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Ludwigsluster Tageblatt

21. November 2017 | 17:01 Uhr

Ludwigslust : Wunsch für 2015: Start am Palais

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Ludwigsluster kritisieren Verfall der Residenz Am Bassin / Eigentümer will vor Sanierung die Kostenschätzung abwarten

von
erstellt am 02.Jan.2015 | 07:48 Uhr

Peinlich. Hochpeinlich sei es ihm, wenn er die Besucher der Stadt an der Ruine des Prinzenpalais vorbeiführen muss. 150 Stadtführungen macht Gernot Hempelmann im Jahr. Und auf jeder hört er die gleiche Frage: „Welcher Mensch steckt hinter diesem Schandfleck?“ Der Mensch sitzt an diesem Abend im Rathaussaal eine Stuhlreihe hinter Gernot Hempelmann. Und Hempelmann zeigt ihm deutlich, dass er wütend ist, enttäuscht und wenig zuversichtlich. „Nichts ist passiert in all den Jahren“, schimpft er. „Nur die Folie auf dem Dach haben Sie zweimal erneuert.“

Kuno Hofmann - der Eigentümer des Prinzenpalais’ - bleibt ruhig. Eigentlich wollte er an diesem Abend nur Zuhörer sein, sich anschauen, was Schweriner Landschaftsarchitekten auf dem Areal Am Bassin künftig planen. Doch nun ist er selbst Mittelpunkt der Info-Veranstaltung geworden. Die Gäste drehen sich nach ihm um, wollen wissen, was Hofmann vorhat und wann endlich die Sanierung beginnt. „Wie ist der Planungsstand?“, fragt Dirk Friedriszik. „Wann endlich beginnt der Abriss?“ „Und was ist mit dem Brandschaden?“ Im März 2011 war das Dachgeschoss des Palais durch einen Brand erheblich beschädigt worden. Grüne und blaue Planen decken seitdem notdürftig die Löcher im Dachstuhl.

Hofmann hatte das Palais vor fünfzehn Jahren vom Landkreis erworben und angekündigt, es zu einer Seniorenresidenz umzubauen. Die Pläne dazu sind auf einer eigens eingerichteten Webseite im Internet (www.prinzenpalais.de) zu sehen.

Doch das Haus im Herzen Ludwigslust vis-à-vis vom Schloss verfällt weiter. Von den Anwohnern Am Bassin glaubt heute keiner mehr an Hofmanns Pläne. Bürgermeister Reinhard Mach fürchtet nicht zuletzt auch um die Glaubwürdigkeit der Stadt bei den Fördermittelgebern in Schwerin. „Ich bin schon fürchterlich vom Land dafür gerügt worden, dass wir als Stadt Geld separiert hatten, was am Ende nicht abgerufen wurde, weil der Bau nicht begann“, sagt Mach. Als Bürgermeister wünsche er sich vom Eigentümer klare Worte über die Zukunft und vor allem einen Zeitplan. „Denn lange gibt es die Städtebaufördermittel nicht mehr. Was in den Jahren 2016/17 umgesetzt werden soll, muss 2015 beantragt werden.“

Hofmann will an dem Abend nicht viel sagen. Nur soviel: An den ursprünglichen Plänen habe sich nichts geändert. Er müsse jedoch erst die Kostenschätzung nach dem Brandschaden abwarten. Das Löschwasser habe zu Folgeschäden geführt. Auch die Frage, ob er sich vorstellen könne, das Haus wieder zu verkaufen, lässt er offen.

Bürgermeister Mach bedauert, dass damals der Verkauf nicht an eine Investitionsverpflichtung gebunden war. „Das war ein Fehler“, sagt er gegenüber SVZ. „So wird ein unglaublich interessantes Areal immer uninteressanter, weil die Häuser zusehends verfallen.“

Neben dem Prinzenpalais sei die Zukunft von zwei weiteren Gebäuden Am Bassin offen. Noch immer kenne man den Eigentümer von Bassin 5 nicht, erst 2011 sei der Besitzer vom Grundstück Am Bassin 15 ausfindig gemacht worden. Laut Reinhard Mach „ein Auswärtiger aus Berlin, der das Elend nicht täglich vor Augen hat“. Als Bürgermeister will er den Stadtvertretern in diesem Jahr einen Vorschlag machen: solche Häuser als Stadt zu erwerben und sie dann selber zu sanieren.



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