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Ludwigsluster Tageblatt

25. November 2017 | 09:06 Uhr

wöbbelin : Zehn Wochen Martyrium

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Neue Dauerausstellung in den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin wird in der kommenden Woche eröffnet

Wenn Schüler in die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin kommen, erzählt ihnen Ramona Ramsenthaler oft, dass die Menschen, die im KZ Wöbbelin eingesperrt waren, niemals ihre Kleidung wechseln durften. Das beeindruckt die jungen Besucher, weil es für sie heute unvorstellbar ist.

Die Leiterin der Mahn- und Gedenkstätten berichtet von den aktuellen Forschungsergebnissen. Das KZ Wöbbelin existierte nur zehn Wochen, vom 12. Februar bis 2. Mai 1945. Die ersten Häftlinge lebten im Holzbarackenlager und mussten ein Stammlager (Stalag) für Kriegsgefangene bauen. Das unfertige Steinbarackenlager wurde am 15. April 1945 zum Auffanglager für fünf Transporte mit männlichen Häftlingen (der jüngste war neun Jahre alt) aus anderen Außenlagern überwiegend des KZ Neuengamme.

Am 1. Mai 1945 erreichte ein Transport mit 500 polnischen weiblichen Häftlingen eines Außenkommandos des KZ Sachsenhausen das kleine Lager „Reiherhorst“, das leer war, da die Häftlinge aus diesem Teil des KZ Wöbbelin in einen Zug gebracht worden waren. Am 2. Mai 1945 verlassen die Wachmannschaften das Lager und Soldaten der 82. US-Luftlandedivision und der 8. US-Infanteriedivision entdecken es durch Zufall.

Auf dem Gelände in den Baracken, dazwischen und in Massengräbern sind über 500 Leichen, die auf Befehl der Amerikaner würdevoll in Ludwigslust, Hagenow, Schwerin und Wöbbelin bestattet werden. Nach der Befreiung sterben noch 200 Menschen an den Folgen der Haft. Viele sind auf dem Ehrenfriedhof „Schwurhand“, der sich auf dem Friedhof in Ludwigslust befindet, beigesetzt.

In der neuen Dauerausstellung „Zehn Wochen Wöbbelin“, die am 21. August eröffnet wird, werden viele Zusammenhänge um das Lager aufgeklärt. Dabei wird auch deutlich, dass es für die Wöbbeliner Einwohner zum Alltag gehörte. Die Propaganda von zwölf Jahren Nationalsozialismus hatte ihre Spuren hinterlassen, Angst spielte in der Bevölkerung eine große Rolle.

„Die interaktive Ausstellung entspricht den neuesten didaktischen Anforderungen. Digitale Bilderrahmen, Hör-und Videostationen vertiefen inhaltlich die Informationen der Wandtafeln. Über drei Touchscreens können Besucher nun zur Lagergeschichte des KZ Wöbbelin, zu den Transporten und zu Häftlingsbiographien recherchieren. Insgesamt werden in der Ausstellung fast 300 Dokumente, Fotos, Filmaufnahmen und Gegenstände des Lageralltags gezeigt“, gibt Ramona Ramsenthaler einen Einblick in die Art und Weise, wie die Mahn- und Gedenkstätten ihrem Auftrag gerecht werden, den Opfern ein Gesicht zu geben.


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