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Ludwigsluster Tageblatt

16. Dezember 2017 | 19:56 Uhr

Ludwigslust : Zeugnisse einer aufregenden Zeit

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Mitglieder des Fotoclubs Neustadt-Glewe zeigen im Ludwigsluster Landratsamt Bilder von Mauerspechten, Großdemos und verstopften Grenzübergängen

svz.de von
erstellt am 20.Sep.2014 | 07:00 Uhr

Heute ärgert sich Joachim Jahncke ein bisschen, dass auf seinen Fotos keine Polizisten oder Grenzsoldaten zu sehen sind. Doch damals – zur Zeit des Mauerfalls – hat er sich nicht getraut, Uniformierte zu fotografieren. „Ich hatte in den Jahren zuvor schon zwei- oder dreimal mit der Polizei zu tun gehabt, weil ich fotografiert hatte, was ich nicht fotografieren sollte“, erzählt der heute 64-Jährige. „Da hatte ich dann doch Respekt.“

Dennoch sind die Fotos, die Joachim Jahncke im Herbst 1989 an der Berliner Mauer gemacht hat, beeindruckende Zeugnisse einer aufregenden Zeit. Seit Donnerstagabend sind sie zusammen mit Fotografien von Jürgen Brandt, Thorsten Wichmann und Günther Schulz im Foyer des Ludwigsluster Landratsamtes zu sehen. „Der Mauerfall – Zeitdokumente des Fotoclubs Neustadt-Glewe“ ist der Titel der Ausstellung, die 40 großformatige Bilder, hauptsächlich in Schwarz-Weiß, zeigt.

„Wer 25 Jahre und jünger ist, erlebt die Demokratie als selbstverständlich. Umso wichtiger ist es, die Erinnerung an die friedliche Revolution wachzuhalten“, sagte Andreas Neumann, Beigeordneter des Landrates, bei der Eröffnung der Schau, die junge Künstler der Kreismusikschule mitgestalteten. Die ausgestellten Bilder des Fotoclubs helfen dabei. Es sind Aufnahmen von Großkundgebungen in Berlin und Schwerin, vom Stasi-Gebäude bei Neustadt-Glewe, Bilder aus der Dorfrepublik Rüterberg oder vom Grenzübergang Gudow.

Thorsten Wichmann erlebte die Wendezeit studienbedingt zwar im Kreis (er arbeitete in der Fischerei und schrieb an seiner Diplomarbeit) – „aber wer politisch aktiv war, hatte keine Zeit, um viel zu fotografieren“. Und bei den Demonstrationen habe er sich auch zurückgehalten. Mitte 1990 fuhr er dann noch einmal mit Kamera nach Berlin. „Ich habe gedacht, dass ich die Mauer schnell noch fotografieren muss, ehe sie weg ist“, so Wichmann. Zwei Stunden sei er quasi zwischen den Mauern entlanggegangen und habe erlebt und fotografiert, wie die Menschen den Todesstreifen innerhalb von einem Jahr in Besitz genommen hatten.

Bis Ende Oktober haben Besucher des Ludwigsluster Landratsamtes nun Zeit, mithilfe der Fotos auf eine Zeitreise in die Wendezeit zu gehen. Danach soll die Ausstellung noch im Ludwigsluster Rathaus und im Landratsamt in Parchim gezeigt werden.


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