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Lübz: Export von Umwelt-Know-how : Lübzer Firma recycelt Reifen in der Wüste

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Ein Lübzer Unternehmer räumt weggeworfene Reifen aus der arabischen Landschaft. Mit einem Partnerprojekt bringt Kay-Uwe Mülot modernste Recyclingtechnik aus MV nach Syrien.

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erstellt am 19.Jul.2011 | 07:52 Uhr

Lübz/ Damaskus | Ein Lübzer Unternehmer räumt weggeworfene Reifen aus der arabischen Landschaft. Mit einem Partnerprojekt bringt Kay-Uwe Mülot modernste Recyclingtechnik aus MV nach Syrien. Dort werden bisher alte Reifen einfach in die Landschaft geworfen.

Kay-Uwe Mülot hatte schon Jordaniern in Sachen Reifen-Runderneuerung auf die Sprünge geholfen und dadurch dort für einen Recycling-Anteil von sieben Prozent des Wirtschaftsvolumens gesorgt (In der EU oder den USA werden etwa die Hälfte aller Reifen wieder verwertet).

Derzeit ist Syrien an der Reihe: In dem aktuell von heftigen politischen Turbulenzen heimgesuchten arabischen Land läuft ein vorerst auf zwei Jahre befristetes Projekt namens Public-Private-Partnership (PPP), um mittelständische Betriebe für die Aufarbeitung von Reifen für Nutzfahrzeuge fit zu machen: "Auf diesem Sektor besteht ein ungeheurer Nachholbedarf", weiß Mülot, der jüngst in Syrien zu Gast war. In dieser Woche ist eine 25-köpfige Delegation von Vertretern aus staatlichen Umwelt-, Wasser-/Abwasser- und Abfallwirtschaftsbehörden aus Syrien zu Gast in Lübz: "Behörden müssen die gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen."

Mülot als der Lübzer Spezialist für Reifen-Runderneuerung arbeitet mit dem promovierten Maschinenbauer und Uni-Privatdozenten Abdallah Nassour (Spezialist für Abfallwirtschaft) und den syrischen Gouvernements Aleppo und Homs zusammen: "In Syrien ist die Entsorgung von Altreifen gesetzlich nicht geregelt, sondern läuft vollkommen willkürlich ab", berichtet Mülot. Inzwischen aber, so Mülot, "weiß doch jedes Kind, dass die Runderneuerung von Reifen wertvolle Rohstoffe einspart und die Umwelt entlastet".

Der Reifenspezialist setzt derzeit auf das so genannte Kalt-Verfahren: Hierbei wird der gebrauchten und geprüften Karkasse über ein Bindegummi bei 110 Grad ein neuer Reifenaufbau beschert - "für den Kunden ungemein wichtig und die absolute Chance, im globalen Wettbewerb gesetzeskonform agieren zu können". In Syrien gibt es lediglich einen einzigen Reifenhersteller, der aber noch Diagonalreifen produziert.

Kay-Uwe Mülot hatte sein Unternehmen in Lübz 1969 mit fünf Mitarbeitern für die Reparatur von Trabant-Autoreifen und der Runderneuerung auf der Grundlage des Heiß-Verfahrens für Reifen von landwirtschaftlichen Fahrzeugen aus der Taufe gehoben.

Der Bau der Umgehungsstraße bescherte ihm dann ein Ausgleichsgelände, wo er heute mit etwa 40 Mitarbeitern und sechs Auszubildenden eine Firma aufgebaut hat, die 80 Prozent ihres Umsatzes aus der Reifen-Runderneuerung schöpft. Auf der Reifenmesse Essen wurde ihm der mit 7000 Euro dotierte Vredestein-Förderpreis als zukunftsorientiertes Unternehmen zuteil, "das schnell und in guter Qualität liefert". Heute fabriziert Mülot täglich bis zu 150 runderneuerte Reifen.


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