zur Navigation springen
Ludwigsluster Tageblatt

22. November 2017 | 19:44 Uhr

Heiddorf : Zwei Dutzend Markenzeichen

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Schornsteinfegermeister Tobias Siggelkow sammelt Zylinder – traditionelle Kennzeichen seiner Zunft.

von
erstellt am 21.Mär.2017 | 21:00 Uhr

„Kinder, Kinder, ich hab’ keinen Zylinder“ – diesen alten Schlager sang Will Brandes 1965. An den Gassenhauer erinnern sich heute nur noch Szene-Nostalgiker. Schornsteinfegermeister Tobias Siggelkow war damals noch nicht auf der Welt. Mag der Schlager ein alter Hut sein, so scheint die Sammelleidenschaft bei dem Handwerksmeister, der in Heiddorf sein Unternehmen betreibt, mit jedem Zylinder zu wachsen.

Jedenfalls kann er das Klagelied des Schlagerstars von anno dazumal nicht teilen. Inzwischen ist bereits eine stattliche Sammlung von rund 25 traditionellen Kopfbedeckungen der Schornsteinfeger zusammengekommen. Sehr oft wird der 36-Jährige beim Onlinehändler Ebay fündig. „Allerdings muss man da ein wenig aufpassen“, schmunzelt der Sammler. „Im Frühjahr und Sommer, wenn viele Paare heiraten wollen, kann der Preis leicht auf das Zehnfache steigen“, so seine Erfahrung.

Der Beruf des Schornsteinfegers ist im Wandel begriffen. Noch vor einigen Jahrzehnten ging es ausschließlich ums Kehren und Fegen. Entsprechend ausgerichtet war die Werkzeugpalette. Heute gehört hochsensible Messtechnik mindestens gleichberechtigt dazu. Wenn Tobias Siggelkow, der zusammen mit einem Gesellen und einer Teilzeitkraft arbeitet, heute zu einem Kunden geht, hat er für gewöhnlich seinen Laptop unter dem Arm.

Tobias Siggelkow, der eigentlich zwischen Güstrow und Teterow zu Hause ist, ist nicht nur Bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger für 18 Orte vorwiegend in der Elbregion, sondern gleichzeitig auch Gebäudeenergieberater. Saubere und intakte Feuerstätten sind nur die eine Seite der Medaille. Die andere geht über die Beratung bis hin zum Stellen von Förderanträgen.

Trotz allen Fortschritts – die Tradition seines Berufes hält Tobias Siggelkow hoch. Wenn auch nicht mehr alle Mitglieder seines Standes den Zylinder tragen und er als Meister dies auch nicht seinen Angestellten anweisen kann – er selbst geht mit Kopfbedeckung. Ein Zylinder liegt immer griffbereit im Auto. Ursprünglich hatte Tobias Siggelkow Dachdecker gelernt, später aber bedingt durch familiäre Vorbilder sein Herz an das Schornsteinfegerhandwerk verloren. „Dass ich mal Dachdecker gelernt habe, kommt mir in meinem jetzigen Beruf zugute“, sagt er. Auf dem Dachfirst hat der Meister keine Probleme, da fühlt er sich zu Hause.

Der Blick zurück in die Tradition seines Berufes mag auch die Sicht auf Gegenwart und Zukunft schärfen. Die gelebten Tugenden seines Handwerks sind es, die Kunden überzeugen. Tobias Siggelkow weiß, dass Traditionen im Bewusstsein der Menschen auf dem Lande immer noch lebendig sind. Früher war es üblich, dass der Schornsteinfeger seinen Zylinder bei den Leuten mit der offenen Seite nach oben abgelegt hat. War er mit der Arbeit fertig, fanden sich oft ein paar Eier darin. „Das ist manchmal heute noch so“, sagt Tobias Siggelkow. Noch bis in die fünfziger, sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts fuhren die Schornsteinfeger weite Strecken mit dem Fahrrad über Land. Sie übernachteten oft in Scheunen. Gearbeitet wurde entweder barfuß oder in Pantoffeln. Auch das ist heute ein alter Hut. Aber zum Abschluss seiner Lehre erhält jeder Geselle noch heute einen Zylinder von seinem Meister geschenkt. Für Tobias Siggelkow mag das die Initialzündung für seine Sammelleidenschaft geworden sein. Er ergreift seitdem jede Gelegenheit.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen