zur Navigation springen
Ludwigsluster Tageblatt

22. November 2017 | 00:25 Uhr

Ludwigslust : Zu Besuch bei Joachim Gauck

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Angela Kretzschmar weilte auf Einladung des Bundespräsidenten zum Tag der deutschen Einheit in Hannover

von
erstellt am 07.Okt.2014 | 07:00 Uhr

„Schöne Grüße aus Ludwigslust“, ruft Angela Kretzschmar Bundespräsident Joachim Gauck entgegen. Der wendet sich ihr zu. „Ludwigslust? Wie geht es Herrn Zimmermann?“ Die Grabowerin, die im Ludwigsluster Rathaus als Fachbereichsleiterin für Zentrale Dienste und Personal arbeitet, ist ganz perplex. Doch Gauck und der ehemalige Ludwigsluster Bürgermeister Hans Jürgen Zimmermann kennen sich noch aus Wendezeiten, als die Demokratiebewegung in der ehemaligen DDR immer mehr Raum griff.

Geschehen ist dies am Wochenende in Hannover, wo die Feierlichkeiten aus Anlass des Tages der deutschen Einheit stattfanden. Angela Kretzschmar gehörte zu jenen 13 Frauen und Männern aus Mecklenburg-Vorpommern, die zusammen mit vielen anderen Ehrenamtlern aus der ganzen Bundesrepublik vom Bundespräsidenten empfangen wurden. Die Grabowerin ist seit 1993 ehrenamtliche Richterin am Schweriner Arbeitsgericht. „Am Arbeitsgericht ist es etwas anders als an anderen Gerichten“, erklärt Angela Kretzschmar. „Ich vertrete die Arbeitgeberseite. Dann gibt es auch noch die Vertretung für die Arbeitnehmerseite und den Richter.“ Sie sei nicht die einzige ehrenamtliche Arbeitsrichterin aus Ludwigslust. Auch Rolf Hartmann sei in diesem Amt tätig.

In diesem Jahr hatte das Schweriner Justizministerium das Vorschlagsrecht, wer aus dem Nordosten zum Empfang des Bundespräsidenten fahren sollte. Eines Tages also hielt Angela Kretzschmar den Einladungsbrief aus der Schweriner Staatskanzlei in den Händen. Sie erinnert sich noch daran, wie aufgeregt sie war und dem Tag entgegenfieberte. Und es wurde das große Erlebnis – von der Anreise am 2. bis zur Abreise am 4. Oktober. Ob es der Empfang durch den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil im Schloss Herrenhausen war, das Treffen mit Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok, die Ländermeile, auf der sich auch die heimische PG Storchennest präsentierte, oder der ökumenische Gottesdienst.

An den Festakt im Hannover Congress Centrum denkt Angela Kretzschmar besonders. „Es war so bewegend, dass mir die Tränen gekommen sind“, gesteht sie und auch, dass es vielen anderen ihrer Sitznachbarn ähnlich ergangen sei.

Angela Kretzschmar musste an die Wendezeit zurückdenken. Sie war damals 23 Jahre alt und gerade mit dem Jurastudium fertig geworden. Ihre Arbeit hatte sie bei der Großhandelsgesellschaft (GHG) Textilwaren in Schwerin und Grabow. „Niemand brauchte nach der Wende mehr die GHG. Ich musste 200 Kündigungen verfassen und zum Schluss hat mein Chef gesagt, er bräuchte mich auch nicht mehr. Ich solle man meine eigene Kündigung schreiben.“

Das waren die wilden Wende-Jahre und wie Millionen anderer Menschen im Osten Deutschlands musste auch Angela Kretzschmar ihren Lebensentwurf komplett umschreiben. Das ehrenamtliche Engagement ist es, was sie mit am längsten trägt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen