zur Navigation springen
Ludwigsluster Tageblatt

22. November 2017 | 14:10 Uhr

Ludwigslust : Zweite Brücke zum Schloss?

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

500 Unterschriften für Fußgängerbrücke über den Kanal. Die Stadt präsentiert vier Bau-Varianten im Ausschuss.

von
erstellt am 31.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Christel Schultz weiß nicht wohin. Die Stufen vor ihr hoch zum Gehweg schafft sie nicht aus eigener Kraft. Sie könnte auf die Kopfsteinpflasterstraße ausweichen. Aber dort fahren Autos auf beiden Seiten. Nie würde die Rentnerin diesen Weg über die Schlossbrücke alleine wagen. Der kleine Ausflug heute Morgen war eine Ausnahme – um Außenstehenden zu zeigen, wie riskant so ein Brückenspaziergang für Senioren werden kann.

Szenen wie diese beobachtet Therese Holm von ihrem Fenster in der Schlossstraße täglich. „Das ist unzumutbar“, sagt sie. „Es wird wirklich Zeit, dass sich hier was ändert.“ Als Vorsitzende des Seniorenbeirates hat sie nun eine Unterschriften-Aktion für eine zweite Fußgängerbrücke gleich neben der Schlossbrücke initiiert. Die Resonanz ist hoch: In nur drei Wochen haben fast 500 Menschen unterschrieben. Am kommenden Mittwoch will sie die Liste den Stadtvertretern vorlegen. Und dazu gleich noch ein Foto von Karl-Heinz Steinke. Der 83-Jährige hat zu Hause am Computer schon mal eine Brücke „gebaut“. Mit einer Fotomontage. „Die muss natürlich nicht genau so aussehen“, sagt er. „Aber sie zeigt, worum es uns geht.“ Auch er stand schon ratlos auf der Brücke: „Ich musste mich entscheiden: rauf aufs Pflaster oder umkehren“, sagt er. Steinkes Fotomontage beeindruckte auch die Stadtentwickler im Rathaus. Dort arbeitet man seit 2015 an der Umsetzung des Projektes „Barrierearme Schlossstraße.“ Jens Gröger, Fachbereichsleiter für Tiefbau, hatte gleich zu Beginn zur Schlossstraßenbegehung geladen. „Uns war schnell klar, dass wir für Mobilitätseingeschränkte hier unbedingt etwas verändern müssen“, sagt er. Mit Förderung aus dem Leader-Programm kann Ludwigslust nun dieses Jahr die ersten vier barrierefreien Querungen für die Schlossstraße freigeben.

Für Gröger ist das ein „erster Baustein“ für die Barrierefreiheit. Der zweite könnte die neue Fußgängerbrücke zwischen Schlossstraße und Schlossplatz werden. Weil es sich hier um einen „sehr sensiblen Bereich“ handelt, habe er vorab bei der Unteren und Oberen Denkmalschutzbehörde angefragt und positive Signale bekommen. „Nur müssen es die Ludwigsluster auch wollen“, sagt er. Erstmals öffentlich präsentieren will Gröger die verschiedenen Bauvarianten für die Brücke am 11. Mai auf der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung. Drei Wochen später werden sich die Stadtvertreter mit den insgesamt vier Entwürfen befassen. Stimmt die Mehrheit für den Bau einer Fußgängerbrücke, beginnt am 1. Juni die Planung und die Brücke könnte knapp ein Jahr später fertig sein. Gröger ist gespannt auf die öffentliche Diskussion: „Das Projekt bietet Zündstoff. Nicht jedem wird das gefallen.“

Auch Jörg-Peter Krohn, Leiter des Schlosses Ludwigslust, kann sich nicht mit der „Brücke neben der Brücke“ anfreunden. „Für mich ist der Eingriff in die historische Bausubstanz in diesem Fall zu groß“, sagt er. Es gebe andere Möglichkeit, über den Kanal zu kommen. Zum Beispiel über die Brücke am Barcastall gegenüber vom Hotel de Weimar. Für Therese Holm wäre das keine Alternative. „Das klingt sehr nach Diskriminierung“, sagt sie. „Dann werden die Alten und Kranken über eine Nebengasse zum Schloss geleitet.“ Die, die schlecht zu Fuß sind, müssten dann noch weiter laufen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen