Luxus für den Ordnungsdienst?

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15. April 2010, 12:05 Uhr

Schwerin | "Das kann doch wohl nicht wahr sein", sagt unsere Leserin Iris H.*. "Die Stadt Schwerin ist fast pleite, und die Mitarbeite r des Ordnungsdienstes laufen in Jack-Wolfskin-Jacken herum . Dafür habe ich kein Ver ständnis." Ihr Mann sei bei einer Si cherheitsfirma beschäftigt und trage eine Jack e für 20 Euro . Angesichts der angespannten Haushaltssituation sollte die Stadt mit gutem Beispiel voran gehen und bei der Ausstattung ihrer Mitar beiter sparsam sein, so Iris H. "Das verstehe ich unter Bürgernähe."

Oberbürgermeisterin spricht von günstigem Angebot

Dass ihre Mitarbeiter mit den Jacken eines der füh renden Herstellers von Outdoor-Bekleidung ausgestattet sind, ist für Oberbürger meisterin Angelika Gram kow (Linke) kein Luxus: "Wir haben eine Jacke gesucht, die Regen und Wind abweisend und das ganze Jahr tragbar ist." Die Wolfskin-Jack e erfülle alle Anforde rungen, betont Gramkow. Rund 7100 Euro habe die Stadt für 30 Jacken ausgegeben. "Das war ein günstiges Angebot", so die Verwaltungschefin.

Fünf Jahre hätten die Mitarbeiter des Ordnungsdienstes ihre alten Jacken getragen, jeweils eine für den Winter, für die Übergangszeit und für den Sommer, erklärt Gramkow. Zusätzlich habe es noch eine Weste gegeben. "Die alten Jacken waren sehr schwer und nicht so funktionell", sagt die Verwaltungschefin. Die neuen Jacken mit herausknöpf barem Futter könnten bei allen Witterungsbedingungen genutzt werden. Der Zeitpunkt für einen Wechsel der Be kleidung sei außerdem sinnvoll gewesen, so Gramkow. "Da der bisherige ,Kommunale Ordnungs- und Sicherheitsdienst in ,Ordnungsdienst umbenannt wurde, hätten der alte Schriftzug an den Jacken ,KOSD sowieso geändert werden müssen."

Für die Ausstattung des Ordnungsdienstes sind nach Angaben der Stadt jährlich rund 30 000 Euro im Haushalt eingeplant. Von dem Geld werde aber nicht nur die Dienstkleidung erneuert, heißt es. Enthalten seien auch Kosten für Diensthandy und Telefonrechnungen, Fototechnik, die Leasingrate für ein Auto, Weiterbildungsmaßnahmen und die Reparatur bzw. Änderung von Dienstkleidung. Die Einnahmen, die die Stadt durch die Arbeit des Ordnungsdienstes erzielt, übersteigen die Ausgaben allerdings bei weiten. So flossen 2009 knapp 3,1 Millionen Euro für geahndete Vergehen gegen die Straßenverkehrsordnung in die Stadtkasse. In diesem Jahr sind im Haushalt wiederum Einnahmen in Höhe von mehr als drei Millionen Euro vorgesehen.

Besetzt ist der Ordnungsdienst gegenwärtig mit 23 Mitarbeitern. Die Stadt plant aber, den Dienst auf 35 Mitarbeiter aufzustocken. Bei 30 Jacken müssten fünf Mitarbeiter ihre Knöllchen dann incognito verteilen ...

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