Ludwigslust : Zweifel an Umbauplänen

Dieser Klassenraum an der Fritz-Reuter-Schule hat bereits genug Platz für einen Sitzkreis. Die Drittklässler besprechen mit Lehrerin Claudia Plickat die Hausaufgabe.
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Dieser Klassenraum an der Fritz-Reuter-Schule hat bereits genug Platz für einen Sitzkreis. Die Drittklässler besprechen mit Lehrerin Claudia Plickat die Hausaufgabe.

An Reuter-Schule sollen größere Klassenräume entstehen, um mehr Schüler aufnehmen zu können. Ausschüsse noch nicht überzeugt

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23. November 2017, 21:00 Uhr

Es klingt nach keiner großen Sache. Dennoch tun sich einige Mitglieder städtischer Ausschüsse mit den vorgeschlagenen Umbauarbeiten in der Fritz-Reuter-Schule schwer. „Wir wollen vier kleinere Räume zu zwei großen zusammenlegen, um die Klassen auffüllen zu können“, erklärte Holger Böwe, Fachbereichsleiter Gebäudemanagement bei der Stadt, auf einer Sitzung des Bildungsausschusses.

Die Umbauarbeiten stehen als Unterhaltungsmaßnahme im Entwurf des Haushaltsplanes für 2018. Zur Verwunderung einiger Ausschussmitglieder. Sie hatten das Gefühl, dass ihnen ein Vorhaben, das sie vor geraumer Zeit abgelehnt hatten, nun untergeschoben werden soll. Sophie Buchholz (SPD) zitierte aus dem Protokoll der Ausschusssitzung von März dieses Jahres: „Wir haben den Antrag abgelehnt, weil wir es sinnvoller fanden, erst eine Gesamt-Schulplanung vorliegen zu haben, und ihn in andere Ausschüsse verwiesen.“ 

Gerd Laudon (Die Linke) meinte, dass es viel Geld sei: „Wir flicken aber wieder nur an Kleinigkeiten herum. Mit ein paar eingerissenen Wänden bekommen wir doch keine 150 Erstklässler beschult.“  Von der Grundschule Techentin habe es viele Jahre lang Anfragen zur Erweiterung gegeben, die immer nicht möglich war. „An der Fritz-Reuter-Schule geht immer viel.“

Beate Müller, Fachbereichsleiterin Bildung und Soziales, versuchte, die Notwendigkeit deutlich zu machen. „Wir werden zum nächsten Schuljahr rund 20 Erstklässler mehr haben als in diesem Jahr“, erklärte sie mit Blick auf die Zahl von 128 Mädchen und Jungen. Vier Jahre später werden es sogar 150 sein. „Wir haben keine andere Lösung, um sie zu beschulen, weil auch Techentin bereits an der Grenze ist.“

An der „Fritze“ müssten im nächsten Schuljahr 27 bis 28 Kinder in jeder ersten Klasse sitzen. Passende Räume hat die Grundschule dafür nicht mehr. „Die Schule arbeitet bereits dreizügig, obwohl sie nicht dafür konzipiert ist“, so Beate Müller. Es gibt zwölf Klassenräume für zwölf Klassen sowie auf jeder Etage einen Förderraum. In den Klassenzimmern, die nun mit Nebenräumen zusammengelegt werden sollen, sitzen derzeit keine 20 Kinder. „24 wären vielleicht noch machbar“, sagte Schulleiterin Cornelia Schubring. „28 – das wäre furchtbar.“

Sie hatte im Bauausschuss den Wunsch der Schule erläutert. „Unsere Klassenräume eignen sich nur begrenzt für individualisiertes Lernen, wenn sie nur das Stellen von Tischen in der erforderlichen Anzahl erlauben“, betonte sie. Ein Raum müsste stattdessen Platz haben für einen festen Arbeitsplatz für jedes Kind, Regale, eine Leseecke, einige Computerarbeitsplätze, für Arbeit in Kleingruppen und einen Sitzkreis, um sich zu besprechen und Arbeitsergebnisse zu präsentieren. „Wir wollen und müssen auf die Vielfalt im Klassenzimmer reagieren“, sagte Cornelia Schubring und listete auf: altersgerecht entwickelte und entwicklungsverzögerte Kinder, Kinder mit Lernschwäche, LRS oder Rechenschwäche, Kinder mit unterschiedlicher Vorschulbildung und aus bis zu 20 Nationen.

Die Zusammenlegung der Räume soll und kann nach Aussage von Beate Müller nur eine Zwischenlösung sein. Bis die geplante Erweiterung der Grundschule Techentin erfolgt ist und der Neubau der Edith-Stein-Schule steht. Doch wann das soweit ist, kann in beiden Fällen derzeit nicht genau gesagt werden.

Holger Böwe erklärte im Bauausschuss, warum die Zusammenlegung der Räume – grobe Schätzungen gehen von deutlich über 100 000 Euro aus – so teuer ist. „Es geht um zwei tragende Wände.“ Aus statischen Gründen sei daher ein Rahmentragwerk erforderlich, das bis ins Erdgeschoss hinuntergeführt werden und ein Fundament erhalten muss.

Ganz so neu dürfte das Vorhaben, die Mittel für den Umbau in den 2018er-Haushalt einzustellen, den Bildungsausschussmitgliedern allerdings nicht gewesen sein. In der Juni-Sitzung hatte die Verwaltung es in einer Info-Vorlage angekündigt. „Die finanziellen Mittel für die Zusammenlegung der Räume werden im Haushalt 2018 beantragt“, heißt es im Protokoll. Die Entscheidung werden nun wohl die Stadtvertreter treffen.

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