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Lokales

19. November 2017 | 22:51 Uhr

Luftnummer an der Haustür

vom

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erstellt am 07.Jan.2010 | 08:10 Uhr

Schwerin | Diese Masche ist besonders dreist: Ein bislang unbekannter, mutmaß licher Betrüger versucht derzeit in der Landeshauptstadt, mit Luftrettungsflügen Kasse zu machen. Der Mann soll von Tür zu Tür gehen und sich als Mitarbeiter einer Luftrettungsgesellschaft ausgeben. "Bei Abschluss eines Vertrages, so sichert er zu, werde der Unterzeichner nach einem Verkehrsunfall mit dem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen", sagt Niels Borgmann von der Polizeidirektion Schwerin.

Bislang hätten mehrere Anwohner aus der Weststadt gemeldet, von dem Unbekannten angesprochen worden zu sein, so Borgmann. "Diese haben das dubiose Angebot sofort ausgeschlagen, was natürlich richtig war." Da es bei den Gesprächen an der Haustür noch nicht zu konkreten Vertragsverhandlungen gekommen sei, könne die Polizei noch nicht sagen, wieviel Geld der Mann für einen Rettungsflieger Abschluss ver lange.

Wie abwegig die vermeintliche Dienstleistungs-Offerte des Unbekannten ist, erläutert Marcus Juhls, Pressesprecher der AOK Mecklenburg-Vorpommern: "Innerhalb Deutschlands übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für alle notwendigen Krankentransporte." Sollte ein Notarzt vor Ort entscheiden, dass ein Unfallopfer wegen schwerer Verletzungen mit dem Hubschrauber in eine Klinik geflogen werden müsse, werde also auch diese Leistung von den gesetzlichen Versicherungen voll abgedeckt, so Juhls. In jährlich rund 3000 Notfällen würden die drei Rettungshubschrauber in Mecklenburg-Vorpommern, die in Güstrow, Greifswald und Neustrelitz stationiert sind, im Auftrag der gesetzlichen Krankenkassen in die Luft steigen. Für Rücktransporte aus dem Ausland böten diese private Zusatzversicherungen zu günstigen Konditionen an, fügt der Pressesprecher hinzu.

Cornelia Nagel von der Neuen Verbraucherzentrale MV in Schwerin ist der Trick mit dem Hubschrauber nicht unbekannt. So seien Anfang der 90er-Jahre Vertreter so genannter Rettungsflieger-Vereine vor allem auf dem Dreesch unterwegs gewesen. "Die Angebote sind nicht nur überflüssig. Es ist auch fraglich, ob im Ernstfall wirklich ein Hubschrauber kommt", sagt Nagel. Trotzdem gingen die Anbieter rüde vor: "Denn um eine Unterschrift zu erhalten, versuchen sie nicht selten, ihre Zielpersonen mit Horrorszenarien zu ängstigen." So werde etwa behauptet, dass Unfallopfer stundenlang unversorgt bleiben würden, sollten sie sich auf die herkömmliche Notfallmedizin verlassen. Als Begründung würden die Geschäftemacher angeben, dass diese unter Kostendruck stehe und deshalb unter Personalmangel leide, so Nagel. Schnelle Hilfe hingegen, bekämen die Angesprochenen dann zu hören, biete nur der Beitritt zu einem privaten Rettungflieger-Verein. "Für diesen werden dann bis zu 100 Euro an Jahresbeitrag verlangt", berichtet Nagel. Wer einen solchen Vertrag unterzeichne, ihn dann aber wieder kündigen wolle, müsse mit Problemen rechnen, warnt die Verbraucherschützerin. "Denn die Betrüger berufen sich darauf, dass das Widerrufsrecht auf Vereinsebene nicht gelte." Dies sei aber unzutreffend, da es sich nicht um eine normale Vereinsmitgliedschaft handele. Nagel: "Da ein Vertrag mit Entgeltzahlung vorliegt, kann dieser sehr wohl widerrufen werden." Damit es soweit gar nicht erst kommt, rät die Expertin: "Keine Geschäfte an der Haustür."

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