Malliss : Zu wenig Leben im Industriepark

Das große Schild an der B 191 hat bisher kaum Investoren in den Gewerbe- und Industriepark Malliß gelockt.
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Das große Schild an der B 191 hat bisher kaum Investoren in den Gewerbe- und Industriepark Malliß gelockt.

Bislang nur zwei Grundstücke verkauft / Zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen bleiben aus / Gemeinde Malliß finanziell am Abgrund

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18. Februar 2014, 13:37 Uhr

Ein roter Lkw biegt von der B 191 ab in Richtung Gewerbegebiet. Doch der Schein trügt. Was im ersten Moment nach geschäftlichem Treiben auf dem für viel Geld erschlossenen Areal aussieht, entpuppt sich als Pause eines Brummifahrers. Ansonsten tut sich im Gewerbe- und Industriepark Malliß rund zweieinhalb Jahre nach der mit viel Politprominenz erfolgten Einweihung nicht viel. Die erhofften 100 neuen Arbeitsplätze sind nicht in Sicht. Genauso wenig wie zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen. Stattdessen bringt das Gebiet die Gemeinde Malliß an den Rand des Ruins. „Wenn im Industriegebiet nichts passiert, sind wir in Kürze zahlungsunfähig“, sagt Bürgermeisterin Brigitte Gäth.

Rund 1,9 Millionen Euro waren in das etwa 13 Hektar große Gelände, auf dem sich einst das Spanplattenwerk befand, investiert worden. Gut die Hälfte davon floss in den Abriss von alten Gebäuden und Anlagen. Außerdem wurden Straßen, Schmutz- und Trinkwasserleitungen und die Löschwasserversorgung gebaut. Bei rund 1,3 Millionen Euro Fördermitteln vom Land zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstrukturen blieben etwa 600 000 Euro, die Malliß selbst aufbringen musste.

Eine Last, die die Gemeinde bis heute mit sich herumschleppt. Denn trotz des günstigen Kaufpreises von 6 Euro je Quadratmeter hält sich das Interesse potenzieller Investoren bisher in Grenzen. „Wir haben erst zwei Grundstücke verkauft“, erklärt Brigitte Gäth. So ist der Rückfluss finanzieller Mittel in den Gemeindehaushalt gering, zumal die Verkäufe bislang auch zu keinem Plus bei den Gewerbesteuereinnahmen geführt haben. Deshalb muss Malliß weiter von Kassenkrediten – vergleichbar mit dem Dispokredit bei privaten Konten – leben. Gerade hat die Kommunalaufsicht des Landkreises den Haushaltsplan der Gemeinde für 2014 genehmigt und mit ihm einen Kassenkredit in Höhe von rund 640 000 Euro. „Er ist nötig, um unsere Zahlungsfähigkeit sicherzustellen“, so Gäth. Doch die fälligen Zinsen erhöhen den Schuldenberg immer weiter.

Ohne zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen werde die Gemeinde aus dieser misslichen Lage kaum herauskommen, so die Bürgermeisterin. Deshalb müsse man jetzt andere Wege gehen, um ansiedlungswillige Unternehmer für den Gewerbe- und Industriepark zu finden, selbst auf Messen fahren und Kontakte knüpfen. „Vom Schreibtisch aus ist das nicht zu machen“, sagt Brigitte Gäth. Sie kann das neben ihrer beruflichen Tätigkeit nicht leisten und hatte deshalb bereits angekündigt, bei der Kommunalwahl nicht wieder kandidieren zu wollen.

Freiwillige Aufgaben kann sich Malliß aufgrund der finanziellen Situation kaum noch leisten. Die Bibliothekarin war im vergangenen Jahr entlassen werden. Jetzt engagiert sich eine Gemeindevertreterin ehrenamtlich, damit die Bibo wenigstens einmal pro Woche öffnen kann. Auch den Jugendclub mit Betreuer gibt es noch, der Zuschuss vom Landkreis für 2014 wurde bewilligt. Und die Kommunalaufsicht hat auch die Aufnahme eines Investitionskredites über 14 700 Euro bewilligt, damit Grund- und Regionalschule mit neuer Computertechnik ausgerüstet werden können. „Die alten Geräte stammen von 2002“, macht Brigitte Gäth die Dringlichkeit deutlich.

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