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Niendorf/Rögnitz : Wolf treibt Bürger auf die Palme

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Unmut über politische Entscheidungen entlädt sich auf Informationsveranstaltung des CDU-Gemeindeverbandes Dömitz/Malliß

Ein Jäger aus der Göhrde traut sich nachts nicht mehr allein auf seinen Hochsitz. Campingplatzbetreiber Volker Sielaff aus Malliß kämpft mit zurückgehenden Buchungszahlen, seit der Wolf zurück ist. „Wenn Kinder eines Morgens die Tiere unseres Streichelzoos getötet vorfinden, kann ich meinen Betrieb zumachen“, sagt er. Otto Brandt aus Tewswoos kann eine Geschichte von einem Mann berichten, der einen Wolf aufzog und mit ihm an der Leine gehen konnte. Sobald er drei Schritte weg war, wurde der Wolf wieder zum Räuber. Heini Warnk aus Woosmer bringt es eigentlich auf den Punkt: „Wir sind das Volk! Wir haben schon die DDR überwunden, dann schaffen wir den Wolf auch noch!“

Die Verdrossenheit über das fehlende Handeln der Politik treibt die Bürger im ländlichen Raum auf die Palme. 747 Unterschriften stehen auf einer Liste aus der Region, mit denen die Reduzierung der Wolfspopulation auf ein erträgliches Maß gefordert wird. Jägerin Birgit Eckardt aus Karenz hat sie anlässlich einer Veranstaltung Landwirtschaftsminister Till Backhaus übergeben. Bis heute habe es keine Reaktion gegeben, ärgert sich ein Teilnehmer der Veranstaltung.

Blick auf den Tisch der Offiziellen: Kristin Zscheile (Wolfsmonitoring), Hans-Joachim Schreiber (Landwirtschaftsministerium), Wolfgang Waldmüller, Beate Schlupp (beide MdL-CDU), Dietrich Monstadt (MdB-CDU), Ronny Schult (CDU-Gemeindeverband), v.l.n.r.
Blick auf den Tisch der Offiziellen: Kristin Zscheile (Wolfsmonitoring), Hans-Joachim Schreiber (Landwirtschaftsministerium), Wolfgang Waldmüller, Beate Schlupp (beide MdL-CDU), Dietrich Monstadt (MdB-CDU), Ronny Schult (CDU-Gemeindeverband), v.l.n.r. Foto: koen
 

Eine Stunde lang schildert Kristin Zscheile vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (Lung) die aktuelle Situation des Wolfes. Ein Rudel in der Leussower und Jabeler Heide und ein weiteres in der Kalisser Heide werden inzwischen offiziell bestätigt. Seit zehn Jahren hat sich das Großraubtier ausgehend von der Muskauer Heide in der Lausitz quer durch Deutschland ausgebreitet. Tendenz steigend. Was die Leute in der Griesen Gegend und in der Elbregion so ärgert, ist die Ignoranz der Gefährlichkeit des Wolfes. „Aus der Sicht des Städters ist er ein niedliches Tier mit seinem treuen Blick und den niedlichen Welpen. Dass dahinter ein Raubtier steckt, das seinen Instinkten folgt, wird dabei völlig verdrängt“, schimpft ein Teilnehmer der Veranstaltung.

Die anwesenden Politiker haben es schwer an diesem Abend. Beeindruckend ist die Phalanx der Mandatsträger – es ist Wahljahr im Lande. Dabei haben sie durchaus etwas zu sagen. „Der Wolf muss lernen, mit dem Menschen zurechtzukommen“, fordert zum Beispiel die CDU-Landtagsabgeordnete Beate Schlupp unter Beifall. Ihr Parteikollege, der Bundestagsabgeordnete Dietrich Monstadt, fordert, eine unkontrollierte Entwicklung des Wolfes zu verhindern.

Dennoch bekommen auch die anwesenden Politiker den Frust zu spüren. Die Wähler wollen, dass den vielen Worten endlich Taten folgen.

Ronny Schult, der Vorsitzende des CDU-Gemeindeverbandes Dömitz/Malliß, fordert das ebenfalls ein, weil er weiß, wie die Leute denken und fühlen. Er hatte zu dieser Veranstaltung eingeladen. „Als CDU-Gemeindeverband werden wir die erforderlichen Maßnahmen kritisch begleiten und spätestens nach einem Jahr wieder zu diesem Sachverhalt eine öffentliche Veranstaltung durchführen“, erklärt er und zieht das Fazit des Abends: Vergrämung von Wölfen in Orts- und Ortsrandlagen erlauben; Obergrenzen territorial festlegen – zwei Rudel im Amtsbereich und ein Rudel im Nachbarland Brandenburg sind mehr als genug; Änderung des Schutzstatus durch die EU; finanzieller Ausgleich der Folgeerscheinungen (Rückgang von Buchungen bei Übernachtungen, Schäden durch Wild auf bestellten Feldern, da sich dieses nicht mehr im Wald aufhält); Lösungsansätze für Rinderhalter aufzeigen, wie eine Sicherung von Herden stattfinden kann; finanzielle Förderquote von 75 Prozent für Präventionsmaßnahmen überdenken und in unserer Region mit erhöhtem Wolfsvorkommen zu 100 Prozent fördern; Öffentlichkeitsarbeit verbessern und dem Monitoring mehr Geld zur Verfügung stellen.


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