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Ludwigsluster Tageblatt

20. August 2017 | 00:35 Uhr

Neustadt-Glewe : Zu Besuch bei Bekannten

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Polnische Frauen, die als Mädchen im KZ-Außenlager in Neustadt-Glewe waren, besuchten die Stadt

„Schon längst komme ich nicht mehr zu Fremden, sondern zu Bekannten“, sagte Janina Iwanska (86) gestern Mittag vor dem Rathaus von Neustadt-Glewe. Bürgermeisterin Doreen Radelow hatte sie und die Schwestern Josefa Baranska (85) und Hanna Gontarszyk (82) in die Amtsstuben eingeladen. Fast auf den Tag genau, nachdem die drei Polinnen 71 Jahre zuvor, am 2. Mai 1945, im Außenlager des Frauen-KZ Ravensbrück in Neustadt-Glewe durch sowjetische Soldaten befreit worden waren.

Im Ratszimmer, wo sonst die Neustädter Ausschüsse tagen oder aber Ehepaare getraut werden, berichtete die Bürgermeisterin über Neustadt-Glewe, die Ortsteile und das Amt. „Sehr viele Menschen bei uns sind ehrenamtlich aktiv, darunter in der Feuerwehr“, berichtete Doreen Radelow unter anderem. Ihre Stellvertreterin Dörte Ulma wollte wissen, ob die Lagerinsassen damals Kontakt zu Neustädtern hatten. „Nein“, sagte Hanna Gontarszyk, „nach der Befreiung waren wir in Neustadt auf Suche nach etwas Essbarem und Kleidung. Doch fast alle Menschen waren weg. Sie kamen erst nach und nach wieder, doch da waren wir schon unterwegs nach Parchim und von dort weiter in Richtung Heimat.“

Nach dem Besuch im Rathaus ging es weiter zum Neustädter Flugplatz, an dessen Rand sich einst das Außenlager befand. Für die drei Gäste aus Polen ein bewegender Augenblick. Sie hatten in der Vergangenheit zwar das ehemalige Lagergelände besucht, nicht aber den Flugplatz.

„Wir wollen unseren Gästen zeigen, dass es heute auf unserem Flugplatz und in seiner schönen Umgebung friedlich zugeht, anders als damals vor rund 70 Jahren“, so Bürgermeisterin Doreen Radelow.

Stefan Kotsch, Geschäftsführer des Luftsportvereins Neustadt-Glewe e. V. , zeigte den Frauen aus Polen ein Luftbild des heutigen Flugplatzes. „An dieser Stelle standen damals Flugzeuge“, sagte Janina Iwanska und zeigt auf das Foto. „Die wurden immer mit Zweigen abgedeckt, wenn Fliegeralarm war. Und hier war der Zaun unseres Lagers. Manchmal kamen Neustädter an den Zaun, wurden dann aber schnell von Wachen vertrieben.“

Stefan Kotsch erzählte, dass es noch heute Spuren von damals gibt. „Wir finden hier beispielsweise noch alte Waffenteile. Im Wald nach Wabel befinden sich noch Bodenmulden, in die während des Krieges wohl Fahrzeuge zur Deckung gegen Fliegerangriffe gestellt wurden.“

Vor dem Besuch des Rathauses hatten die polnischen Gäste in der Karl-Scharfenberg-Schule mit Schülern Zeitzeugengespräche geführt. Am Nachmittag stand auf der Burg noch ein Treffen mit dem Seniorenbeirat Neustadt-Glewes auf dem Besuchsprogramm.

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