Dömitz : Zu den Kranichen durch Spanien geradelt

Christa Lüth aus Dömitz liebt ihren Garten – und alle Pflanzen und Tiere.
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Christa Lüth aus Dömitz liebt ihren Garten – und alle Pflanzen und Tiere.

Christa Lüth aus Dömitz liebt die Natur und geht auch als 77-Jährige noch mehrmals pro Woche auf die Jagd / „Air“ von Bach ist ihr liebstes Musikstück

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11. Juli 2014, 16:46 Uhr

Sie liest Bestimmungsbücher wie Romane. Sie geht zwei- bis dreimal in der Woche zur Jagd. Sie beobachtet für das brandenburgische Brutvogelmonitoring in der Elbtalaue Vögel. Sie liebt es, in ihrem Garten zu arbeiten, und Rauhaarteckel „Erdbeere“ um sich zu haben. „Ich kann mir ein Leben ohne Tiere und Pflanzen nicht vorstellen“, sagt Christa Lüth, die seit 45 Jahren in Dömitz lebt.

Zur Jagd war die 77-Jährige, die früher als Veterinäringenieurin gearbeitet hat, vor rund 30 Jahren durch Zufall gekommen. Damals hatte sie einen Vortrag eines Revierförsters und Jägers gehört. „Danach stand für mich fest: Ich werde Jägerin“, so Christa Lüth. Doch das war einfacher gedacht als getan. „Es hat zwei Jahre gedauert, bis ich einen Jäger gefunden hatte, der bereit war, eine Frau auszubilden.“

Christa Lüth engagierte sich im Landesjagdverband, arbeitete 20 Jahre im Vorstand des Kreisjagdverbandes mit und war einige Jahre lang Kreisjägermeisterin. Auch im BUND war die Naturfreundin aktiv. Besonders gern erinnert sie sich an eine Reise nach Spanien. Gemeinsam mit drei Biologen war sie mit dem Fahrrad durch das Land gefahren, um die Kraniche, die in der Elbregion brüten, in ihrem Winterquartier zu besuchen.

Viele ihrer ehrenamtlichen Ämter hat die Dömitzerin aufgegeben, aber zur Jagd geht sie noch immer. „Das ist es wohl, was mich jung und gesund gehalten hat“, sagt sie. Kathrin Neumann stellte Christa Lüth die Sonnabend-Fragen.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Da gibt es zwei: Meinen Garten und meinen Hochsitz bei der Jagd. Er befindet sich in einer sehr hohen Eiche, die von vielen Vögeln angeflogen wird. Da kommt es vor, dass die Eule einen Meter neben mir sitzt.

Was würden Sie als Bürgermeisterin Ihres Wohnortes sofort verändern?

Ich würde mich für eine Umgehungsstraße einsetzen. Die Straßen durch die Dömitzer Altstadt sind so stark frequentiert von großen Lkw und haben so enge Kurven, dass die Laster manchmal in nur einem Meter Entfernung an Häuserwänden vorbeifahren. Aber eine Umgehungsstraße ist auch eine Frage des Geldes und das ist überall knapp.
Wo kann man Sie in Dömitz am ehesten treffen?
Eingeweihte wissen, dass sie mich am ehesten im Garten finden und dass sie durch ein Tor ganz hinten am schnellsten dorthin kommen.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Nach dem Krieg habe ich als Lehrling auf einem Rittergut bei Magdeburg gearbeitet. Ich habe zuerst 23 Mark im Monat bekommen.

Und wofür haben Sie es ausgegeben?

Meist für Süßigkeiten oder ein Buch. Für viel mehr reichte es ja nicht. Aber andere hatten damals auch nicht mehr.

Was würden Sie gerne können?
Ich hätte gern das Klavierspielen gelernt. Aber nach dem Krieg hatte ich weder Klavier noch Noten oder einen Lehrer zur Verfügung. Und damals hatte man auch andere Sorgen.

Was stört Sie an anderen?

Intoleranz.

Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?

Ich kann mich immer amüsieren, wenn junge Vögel ausfliegen und ihre Umwelt erobern. Da geht öfter Mal was schief.

Was Unvernünftiges haben Sie zuletzt getan?

In meinem Alter tut man nicht mehr oft Unvernünftiges. Aber wir haben zuletzt einige runde Geburtstage gefeiert und dabei ausgiebig gegessen. Das sollte ich eigentlich nicht tun.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Ich lese immer drei Bücher gleichzeitig. Eines davon ist zurzeit „Abgeschnitten“ von Fritzek und Tsokos. Ich mag auch die Romane von Charlotte Link, Bücher über Rechtsmedizin, Reiseliteratur und Bestimmungsbücher.

Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?

Ich schaue gern Reisereportagen und Sendungen über die alte Zeit, über Ägypten oder über die Besiedlung von Ländern und Inseln. Aber es gibt keine Sendung, die ich jedes Mal schauen müsste.

Wo trifft man Sie eher: Bei einem Fußballspiel oder bei einem Wettkampf in der Rhythmischen Sportgymnastik?

Ich schaue im Fernsehen eigentlich beides. Auch jetzt zur Fußball-WM gucke ich die Spiele an. Nur wenn die Deutschen spielen, halte ich nicht lange durch, weil mich das immer so aufregt.

Wen würden Sie gerne mal treffen?

Gerd Ruge. Ein weit gereister Reporter, von dem viele interessante Reportagen aus Russland im Fernsehen gezeigt werden.

Wenn Sie nicht selbst kochen: Was kommt dann auf den Tisch, griechische, italienische, chinesische oder deutsche Gerichte?

Ich hatte mal einen Chef, der viele Jahre in China gelebt hat. Seine Frau hat mir beigebracht, chinesisch zu kochen. So verbringe ich mit Freunden auch heute noch gern mal einen chinesischen Abend.

Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?

„Air“ von Bach. Das habe ich mal mit einem Bekannten in der Kathedrale von Frombork gehört, deren Orgel 11 000 Pfeifen hat. Der Klang ist überwältigend, das kann man eigentlich gar nicht beschreiben.

An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne und von wem haben Sie es bekommen?

Ich habe in jungen Jahren von meinem Ausbildungsbetrieb ein Pferd bekommen. Ein Rittmeister war mein Ausbilder. Er hat immer ein Taschentuch auf den Sattel gelegt und nach der Übungsstunde geschaut, ob es noch da ist. So kontrollierte er, dass wir richtig fest im Sattel sitzen. Auf Dauer konnte ich das Pferd aber nicht halten.

Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?

Ich würde gern mal mit dem Wohnmobil über die Rocky Mountains fahren oder nach Madagaskar reisen. Durch die Insellage hat Madagaskar eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Und die Rocky Mountains sind für jeden Naturfreund ein Paradies.

Was machen Sie als Rentnerin?

Ich mache das, was ich schon mit 13 wollte. Damals hatte ich beim Arbeitsamt gesagt, dass ich immer mit Tieren und Pflanzen zu tun haben will.

Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen?

Wie wäre es mit dem neuen Dömitzer Bürgermeister? Ich kenne nur seinen Namen und weiß, dass er eine Fahrschule hat.

























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