Ludwigslust : Wohnen, wo einst das Bier gärte

Oliver Richter lässt die beiden Gebäude sanieren. Der Kontorgiebel bleibt erhalten: „Es ist schön, wenn ein Gebäude so eine besondere Geschichte hat.“ Fotos: Kathrin Neumann
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Oliver Richter lässt die beiden Gebäude sanieren. Der Kontorgiebel bleibt erhalten: „Es ist schön, wenn ein Gebäude so eine besondere Geschichte hat.“ Fotos: Kathrin Neumann

Die beiden Gebäude der alten Bier- und Malzbrauerei in Ludwigsluster Kanalstraße werden saniert. Acht Wohnungen entstehen

svz.de von
27. Mai 2017, 08:23 Uhr

Nur der Kontorgiebel an der Vorderfront erinnert noch an die Zeit, als in der Kanalstraße 3 das Bier in Strömen floss. Er bleibt erhalten, während die Gebäude der einstigen „Bier- und Malz-Extract-Brauerei Johann Leicht“ und der dazugehörigen Schankwirtschaft jetzt umfassend saniert werden. Bier wird hinter den Backsteinfassaden aber nicht wieder entstehen. „Wir bauen acht Wohnungen aus – zwei in der Kanalstraße 1 und sechs in der Kanalstraße 3“, erklärt Bauingenieur Oliver Richter vom Ludwigsluster Büro „Stilplan“, seit rund drei Jahren Eigentümer der Immobilien.

Die beiden Gebäude, die Mitte und Ende des 18. Jahrhunderts errichtet worden waren, sind Ludwigsluster Geschichte. Zum einen weil sie womöglich die ältesten Ludwigsluster Gewerbehäuser sind. „Zum anderen zeugen sie von dem Unterschied zwischen zwei bedeutenden Ludwigsluster Baumeistern“, erklärt Oliver Richter. Das eine (Nr. 1) stammt vom Reißbrett von Johann Joachim Busch, dem Baumeister dreier Herzöge. „Er folgte stets einem klaren städtebaulichen Plan, der ein einheitliches Stadtbild vorsah“, so Richter. Das andere (Nr. 3) ist von Johann Christoph Heinrich von Seydewitz. „Seine Schaffenszeit war vom jeweiligen Bedarf geprägt und weniger von der Umsetzung eines städtebaulichen Plans“, so der Bauingenieur in seinem Modernisierungsgutachten.

Während aus der eigentlichen Brauerei schon vor mehr als 100 Jahren Wohnungen und im Erdgeschoss Läden wurden, soll die benachbarte Gaststätte noch weit bis ins 20. Jahrhundert betrieben worden sein. Doch seit 15 oder sogar 20 Jahren stehen beide Gebäude überwiegend leer. Mit Folgen für die Bausubstanz. Doch das schreckte den Investor nicht ab. „Wir sind als Ingenieurbüro spezialisiert auf Sanierungen im denkmalgeschützten Bestand“, sagt Oliver Richter und verweist unter anderem auf das Ludwigsluster Kino und das Rosetti-Haus. „Es ist schön, wenn ein Gebäude so eine besondere Geschichte hat.“

Von der historischen Bausubstanz sei – abgesehen von der Gebäudehülle und dem Kontorgiebel – nicht mehr viel übrig. „Zu DDR-Zeiten ist im Inneren viel verschandelt worden“, so der Ingenieur, der seit 25 Jahren in Ludwigslust lebt. Mithilfe von Städtebaufördermitteln lässt er jetzt Dach, Dachstuhl, Fenster, Fachwerk und Fassade denkmalschutzgerecht sanieren und eine innenliegende Wärmedämmung anbringen. Das Innere wird komplett entkernt, um Wohnungen mit neuem Zuschnitt entstehen zu lassen. Sie haben Balkon oder Terrasse, sind bis zu 75 Quadratmeter groß und sehr gefragt. „Die Zahl der Anfragen liegt deutlich über der Zahl der Wohnungen“, sagt Oliver Richter. Ende des Jahres sollen die ersten Mieter einziehen können. Modernes Wohnen in den wohl ältesten Gewerbehäusern der Stadt.

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