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Ludwigsluster Tageblatt

23. September 2017 | 00:19 Uhr

Dömitz : Zurück nach Spanien? Nur noch im Urlaub

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Cristo Delgado kam vor drei Jahren von Teneriffa nach Dömitz – heute gehört er zu den besten Lehrlingen bei Metallbau Ehbrecht und will bleiben

svz.de von
erstellt am 23.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Hallo und Ja. Mehr als diese zwei deutschen Wörter kannte Cristo nicht, als er vor drei Jahren in Dömitz das erste Mal auf seinen jetzigen Chef Stefan Ehbrecht traf. Über das europäische Sonderprogramm „Mobi Pro“ war der Spanier damals als einer der ersten Teilnehmer nach Deutschland gekommen. Gemeinsam mit Jugendlichen aus Kroatien, Ungarn, Griechenland und Schweden. Einige von ihnen haben das Programm abgebrochen, sind inzwischen wieder in der Heimat oder nach Süddeutschland gegangen.

Cristo will bleiben. „Ich bin sehr zufrieden hier“, sagt der 28-Jährige heute in fließendem Deutsch. Alles, was er sich vor drei Jahren vorgenommen hatte, sei eingetreten. Seine Freundin Ana Desire sei aus Spanien zu ihm gezogen, sie absolviert heute eine Kochlehre in der Dömitzer Hafengastronomie. Er fährt ein kleines Auto und hat mit Ana eine eigene Wohnung. „Cristo ist ein Vorzeigebeispiel für gelungene Integration“, sagt sein Chef Stefan Ehbrecht, Geschäftsführer der Dömitzer Stahl- und Metallbau Ehbrecht GmbH. „Er ist einer, der will. Und wer will, der schafft so einiges.“ Ehbrecht schätzt Cristos Selbstständigkeit, seine Lust am Arbeiten und seine gute Laune. Auch Michael Schuldt, mit dem Cristo in Halle 3 täglich zusammenarbeitet, sagt: „Cristo fragt viel. Er will lernen. Wir haben Cristo gern in der Runde.“ Seine Zwischenprüfung hat Cristo im Januar ohne Probleme bestanden. „Im Fach Deutsch hatte er sogar bessere Noten als unsere deutschen Azubis“, sagt Stefan Ehbrecht. Wenn Cristo auch die Abschlussprüfung schafft, wird er übernommen.

Von den ausländischen Jugendlichen, die über „Mobi Pro“ nach Deutschland gekommen sind, würden heute etwa 60 Prozent noch dabei sein, sagt Karin Sitter. Sie ist Teamleiterin für Mobi Pro bei der GiB (Gesellschaft für innovative Beschäftigung), die gegenwärtig 142 ausländische Lehrlinge in der Region zwischen Rostock und Wittenberge betreut. Bei der GiB in Ludwigslust schaut Cristo öfter noch vorbei. „Erst kürzlich hat er uns gefragt, ob er Nachhilfe in Sozialkunde bekommen kann“, erzählt Karin Sitter.

„Die jungen Ausländer sind auf unsere Unterstützung angewiesen, gerade am Anfang“, sagt Stefan Ehbrecht. Er hat Cristo bei der Wohnungssuche in Dömitz geholfen. Danach überraschte ihn der Spanier mit Blumen und Pralinen auf der Arbeit.

Die Heimat vermisst der junge Mann aus Teneriffa nur noch selten. „Im ersten Winter war es schwer“, erzählt er. „Da musste ich mir zum ersten Mal im Leben dicke Sachen kaufen. Früher war für mich alles unter 15 Grad kalt. Heute ist alles über null Grad warm.“ Mit der Mutter und den zwei Brüdern auf der Insel hält er Kontakt über das Internet. „Mit Skype ist das alles einfach.“ Oft würden ihn die Freunde in Spanien fragen, wie er es aushält in Deutschland. In der Kälte und ohne die langen Siestas. Cristo muss dann lachen. „Wenn ich hier Feierabend habe, hört in Spanien erst die Siesta auf. In Deutschland habe ich nach der Arbeit Zeit für andere Dinge.“

Zurück in die spanische Heimat will der 28-Jährige nicht. Cristo: „Nach Teneriffa fliege ich nur noch im Urlaub.“

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