Mach: Grabenkriege müssen aufhören

Am Rande des Unternehmerstammtisches gabs Gespräche über die neuerlichen Klagen zur Bürgermeisterwahl. Thorsten Meier
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Am Rande des Unternehmerstammtisches gabs Gespräche über die neuerlichen Klagen zur Bürgermeisterwahl. Thorsten Meier

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25. September 2010, 01:57 Uhr

Ludwigslust | Der Bürgermeister sei nicht der liebe Gott, stellt Reinhard Mach als neues Stadtoberhaupt am Donnerstagabend auf dem Unternehmerstammtisch im Landhaus Knötel seinen Ausführungen voran. "Wichtige Entscheidungen werden immer noch von der Stadtvertretung gefällt", betont Mach, der sich dafür einsetzen wolle, dass es künftig nicht mehr zwei Verwaltungen, nämlich für Land und Stadt, gäbe. "Die finanzielle Situation der Gegenwart wird uns einfach dazu zwingen", ist sich der Verwaltungschef sicher. "Bund, Länder und Kommunen haben kein Geld, die Steuereinnahmen sind rückläufig." Doch es solle nicht dort gespart werden, wo die Lebensqualität beeinträchtigt werde.

Standortmarketing ist das Zauberwort des Abends. Gemeinsam mit Land, Kreis, Kommune und Wirtschaftsförderung soll im Rahmen der Metropolregion Hamburg die Verwaltungskraft über enge Netzwerke gebündelt werden, um von den wirtschaftsstarken Nordlichtern zu partizipieren. "Wir müssen das jahrelange Kirchturmdenken endlich beenden zu Gunsten einer Kooperation", schwört Mach die Unternehmer auf eine neue Zeit ein. Sie und andere, die hoffentlich noch kommen werden, sollen sich willkommen fühlen, verspricht der Bürgermeister, der unter anderem auf Gespräche, Mitbestimmung und Transparenz in seinem Aufgabenumfeld setzt. Das dürfte Wolfgang Reiner Hildesheim besonders gern hören, denn er fordert als Regionalleiter des Unternehmerverbandes Norddeutschland Mecklenburg-Schwerin e. V., die Zusammenarbeit zwischen heimischer Wirtschaft und Stadtverwaltung vom Kopf zurück auf die Füße zu stellen. "Die Vergangenheit muss aufgearbeitet werden, damit die Stadt eine Zukunft hat. Denn es gibt zu viele Leichen im Keller", sagt Hildesheim und erntet Beifall und Tischklopfen.

Zur unendlichen Geschichte Bahnquerung befragt, bestätigt Reinhard Mach, dass er daran arbeite, damit eine Planungsvereinbarung mit der Deutschen Bahn abgeschlossen werde. Doch diese habe wohl vor 2015 keinen Euro übrig. "Diese Vereinbarung muss mit einem komplexen Verkehrskonzept für Ludwigslust verknüpft werden. Bis zu schätzungsweise 24 Millionen Euro müssen angefasst werden, um Bahnquerung, Bahnhofsvorplatz und Bahnhofsstraße zu gestalten. Wie hoch unsere kommunale Beteiligung dann wäre, weiß ich heute noch nicht. Wenn es an der Zeit ist, werde ich mich jedoch an den Bahnhof stellen, um mit den Menschen zu reden. Und um ihnen auch reinen Wein einzuschenken über unsere Haushaltslage", erklärt der Bürgermeister weiter, der im übrigen davon ausgehe, dass die A 14 planmäßig komme. "Die Anschlussstellen sollen Maut frei sein, so dass wir den Schwerlastverkehr aus der Stadt bekommen."

Bauunternehmer Horst Hintze hält zum Thema Bahnquerung dagegen und meint, dass es am Geld nie gelegen habe. "Das Projekt ist in Ludwigslust erfolgreich verhindert worden", wettert er. Mach bestreitet nichts, gibt jedoch auch zu bedenken, dass er zu dieser Zeit nicht zuständig gewesen sei. "Wir sollten unsere Kraft darauf konzentrieren, die Zukunft zu gestalten", beschwichtigt er.

Die jahrelangen Grabenkriege, die das Thema Tunnel und Bahnquerung begleiteten, will Ralf Smakman künftig nicht mehr haben. "Mit ihnen und den so vielen sinnlosen Diskussionen muss Schluss sein. Der Bahnhof ist schließlich auch ein Wirtschaftsfaktor. Die Gräben müssen wieder zugeschaufelt werden", fordert der Ludwigsluster Rechtsanwalt mit Nachdruck.

Nicht bereits alles im Vorfeld zu zerreden, mahnt auch Hotelier Uwe Knötel an. "Fakt ist, dass wir Geld in die Hand nehmen werden müssen, um ein ganzes Stadtgebiet am Bahnhof umzugestalten. Das muss den Menschen vermittelt werden. Denn so wie es jetzt da aussieht, kann es nicht bleiben." Außerdem fordert Knötel, das Einzelhandelskonzept von 2008 zu überdenken. Und verlangt des Weiteren mehr Aufgeschlossenheit für neue Ideen.

FDP-Stadtvertreter Stephan Thees gibt in einem Anflug von Politikverdrossenheit zu, dass er nicht länger mehr immer der Buhmann für alle gefassten Beschlüsse sein wolle. "Die Arbeit im Stadtparlament hat mich schnell desillusioniert", gesteht der junge Mann gnadenlos ehrlich den etwa 30 Gästen des Abends.

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