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Hospizverein Ludwigslust : Zuhören, Hand halten und helfen

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Hospizverein Ludwigslust will Hilfe in besonderer Lebenslage bieten. 19 Hospizbegleiter gehen in betroffene Familien

svz.de von
erstellt am 14.Okt.2017 | 08:00 Uhr

Berührungsängste begegnen Michaela Joachim in ihrem Job immer wieder. „Viele Menschen mögen sich mit dem Tod naher Angehöriger oder der eigenen Sterblichkeit nicht auseinandersetzen“, sagt die Koordinatorin des Hospizvereins Ludwigslust. „Berührungsängste gibt es aber auch uns gegenüber, weil sich die Menschen nicht vorstellen können, was wir tun.“ Dabei gibt es den Verein bereits seit 15 Jahren. Nicht am heutigen Welthospiztag, aber am 25. Oktober wird das Jubiläum gefeiert.

Die derzeit 19 ehrenamtlichen Hospizbegleiter des Vereins besuchen Menschen, die lebensverkürzend erkrankt sind, und deren Familien. Zu Hause, im Pflegeheim und manchmal auch im Krankenhaus. „Wir geben Lebenshilfe in mehrfacher Hinsicht“, sagt Michaela Joachim. Ein paar Worte mit dem Erkrankten wechseln, einfach die Hand halten, eine kleine Runde im Garten gehen oder auch mal Karten spielen. „Viele Betroffene berichten, dass sich Freunde und Bekannte abgewandt haben“, so Michaela Joachim. Unterstützung bekommen aber auch die pflegenden Angehörigen. „Einige trauen sich wegen der Erkrankung des Partners gar nicht mehr vor die Tür“, berichtet die Koordinatorin, die immer zuerst in die betroffenen Familien geht, um zu schauen, welcher der ehrenamtlichen Hospizbegleiter am besten passt. „Wenn wir da sind, haben sie mal Zeit, um selbst zum Arzt, zum Friseur oder nur zum Einkaufen zu gehen.“ Und der Hospizverein gibt auch Lebenshilfe, was Unterstützungsmöglichkeiten angeht. „Es gibt ja viele Angebote, die viele Menschen aber nicht kennen“, so Michaela Joachim. Gerade war ein älteres Ehepaar da, das in seinem Haus etwas ändern müsste. „Sie wussten nicht, dass es den Pflegestützpunkt gibt, der dazu berät und das auch bei den Leuten zu Hause.“ Auch Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung sind Themen. Montag und Donnerstag ist das Büro des Hospizvereins in der Bahnhofstraße 20 (Stiftsgelände) von 9 bis 11 Uhr besetzt. Andere Zeiten können telefonisch (03874 / 433-387) vereinbart werden.

Groß ist derzeit die Nachfrage nach Besuchsdiensten in Pflegeeinrichtungen. Dort kümmert sich ein Ehrenamtlicher manchmal um bis zu fünf Frauen und Männer. „Wer meint, der Pflegenotstand kommt, der irrt. Er ist schon da“, meint die Koordinatorin. Außerhalb der Pflegeeinrichtungen versuche man, höchstens zwei laufende Begleitungen pro Ehrenamtler zu haben. Im nächsten Jahr bekommen die Ludwigsluster Hospizbegleiter Unterstützung. Drei neue Mitstreiterinnen beginnen ihre Ausbildung.

Michaela Joachim freut sich, dass sich immer wieder Menschen für diese Arbeit finden. „Für die meisten von ihnen ist die Nächstenliebe die große Motivation“, sagt sie. „Die Chance, einem Menschen, der es sehr schwer hat, seelisch beistehen zu können.“ Die Hospizarbeit trage auch unheimlich zur eigenen Lebenserfahrung bei und verändere die eigene Lebensführung. „Dinge, die wir ganz wichtig finden, relativieren sich.“

Eine enge Zusammenarbeit gibt es mit dem neu gegründeten SAPV-Team für den Landkreis Ludwigslust-Parchim. Dessen speziell ausgebildete Ärzte und Pflegekräfte bieten die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) an.

Mittlerweile wird die ambulante Hospizarbeit auch von den Krankenkasse gefördert – die Stelle der Koordinatorin, Fahrkosten der Ehrenamtler, Kosten für Weiterbildung und Literatur. Dennoch ist der Verein auch auf Spenden angewiesen. „Wir sind immer angetan davon, wie großzügig die Menschen sind“, sagt Michaela Joachim. Im November wird sie das Resultat der Spendenfreudigkeit auf dem Hof stehen sehen. Über die letztjährige Spendenaktion des NDR „Hand in Hand für Norddeutschland“ erhält der Hospizverein ein Auto.

Am 25. Oktober (17.30 Uhr) will der Hospizverein Ludwigslust e.V. sein 15-jähriges Bestehen mit Kooperationspartnern, Freunden und Unterstützern feiern. Im Luna-Filmtheater in Ludwigslust sehen sie den Film „Berührungsängste“, um anschließend darüber ins Gespräch zu kommen. „In dem Film der Mediengruppe Wuppertal stellen sich drei junge Menschen ihren Berührungsängsten, indem sie drei Sterbenden begegnen“, erklärt Michaela Joachim.  

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