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Lokales

26. September 2017 | 22:08 Uhr

Lukrative Jobs in der Prignitz

vom

svz.de von
erstellt am 24.Jun.2010 | 07:09 Uhr

Prignitz | Ein ziemlich düsteres Bild über Wittenberge malte im Februar das "Zeit-Magazin" . Der Artikel bezog sich auf die mehrjährige soziologische Studie "Überleben im Umbruch". Die kommt unter anderem zum Ergebnis, dass mehr als die Hälfte der arbeitenden Wittenberge nach Hamburg oder Berlin pendelt. Die Prignitz als Region ohne Arbeitsplätze?

Dieses Bild ist nicht haltbar. Das zeigt nicht nur das Ringen hiesiger Unternehmen um Fachkräfte. Unsere Zeitung traf drei Gesprächspartner, die von außerhalb in die Prignitz pendeln, weil sie hier attraktive Arbeitsplätze fanden.

Wenn Dr. Petra Reutermann mit dem Flugzeug über die Elbe fliegt, hat sie das Gefühl, genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein: "Traumhaft", schwärmt sie. Seit 2003 pendelt die Hobbypilotin und Chefärztin der Elbtalklinik Bad Wilsnack nun schon in die Kurstadt, nimmt dafür sogar eine fast dreistündige Fahrt täglich auf sich.

Der Aufstieg zur Chefärztin ermögliche es ihr, die Arbeit zeitlich besser auf ihr Kind abzustimmen, nennt sie einen Grund für die tägliche Fahrt. Vor dem Wechsel hatte Dr. Petra Reutermann in Kyritz als Oberärztin gearbeitet. Ihr Lebensmittelpunkt sei zwar nach wie vor Berlin, oder besser gesagt, Mühlenbeck (Oberhavel), etwa 20 Kilometer nördlich der Hauptstadt. Die 47-Jährige fühlt sich aber schon seit langem stark mit der Prignitz verbunden. "Ich habe hier Wurzeln geschlagen.", erklärt sie.

Nicht nur die hiesige Landschaft hat es der Fachärztin für Orthopädie und Rheumatologie angetan, auch die Menschen sind ihr ans Herz gewachsen. "Ich schätze die freundliche und direkte Art der Prignitzer". Durch ihre Arbeit lerne sie interessante Leute kennen, "und oft sehr sympathische". Auch ihr siebenjähriger Sohn fühle sich in der Region zuhause. Er sei in Bad Wilsnack in den Kindergarten gegangen, sein bester Freund sei von hier. "Er selbst ist also auch ein kleiner Prignitzer." Von morgens bis abends spiele er im Freien, sei wie die Mutti in die hiesige Natur verliebt.

Von ihrem Arbeitsplatz, der Elbtalklinik, ist Dr. Petra Reutermann überzeugt: "Viele Berliner Patienten kommen extra hierher. Ich weiß, dass wir im Vergleich zu anderen Kliniken durchaus konkurrenzfähig sind", meint sie.

Arbeiten mitten in der Natur

Die Kinder in Helmstedt, der Mann meist noch weiter entfernt in Dessau, zweimal die Woche eine anstrengende, mehrstündige Fahrt über die B 189 - Heike Garbe nimmt es auf sich, um in der Prignitz arbeiten zu können. "Ich liebe die Elbe und auch die Natur rund um Rühstädt", begründet die 44-jährige Diplom-Biologin ihre Entscheidung. Außerdem gefalle ihr die Arbeit im Landesumweltamt.

Von Montag bis Mittwoch organisiert, plant und beantragt Heike Garbe in ihrem Rühstädter Büro vor allem Forschungs- und Naturschutzprojekte. Bei ihrer Arbeit sitzt sie aber nicht nur am Schreibtisch, sondern kommt auch an die frische Luft, worauf sie großen Wert legt. Immer wieder gern nehme sie Termine mit Medienvertretern oder Bürgern unter freiem Himmel wahr, zum Beispiel im Deichrückverlegungsgebiet bei Lenzen.

Weil ihr Mann aus beruflichen Gründen nicht mit in die Prignitz ziehen konnte, verlegte das Paar den gemeinsamen Wohnsitz auf die halbe Strecke zwischen Dessau und Rühstädt, nach Helmstedt. Als sie 2004 in die Prignitz berufen wurde, fielen für Heike Garbe Wunsch und Wirklichkeit zusammen. Denn in ihrem neuen beruflichen Umfeld habe sie nun mehr Möglichkeiten. Vorher war sie in Bad Liebenwerder für die ehemalige Landesanstalt für Großschutzgebiete tätig. Ihre jetzige Stelle würde sie nicht eintauschen wollen, auch nicht gegen eine größere Stadt wie Potsdam. "Nicht, wenn ich dort nur am Schreibtisch sitze."

Das Pendeln und die damit verbundene Entfernung von ihrer Familie mache ihr Leben nicht gerade einfacher, meint die Naturschützerin, deren Berufswunsch durch die in den 80er Jahren von der damals neu aufkommenden Umweltbewegung mit beeinflusst wurde. Aber, und davon ist sie überzeugt, man kann es schaffen, wenn man sich gut organisiert.

Eine Frage der Planung

"Planung ist das A und O", sagt auch Dietmar Schmidt, Leiter des Instanhaltunsgwerkes der Bahn in Wittenberge. Schon seit mehreren Jahren pendelt der 55-Jährige, Familienfeiern müssen seitdem aufs Wochenende verlegt werden. Unter der Woche lebt Schmidt größtenteils in Wittenberge, in sein zweites Zuhause, nach Delitzsch, fährt er mit dem Auto. Immer wenn die Fahr gut planbar sei, etwa bei Dienstreisen, nutzte er jedoch den Zug: "Schließlich bin ich Eisenbahner."

Etwa zweieinhalb Stunden ist er regelmäßig zweimal die Woche mit der Bahn oder mit dem Auto unterwegs. "Einsatzbereitschaft ist selbstverständlich, es war nun mal notwendig", erklärt er den Wechsel von Cottbus, wo er zuvor als Leiter des Bahninstandhaltungswerkes arbeitete, an die Elbe.

Warum er nicht ganz in die Prignitz zieht? "Ich hänge eben an meinem Häuschen in Delitzsch, dort wohne ich schon ewig." Auch Freunde hielten ihn dort, sagt der gebürtige Leipziger. Schmidt ist zufrieden mit seiner Tätigkeit und mag die Menschen. Er formuliert nüchtern: "Die Arbeit ist ok, die Menschen sind ok." Viele hier seien bodenständig, das käme seinem Temperament entgegen. Schmidt liebt außerdem die Natur, man könne hier viel unternehmen.

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