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Ludwigslust : Zahnarztarchiv steckte in Türrahmen

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Eine Urkunde an den Oberstallmeister von Bülow vom 7. April 1832 und eine Tabakdose aus dem Jahr 1860 - das sind nur zwei der Schätze, die bei der Sanierung des ehemaligen Pionierhauses in Ludwigslust aufgetaucht sind.

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erstellt am 30.Aug.2013 | 07:58 Uhr

Ludwigslust | Eine Bluse mit dem Emblem der Jungen Pioniere, eine Urkunde an den Oberstallmeister von Bülow vom 7. April 1832 und eine Tabakdose aus dem Jahr 1860 - das sind nur einige der Schätze, die bei der Sanierung des ehemaligen Pionierhauses in Ludwigslust aufgetaucht sind. Die Eigentümer Iris und Norbert Leithold haben das altehrwürdige Haus in der Kanalstraße im Jahre 2011 gekauft und seitdem bereits zu einem großen Teil saniert. Während der Aufräumarbeiten auf dem Dachboden kamen unter riesigen Schuttbergen zahlreiche Fundstücke aus den vergangenen rund 180 Jahren zum Vorschein.

Aus der jüngeren Vergangenheit stammen zahlreiche Zielscheiben des DDR-Schüler-Fernwettkampfes "Goldene Fahrkarte". Auch komplette Pionieruniformen (Blusen, Hosen, Käppi), zum Teil noch ungetragen, fanden sich auf dem Dachboden.

Besonders stolz sind Iris und Norbert Leithold auf eine Urkunde vom 7. April 1832. Iris Leithold erklärt: "Das Dokument bestätigt die Schenkung eines Etuis Esslöffel an den Oberstallmeister, Exzellenz von Bülow." Nach von Bülow zog das Militär in das Haus ein. Und so fanden sich unter dem Schutt auf dem Dachboden auch Offiziersschulterklappen, Mützenembleme und -kordeln sowie Abzeichen. Überbleibsel des im Haus ansässigen Offizierscasinos sind u. a. Hunderte Etiketten von Weinen aus dem französischen Anbaugebiet Medoc.

Einer der umfangreichsten Funde ist das Archiv des Zahnarztes Meyer. Norbert Leithold: "Patientenkarteien, Rechnungen und Kontoauszüge waren im Obergeschoss in der Türleibung versteckt." Ein Auszug vom April 1945 verrät, dass der Zahnarzt zu diesem Zeitpunkt 10 540 Reichsmark auf dem Konto hatte. Hunderte Patientenkarten geben Aufschluss über den Zahnstatus von Bürgern der Stadt und Umgebung. So auch die Karte von Gustav Engel (geb. 1890), der zwischen dem 4. November 1943 und dem 5. Mai 1944 zehnmal bei Zahnarzt Meyer in Behandlung war.

Offenbar wollte der Doktor dann im Mai 1945 Ludwigslust verlassen, denn eine Rechnung des Bahnspediteurs Carl Moritz über 3,90 Reichsmark gibt Auskunft, dass der Spediteur 120 Kilo Gepäck Meyers nach Hamburg-Altona bringen sollte.

Völlig ungeklärt dagegen ist die Herkunft eines Dokuments, dass offenbar Wilhelm Pieck, später erster und letzter Präsident der DDR, betrifft. Auf dem mit Maschine beschriebenen Blatt ist somit zu lesen: "Gen. Pieck, Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Deutschlands, ist Ehrenmitglied der Kollektivwirtschaft (Kolchos) ,MOPR’, Dorf Trojekurowo...Zentralgebiet des Schwarzen Meeres, was hierdurch bestätigt wird." Das Schreiben vom 26. Mai 1930 wurde offenbar im Dorfsowjet ausgestellt und u. a. vom Kolchosvorsitzenden unterschrieben. Iris Leithold: "Für uns völlig unklar, wie dieses Dokument in das Haus gekommen ist."

Nicht ganz so rätselhaft, aber ebenso interessant ist eine leere Zigarettenschachtel "Salem" aus DDR-Zeiten. Die volkseigene Industrie wollte offensichtlich den Umsatz von Tabakwaren steigern und versprach auf der Rückseite der "Salem"-Schachtel: "Gegen Einsendung von 100 leeren 20er Packungen sämtlicher Marken der volkseigenen Zigarettenindustrie sowie DM -,15 Rückporto erhalten Sie wahlweise eine Serien = 100 Bilder: "Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung Teil II oder III", "Junge Pioniere", "Olympische Winterspiele in Cortina d’Ampezzo" (1956 - d. R.).

Zu den Fundstücken gehört auch ein großes Schwarz-Weiß-Foto, dass vermutlich aus den 70-er-Jahren stammt. Es zeigt eine Gruppe Jugendlicher auf einem Spielplatz, möglicherweise in Ludwigslust.

Iris Leithold verspricht: "Alles, was wir im Haus gefunden haben, werden wir zum Tag des Denkmals am 8. September hier im Haus zeigen. Dann hat jedermann Gelegenheit, die Exponate zu sehen."

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