten nicht annährend aus." Dabei würden gerade viele Firme n im tech nischen Bereic h weiblichen Nachwuchs suchen, um dem zunehmenden Fachkräftemangel zu begegnen", sagt Steffi Groth, Geschäftsführerin der im TGZ angesiedelten Agentur für Technologietransfer und Innovationsförderung GmbH (ATI).

Mit dem Girls Day, der jedes Jahr am vierten Donnerstag im April stattfindet, will ein bundesweites Aktionsbündnis eine Trendwende in der Berufsorientierung von Mädchen und jungen Frauen erreichen. In MV hatten der DGB Nord und die Vereinigung der Unternehmensverbände rund 450 Veranstaltungen organisiert.

Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke), die gestern eine 16-jährige Gymnasiastin an ihrer Seite hatte, hat das Thema Gleichstellung zur Chefinnen-Sache erklärt und definiert es über technische Berufe hinaus: "Auch Politik ist noch immer überwiegend männlich und ich will, dass sich dies in Zukunft ändert. Politik muss weiblich werden. Doch neue Trends setzen sich nicht von allein durch." Deshalb sei es wichtig, Mädchen und junge Frauen für Politik zu begeistern, indem man ihnen Einblicke in das Tagesgeschäft ermöglicht. "Schließlich will ich, dass Bürgermeisterinnen und Geschäftsführerinnen keine Ausnahme bleiben, sondern zur Normalität werden", so die OB. 21 Mädchen konnten sich gestern in der Stadtverwaltung umsehen.

Und auch auf dem gestern eröffneten Buga-Gelände war Girls Day: 20 junge Damen schnupperten in grüne Berufe des Garten- und Landschaftsbaus hinein.

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