Schiffspassage des Jürnjakob Swehn als Vorlage : Zwischen Containern über stürmischen Atlantik

Zwischen diesem Meer an Containern erlebte Michael Porep die Atlantiküberquerung binnen 13 Tagen von Bremerhaven nach Charleston/US-Staat South Carolina. Michael Porep
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Zwischen diesem Meer an Containern erlebte Michael Porep die Atlantiküberquerung binnen 13 Tagen von Bremerhaven nach Charleston/US-Staat South Carolina. Michael Porep

Es wurde die freudig erwartete, aber auch gefürchtete Atlantiküberquerung seines Lebens: Der Dömitzer Michael Porep stach der erste Mal in seinem Leben in See; ging als Passagier auf große Fahrt über den großen Teich.

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22. Mai 2012, 05:45 Uhr

Dömitz/Charleston | Es wurde die freudig erwartete, aber auch die vor dem Ablegen in Bremerhaven gefürchtete Atlantiküberquerung seines Lebens: Der Dömitzer Architekt Michael Porep stach der erste Mal in seinem Leben in See; ging als Passagier auf große Fahrt über den großen Teich, um seine vor kurzem geborenen Enkel, die Zwillinge Albert und Gerwin, zu besuchen. Tochter Johanna und Schwiegersohn Niels leben als Architekten in Brooklyn. Poreps Ehefrau Gabriele hatte die kurze Variante von neun Stunden im Non-Stop-Flug vorgezogen.

Dieses erstmalige Vorhaben, dazu mit einem Frachtschiff überzusetzen, begründete sich aber auch auf eine andere Leidenschaft Poreps: Die Literatur, und dort die 1917 als Buch erschienene Schiffspassage des Jürnjakob Swehn, dem Amerikafahrer - ein literarischen Glanzstücke des in Glaisin geborenen Johannes Gillhoff. Selbstverständlich hat ein Frachtschiff im 21. Jahrhundert wie die MSC Ilona völlig andere Ausmaße als der Ozeandampfer, mit dem der Auswanderer Carl Wiedow im Jahre 1868 die Griese Gegend in Richtung Amerika verließ. Doch Porep konnte während seiner Reise übers Weltmeer erahnen, was alles noch so in dem Jürnjakob Swehn alias Carl Wiedow vorgegangen sein könnte.

Da waren sicherlich zuerst einmal die Dimensionen, in denen selbst eine 300 Meter lange und 50 Meter breite MSC Ilona auf dem Atlantik wie eine Nussschale wirkt. Und welche Kräfte die Naturgewalt Wasser in sich birgt, erlebte Michael Porep auf halbem Wege, als Kapitän Miroslaw Jaworski die "Ilona" durch zehn Meter hohe Wellen steuern musste. Nicht einer der in sechs Stockwerken über Deck aufgetürmten Container ging dabei verloren. Was Porep noch mehr begeisterte, war die Leistung der Schiffskonstrukteure und -bauer: Der Stahlkoloss stampfte mit der Wucht des Zehnzylinder-Motors dank eines Hubs von 2,40 Meter je Kolben, der direkt vom Pleuel auf die über acht Meter im Durchmesser große Schiffsschraube traf, sicher durch den aufgepeitschten Ozean. "Alles bewegte sich, selbst Metalltüren verbogen sich unübersehbar. Doch nach dem Sturm war alles wieder am rechten Ort. Eine technische Meisterleistung", lobte Porep seine Kollegen vom Schiffbau. Beeindruckend war für ihn auch die lange Fahrt durch das Mississippi-Delta bis in den Welt- und Tiefseehafen New Orleans.

Vom Hafen Charleston holte ihn Ehefrau Gabriele nach 14 Stunden Zugfahrt ab. Dann ging es mit dem Auto über Land zurück, mit einem Abstecher zur täuferisch-protestantischen Gemeinschaft, den Amisch-Deutschen in Lancaster County, bis Brooklyn.

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