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Ludwigsluster Tageblatt

18. November 2017 | 18:42 Uhr

Wolf bereitet Viehhaltern Sorgen

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Zahlreiche Bürger nutzen Gelegenheit im Landwirtschaftsausschuss des Kreises zur Diskussion mit Minister Till Backhaus

von
erstellt am 01.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Das größte Raubtier in unserer Region breitet sich aus und sucht sich auch auf den Weiden Futter. Landesweit wurden in den vergangenen Jahren 283 Schafe durch den Räuber getötet bzw. verletzt. Dazu kommen zwei Ziegen, fünf Rentiere, 13-mal Gatterwild, zwei Rinder und ein Pferd. Das geht aus Zahlen hervor, die Landwirtschaftsminister Till Backhaus am Dienstagabend bei der Beratung des Landwirtschaftsausschusses des Kreistages in Parchim nannte.

„Wir müssen Antworten finden“, so Ausschussvorsitzender und Landwirt Dietrich Groth (ABLR) aus Radelübbe. Sehr intensiv wird das Thema unter den Viehhaltern diskutiert, nachdem bekannt wurde, dass ein Wolf in der Lübtheener Heide ein Rind angegriffen hatte, erfährt SVZ von Nicole Gottschall, Geschäftsführerin vom Bauernverband Ludwigslust. Die Bauern wollen Regelungen, dass die Wirtschaftlichkeit ihrer Betriebe gewährleistet ist.

Vor allem aus dem Westen des Landkreises Ludwigslust-Parchim waren zahlreiche Bürger nach Parchim gekommen, um Backhaus mit Fragen zu konfrontieren. In der Lübtheener und in der Kalißer Heide gibt es zwei nachgewiesene Wolfsrudel. Viehzüchter beklagten Angriffe auf Nutztiere, Jäger die Dezimierung der Wildbestände, Anwohner aus Dörfern äußerten Sorgen, weil der Räuber dicht an Häusern gesichtet worden sein soll.

„Beim Wolf geht ein Riss durch die Gesellschaft“, so Backhaus. „Wir werden uns in Zukunft die Frage stellen müssen: Wie viele Wölfe verträgt das Land Mecklenburg-Vorpommern?“ Doch auch der Wolf habe ein Recht, hier zu leben. Er habe den höchsten Schutzstatus in Deutschland. Durch das Artenschutzabkommen hat sich Deutschland verpflichtet.

Der Mensch und die Natur müssten mit dem größten Raubwild in der Region zurecht kommen. Er glaube, dass sich die Wolfspopulation schneller entwickelt als mancher denkt, so Backhaus. Das ganze Land wurde – abgesehen von den Inseln – zum Wolfsgebiet erklärt. Das ist auch die Voraussetzung für Förderungen und Entschädigungen von Landwirten. Backhaus sieht einen möglichen Weg für die Zukunft darin, dass die ehemaligen Truppenübungsplätze und die Großschutzgebiete als Wolfsgebiete definiert werden. Doch wenn der Wolf diese verlässt, müsse er Ärger bekommen.

Von Zuhörern kam die Forderung nach Bejagung des Wolfs, so wie es auch in vielen anderen Ländern erfolge. Irgendwann werde man sonst die Ausbreitung nicht mehr in den Griff bekommen. Backhaus sprach sich auf Fragen dagegen aus, den Wolf in das Jagdrecht aufzunehmen – u.a. aus möglichen Haftungsfragen und um nicht die Jäger selbst in die Schusslinie der Debatte um den Wolf zu bringen. Er verwies darauf, dass es im Land auch gelungen sei, eine Regelung zur Dezimierung der Kormoranbestände zu finden.

Ein Schäfer verwies auf die enormen Aufwände beim Schutz der Tiere vor dem Räuber. Die müssten nach seiner Auffassung nicht nur zu 75, sondern zu 100 Prozent gefördert werden. Backhaus schloss nicht aus, dass die Förderung überdacht wird. Aber zu 100 Prozent werde sie nicht erfolgen.

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