Archäologie : Zunftlade von Grabow ausgegraben

Archäologe Rolf Schulze wird bei den Grabungsarbeiten auch von den Bauleuten unterstützt.
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Archäologe Rolf Schulze wird bei den Grabungsarbeiten auch von den Bauleuten unterstützt.

Archäologe Rolf Schulze spricht von einem der bedeutendsten Funde der Bodendenkmalpflege

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10. November 2015, 12:00 Uhr

Für Grabows Bürgermeister Stefan Sternberg ist es ein sensationeller Fund, was die Bauleute gestern gemeinsam mit dem Archäologen ausgruben: Die alte Zunftlade von Grabow. „Lange galt sie als verschollen, in dieser einst großen Truhe aus Holz mit wertvollen Beschlägen waren Unterlagen, Geld und besondere Insignien der Zünfte aufbewahrt“ , so der Bürgermeister. Für den Schweriner Archäologen Rolf Schulze ist es einer der bedeutendsten Funde in der Bodendenkmalpflege. Die Truhe stammt aus der Hochzeit der Zünfte in Mecklenburg.

Der Bagger gräbt sich in die Erde, immer und immer wieder kommen in dem Aushub in der Baugrube neben dem Rathaus für die Archäologen interessante Überbleibsel verschiedener geschichtlicher Epochen ans Tageslicht.

Zum Vorschein kam bei den Grabungsarbeiten das Metallgestell der einstigen Lade, das Holz ist natürlich im Laufe der Jahrhunderte verrottet. Eigentlich sollten die Tiefbauarbeiten und die Grabungen in diesem Bereich gar nicht so weit gehen, aber der Bürgermeister hatte dann entschieden, bis zum historischen Keller hinunter zu gehen.

Für den Archäologen ist das eine wahre Fundgrube. „Das Fachwerkhaus, das bis 1945 Domizil des Heimatmuseums und Sitz der Polizeiwache war, birgt in dem Erdreich des Kellers viele Schätze. Das Haus stammt aus der Zeit um 1725, aus der Frühneuzeit, eine für Archäologen sehr relevante Periode“, ergänzt Rolf Schulze. Hier sei mit deutlich älteren Befunden zu rechnen, weil darunter eine mittelalterliche Bebauung zwischen 1200 und 1500 liegt.

Und in den Bauleuten hat er auch interessierte Helfer gefunden, die auch schon mal selbst zur Grabungskelle greifen und Rolf Schulze bei seiner Arbeit unterstützen. „Wir haben uns bis zum Fußboden des Kellers vorgearbeitet, der nun vollständig freigelegt wird. In den letzten Tagen haben wir hier Teile des Museumsinventars gefunden, wie Bruchstücke von verschiedenen Gefäßen, Ziergefäße, Tischdekorationen, Figuren. Dazu gehörte auch das Jubiläumsschild eines Gabower Vereins.“ Auch Hausrat, der im Museum ausgestellt war, trat bei den Grabungsarbeiten zutage.

Aber auch Waffen, so alte Wehrmachtskarabiner, Bajonette, Dolche, Stahlhelme wurden gefunden. „Es ist davon auszugehen, dass hier zum Kriegsende vorbeimarschierende Truppen auf der Flucht vor den Russen sich dieser Sachen entledigt und in den Keller des Hauses geworfen haben“, so Rolf Schulze. Die Grabungen sollen bis Mittwoch abgeschlossen sein, auch der Erdaushub wird noch durchsucht. „Teilweise wird gesiebt oder mit Metalldetektoren gearbeitet“, wirft der Archäologe einen Blick voraus. So wird das Mauerwerk dokumentiert und gereinigt. Die Fundstücke, die dem Museum zugeordnet werden können, bleiben in Grabow, die anderen gehen in den Bestand des Landesamtes für Denkmalpflege Schwerin über.

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