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Vierter Verhandlungstag weitere pikante Details : Würge-Prozess: Opfer belastet Silvio S.

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"Halt die Fresse", soll er gesagt haben, bevor er ihr eine klatscht. Sie schlägt zurück. So heftig, dass der Angeklagte Silvio S. aus Neu Brenz blutet. Mit rot verschmierten Händen geht der ihr an den Hals.

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erstellt am 18.Jul.2013 | 06:29 Uhr

Hagenow/Neu Brenz | "Halt die Fresse", soll er gesagt haben, bevor er ihr eine klatscht. Sie schlägt zurück. So heftig, dass der Angeklagte Silvio S. aus Neu Brenz blutet. Mit rot verschmierten Händen geht der ihr an den Hals, drückt so stark zu, dass ihr schwarz vor Augen wird. "Na, wie fühlt sich das an?" An diese und andere Worte vom Morgen des 2. Februar 2013 erinnert sich das mutmaßliche Opfer gestern im Hagenower Gerichtssaal. Am vierten Prozesstag gegen Silvio S. sagt die junge Frau nun doch aus. Mit weiblichem Zeugenbeistand an ihrer Seite. Die Anwältin sitzt dicht neben ihr, schaut sie während der 100 Minuten langen Vernehmung ermutigend an. Und die Worte sprudeln nur so heraus. Es geht um Familienstreit, Sucht, harte Sex-Spiele, Prostitutionsabsichten... Eine mehrjährige Haftstrafe steht für den vorbestraften Neu Brenzer im Raum.

Zu viel Alkohol soll der Auslöser für die Attacken am 2. Februar gewesen sein. "Ich war enttäuscht", sagt die junge Frau. Silvio S. ist zu diesem Zeitpunkt in Therapie. Als sie von der Disko nach Hause kommt und die leere Schnaps-Dose sieht, stellt sie Silvio S. zur Rede. Der will seine Ruhe haben. Sie zieht die Bettdecke weg, lässt nicht locker. Die Lage eskaliert. Die Zeugin bekommt keine Luft mehr, ihr wird schwindelig nach dem Würgegriff ihres damaligen Freundes. Sie schafft es noch, ins Wohnzimmer zu ihrem Handy zu robben und auf Wahlwiederholung zu drücken. "Dann hab’ ich nur noch die Stimme meiner Mutter gehört." Erst im Krankenhaus kommt sie zu sich.

"Hatten Sie danach Kontakt zum Angeklagten?", fragt Richter Thomas Rehbein. Sie bekommt Post aus dem Gefängnis. Drohbriefe. "Er hat sich nicht geändert", habe die junge Frau da nur gedacht. Sie sollte der Polizei sagen, dass die Flecken vom harten Sex kommen. "Das stimmt aber nicht."

Dabei habe alles so gut angefangen. Sie "fand ihn interessant, wollte ihn kennen lernen." Nach den ersten Treffen habe es sich richtig angefühlt. Sie sind schnell zusammengezogen. "Mir ging es nie schlecht. Es lief gut", sagt sie. Bis der Alkohol ins Spiel kommt. Der mache Silvio S. aggressiv. Mehrfach habe sie ihn angezeigt wegen diverser Zwischenfälle, die Anzeigen dann aber wieder zurückgenommen. "Ansonsten war er total lieb." Dabei hat die junge Frau von der Vorgeschichte des Angeklagten gewusst. Derzeit verbüßt er eine zwölfmonatige Haftstrafe, weil er bereits die Freundin davor geschlagen und getreten hat.

"Warum wollten Sie denn beim letzten Mal nicht reden?", hakt der Richter nach. "Es ist sehr schwer für mich", antwortet sie. Ich hab Angst, was ist, wenn er wieder rauskommt?" Gestern traut sie sich. Die Zeugin schildert alles. Sie bestätigt, nicht mehr so stark an Asthma zu leiden. Das hatte Silvio S. als Grund genannt, warum sie am 2. Februar bewusstlos gewesen ist. Sie bestätigt auch, dass die Mutter von Silvio S. versucht hat, sie von einer Aussage abzubringen. Damit entlässt der Richter sie aus dem Zeugenstand. Die junge Frau steht auf, rückt ihre enges Oberteil zurecht, während Silvio S. sie von oben bis unten mustert. Bei den pinken High-Heels bleibt er hängen.

Ein psychiatrischer Gutachter spricht anschließend von Sex-Fantasien der beiden, von Erektionsstörungen unter Alkohol und viagraähnlichen Substanzen. "Sie will jeden Tag Sex", zitiert der Gutachter. Deshalb auch die Spuren am Hals. Alles andere habe sich die Mutter des mutmaßlichen Opfers ausgedacht, um sie auseinander zu bringen. Die sei "voll assi, wollte sogar, dass die Tochter für sie anschaffen geht". Zweieinhalb Stunden dauert das Gespräch zwischen dem Gutachter und Silvio S. in der JVA. Der Angeklagte käme aus einem guten Elternhaus, sei ein sehr guter Schüler gewesen... nichts Auffälliges. Er sei kein Alkoholiker, habe aber Probleme mit der Droge. Unterm Strich steht für den Fachmann fest: Silvio S. hat einen voll erhaltenen Realitätsbezug und ist fähig, seine Handlungen zu steuern.

Das bestätigt auch der rechtsmedizinische Gutachter. Nach seiner Rechnung besteht zur Tatzeit ein Atemalkoholwert von maximal 0,5 Promille. Und er bescheinigt, dass Lebensgefahr für das Opfer bestanden hat. Rötungen und kleine Stauungsblutungen zeugen von "Gewalt und Druck auf den Hals". Die könnten nicht vom Sex stammen. Grund für die tiefe Bewusstlosigkeit sei vermutlich eine Hyperventilation. Möglicherweise ausgelöst durch das Würgen. Beides stehe aber nicht in direktem Zusammenhang.

Am 8. August halten Verteidiger und Staatsanwalt ihre Plädoyers. Dann soll auch das Urteil fallen.

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