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Lokales

19. August 2017 | 02:03 Uhr

Luftfahrt als zweite Karrierechance

vom

Schmarl | Flugzeuge zu bauen, daran hat Wolfgang Kalski früher nie gedacht. Doch bald wird er dafür sorgen, dass die Jets abheben können: Der 49-Jährige drückt seit Herbst 2008 wieder die Schulbank im Berufsfortbildungswerk (bfw), wo er eine zweite Karriere als Fluggerätemechaniker begonnen hat. "Die größte Herausforderung ist, wieder von vorne anzufangen", sagt er. Weniger Probleme hingegen hat der gelernte Nachrichtentechniker mit dem Lernstoff - abgesehen vom Umrechnen von Zoll in Millimeter. "Dabei wirst du verrückt", sagt er.

In seiner Klasse lernen noch zwölf weitere Männer und Frauen im Alter zwischen 24 und 50 Jahren. Für sie alle ist es die Chance auf einen beruflichen Neuanfang. "Vor der Krise hatten wir eine Vermittlungsquote von 100 Prozent", sagt Ausbilder Wolfgang Rucht.

Markt erholt sich von der Krise

Die sei zuletzt zwar nicht mehr erreicht worden, der Markt erhole sich aber wieder. Weil in Mecklenburg-Vorpommern nur wenige Hersteller ansässig sind, haben die Teilnehmer sich vor Beginn der Umschulung dazu bereiterklärt, anschließend deutschlandweit eingesetzt zu werden. Beispielsweise bei Airbus, Lufthansa, Rolls-Royce oder auch auf den nationalen und internationalen Flughäfen der Bundesrepublik. "Wir bilden hier hauptsächlich für die alten Bundesländer aus", sagt Rucht. Er und seine drei Kollegen unterrichten derzeit fünf Klassen, von denen zwei komplett aus Bundeswehrsoldaten bestehen.

Eine Mischung aus Soldat und Zivilist ist Kalskis Mitschüler René Hilliger. Der 28-Jährige diente acht Jahre in Burg in Sachsen-Anhalt, wo er als Kfz-Mechaniker den Fuhrpark in Schuss hielt. Als Maßnahme seiner Wiedereingliederung in das zivile Leben übernimmt der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr die Hälfte der anfallenden Kosten. Den Rest finanziert Hilliger über einen Bildungsgutschein der Arge. "Der Kfz-Markt ist derzeit sehr ausgelastet und so bleibe ich im technischen Beruf", sagt er. Außerdem sei die Bezahlung besser als im alten Job.

Den Weg aus Sachsen-Anhalt nach Rostock hat er nicht bereut. Besondere Freude bereiten ihm die Theorieeinheiten. "Luftstrahltriebwerke sind schon etwas anderes als ein normaler Otto-Motor", sagt Hilliger. Da interessiere es ihn einfach, wie er aufgebaut ist, wie er funktioniert. "Durch meine Vorkenntnisse erkenne ich die speziellen Unterschiede", sagt er. Wie Hilliger müssen alle Teilnehmer als Zugangsvoraussetzung bereits eine Ausbildung in einem technischen Beruf hinter sich haben. Vom Rostocker bfw werden sie dann zum Fluggerätemechaniker mit einem der drei Schwerpunkte Instandhaltung, Triebwerke oder Fertigung ausgebildet. Dazu gehört auch ein dreimonatiges Praktikum in einem der Partnerbetriebe des bfw in der Luftfahrt. Das beinhaltet unter anderem die Abfertigung von Fluggeräten, die Wartung und Handhabung von Bodengeräten oder auch Systemchecks.

Darauf freut sich Kalski besonders. "Ich bin mehr der Praktiker", sagt er. Das konnte er nach der bestandenen theoretischen Prüfung auch beim praktischen Teil unter Beweis stellen. Der 49-Jährige genießt es, unter Leuten zu sein. "Zuhause sitzen will ich nicht", sagt er. Und die Klasse mache es ihm leicht. "Wir helfen uns gegenseitig und quatschen über alles." Auch mit den Ausbildern kommen er und seine Klassenkameraden gut zurecht. Es sind alles Fachleute, die jahrelange Erfahrungen im Flugzeugbau und in der Ausbildung gesammelt haben.

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erstellt am 20.Sep.2010 | 07:38 Uhr

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