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Militär sieht sich weiter in Verantwortung : Luft-Boden-Schießplatz ist offiziell Geschichte

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erstellt am 14.Jan.2011 | 05:33 Uhr

Wittstock | Der als "Bombodrom" bekannt gewordene Truppenübungsplatz nahe Wittstock in Nordbrandenburg wird Geschichte. Die Bundeswehr löste gestern die dort noch verbliebene Kommandantur offiziell mit einem Appell auf. Die letzten Soldaten werden bis 30. September abgezogen. Brandenburgs Arbeitsminister Günter Baaske (SPD) sagte, jetzt könne die Kyritz-Ruppiner Heide einer Mehrfachnutzung aus Naturschutz, Tourismus und Energiegewinnung entgegenblicken.

Der stellvertretende Befehlshaber im Wehrbereich III, Brigadegeneral Reinhard Golks, betonte, die Bundeswehr werde sich nicht komplett aus ihrer Verantwortung für den 12 000 Hektar großen früheren Übungsplatz zurückziehen. Die Armee werde auch weiterhin ihre Kenntnisse wie beispielsweise in der Munitionsbergung einbringen. Um den ehemaligen sowjetische Luft-Boden-Schießplatz war seit Beginn der 1990er Jahre heftig gestritten worden. Bürgerinitiativen, Gemeinden und Anrainer hatten sich mit Klagen gegen eine weitere militärische Nutzung gewehrt. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg untersagte im März 2009 die Nutzung als Bombenabwurfplatz.

Im Juli 2009 gab der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) den Verzicht der Bundeswehr auf den Bombenabwurfplatz bekannt. Offen blieb damals die Forderung der "Bombodrom"-Gegner nach einem völligen Rückzug der Bundeswehr von dem Gelände. Die Bundeswehr beschäftigte auf dem Truppenübungsplatz noch rund 80 Mitarbeiter. Jungs Nachfolger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) entschied schließlich im April 2010, dass die Bundeswehr das Gelände komplett aufgeben und an den Bund übergeben werde. Im November 2010 beschloss der Haushaltsausschuss des Bundestages, den ehemaligen sowjetischen Truppenübungsplatz in das Programm Nationales Naturerbe einzubeziehen.

Das Kommando Wittstock wird laut Golks bis zum 30. September vollständig aufgelöst. Danach übernimmt die Wehrverwaltung die Verantwortung. Zu einem noch nicht genau terminierten Zeitpunkt soll dann das gesamte Gelände in das allgemeine Grundvermögen des Bundes und damit an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) übergeben werden. Die Bima steht nach den Worten von Golks bereits in engem Kontakt zum Land Brandenburg, um sicherzustellen, dass von dem munitionsbelasteten Gelände keine Gefahr für Menschen ausgehe. Golks wies darauf hin, dass die Bundeswehr nach den Gerichtsentscheiden alternative Nutzungen untersucht habe. Da die Kapazitäten der Truppenübungsplätze in Deutschland ausreichten, entfalle auch die Notwendigkeit einer Kommandantur.

Baaske sagte, trotz aller Differenzen im Streit um das "Bombodrom" habe es mit der Bundeswehr in der Region immer eine gute Kooperation gegeben. Vergessen werde oft, dass die Belastung in Jahrzehnten durch die sowjetische Armee "um ein Vielfaches größer war". Die Menschen der Region hätten Anfang der 1990er erkannt, "welche große Chancen Demokratie und Rechtsstaat bieten, um berechtigte Interessen durchzusetzen".


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