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Backhaus: Öko-Landbaufläche soll in MV auf zehn Prozent wachsen : Lukrativer Markt für Bio-Bauern

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Bis Ende 2013 soll zehn Prozent der Acker- und Weideflächen in MV ökologisch bewirtschaftet werden. Das entspricht einem Plus von 12000 Hektar. Für dieses selbst gesetzte Ziel warb Landwirtschaftsminister Till Backhaus.

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erstellt am 18.Apr.2011 | 10:07 Uhr

Güstrow | Bis Ende 2013 soll zehn Prozent der Acker- und Weideflächen in Mecklenburg-Vorpommern ökologisch bewirtschaftet werden. Das entspricht einem Plus von 12000 Hektar. Für dieses selbst gesetzte Ziel warb Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) gestern vor Bio-Landwirten auf einer Fachtagung in Güstrow. Bereits jetzt beackern Mecklenburg-Vorpommern Biobauern neun Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche, was dem Land in Deutschland die Spitzenposition verschafft.

Um mehr vom wachsenden Bio-Lebensmittelmarkt abzubekommen, könnte es dennoch weitaus mehr sein. Immerhin kauften die Deutschen im vergangenen Jahr für knapp sechs Milliarden Euro Eier, Fleisch, Gemüse, Obst und Getreide aus umwelt- und tiergerechter Produktion. "Die Landwirtschaft in Europa sieht rosigen Zeiten entgegen", pries Backhaus die Zukunft. Nach neuen Studien würden Ökolandwirte inzwischen mehr Geld verdienen als ihre vergleichbaren Kollegen im konventionellen Bereich. Die Landwirte müssten allerdings in den nächsten drei Jahren ihren Betriebsschalter auf Öko umstellen, weil es in danach kaum noch so reichlich Fördergeld geben wird, wie sie derzeit noch fließen. Fünf Jahre lang zahlt der Staat zurzeit 150 Euro pro Hektar an konventionelle Landwirte, die sich für die ökologische Landwirtschaft entscheiden. Umweltverbände, unterstützt von manchen Biobauern, finden, es könnten auch gern 250 oder 300 Euro sein. "Dafür haben wir das Geld nicht", so Backhaus gegenüber unserer Redaktion. Allerdings gebe es neben der Umstellungsprämie ja noch zahlreiche andere Fördertöpfe, die auch Ökobauern nutzen können - etwas für Schafhalter oder Bienenzüchter.

Hans Petersen vom Roggentiner Hof bei Neustrelitz (2000 Hektar, 1100 Rinder) zeigte sich skeptisch, dass viele konventionelle Kollegen seinem Bio-Weg folgen. "Die Anreize könnten höher sein." Außerdem seien zwar die Preise für Bioprodukte an der Ladentheke höher als für "gewöhnliche" Lebensmittel. "Beim Produzenten kommt aber nicht viel davon an." Zu Backhaus´ Ziel, die Ökolandfläche auszuweiten, kann sein Betrieb nichts beitragen. Es fehlt das Geld, um weitere Felder zu kaufen oder zu pachten. Auf 12000 zusätzliche Öko-Hektar komme das Land wohl am ehesten, wenn große bislang konventionelle Betriebe mitmachen. Von denen bauen einige derzeit allerdings lieber Mais an, aus dem Bio-Sprit gewonnen wird, weil damit mehr Geld zu verdienen ist. Das hat jedoch mit Ökolandbau nichts zu tun.

Volker Brinkmann von der Firma Biofrisch Nordost wies auf ein weiteres Problem vor allem der kleinen Biobauern hin. Viele Ecken des Landes seien "marktfern". Wer die großen Absatzgebiete wie Hamburg oder Berlin beliefern wolle, "muss am besten einen Sattelschlepper voll Ware anbieten können". Sonst lohnt sich die Tour kaum noch für den Spediteur.

Christian Schmidt, Geschäftsführer des Hotels "Großherzog von Mecklenburg" in Boltenhagen, wies den Tagungsteilnehmern unterdessen einen Weg, wie vor allem kleinere Ökolandwirte sich einen lukrativen Markt erschließen können, indem sie mit Gastwirten aus ihrer Region zusammenarbeiten. Für Schmidt begann es mit dem "Rosa Tannenzapfen", einer fast ausgestorbenen Kartoffelsorte, die er seinen Gästen als regionaltypischen Genuss anbot. Inzwischen serviert er auch Wild, Schinken und Kräuter von regionalen Erzeugern, die er per Schautafeln und Broschüren seinen Gästen vorstellt. "Die Kunde würdigt das", so Schmidt. Jährlich 600 000 Euro an Aufträgen für seine Gastronomie habe er inzwischen nach Mecklenburg-Vorpommern umgeleitet. Selbst in der Minibar der Hotelzimmer gibt es nur noch Bioprodukte. Seitdem ist der Minibar-Umsatz deutlich gestiegen. Schmidt macht mit bei der Initiative "ländlich fein", die ihn und neun weitere Gastronomen und Produzenten dafür gestern mit einer Plakette auszeichnete.

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