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Ludwigsluster Tageblatt

15. Dezember 2017 | 15:08 Uhr

vielank : Wölfe kommen näher

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

An Sportplatz und Dorfrand wollen Augenzeugen den Wolf gesehen haben - nur wenige der Beobachtungen werden allerdings gemeldet

„Was für ein schönes Tier.“ Harald Grohmann kommt ins Schwärmen wenn er an die Begegnung am Sonnabend auf der L 06 kurz vor Vielank denkt. Keine 30 Meter vor ihm kreuzte hier an jenem Morgen auf Höhe des Sportplatzes ein Wolf die Straße. „So seelenruhig und ohne Scheu, dass ich das Auto sogar abbremsen musste“, sagt Grohmann. Auch seine Frau auf dem Beifahrersitz neben ihm ist sich sicher, gerade einen Wolf gesehen zu haben. „Jäger warten ihr ganzes Leben auf so einen Moment und uns passiert das einfach so auf dem Weg zum Einkaufen“, freut sich Grohmann. Schon zwei Wochen zuvor soll der Wolf ganz in der Nähe des Dorfes gesehen worden sein. Auf einer Pferdekoppel am Dorfrand Richtung Tripkau.

Gemeldet haben die Vielanker ihre Beobachtungen nicht. Dabei hat das Land im Internet unter www.wolf-mv.de eine eigene Webseite für den Wolf eingerichtet. Mit einem Klick auf den Link „Onlineangabe bei Wolfsverdacht“ kann man Ort, Zeit und Art des Nachweises angeben. „Leider wissen zu wenige von dieser Möglichkeit“, sagt Matthias Weber von der Bundesforstverwaltung. Er gehört zu den fünf geschulten Wolfsbetreuern, die für die Ludwigsluster Region zuständig sind. In all den Jahren, die der Wolf in der Lübtheener Heide bisher verbrachte, hat Matthias Weber die Tiere erst vier Mal gesehen. Von anderen Wolfsbegegnungen erfährt er nur selten und wenn, dann nur zufällig. Dabei sei es wichtig, jede Beobachtung gerade in der Nähe von Orten offiziell zu melden. „Nur so können wir Tendenzen über das Verhalten des Wolfes ableiten und gegebenenfalls vorbeugend oder steuernd einwirken“, sagt Weber. Wer online keine Formulare ausfüllen will, könne ihn auch einfach anrufen. Die Telefonnummern der Wolfsbetreuer sind auch im Internet veröffentlicht. Norman Stier, der Wolfsbeauftragte von MV, bittet Augenzeugen, die ihr Handy dabei haben, auch Fotos und Videos zu machen. Die Nähe der Tiere zu Dörfern verwundert auch ihn. „Das ist so nicht gewollt. In solchen Fällen müssten die Tiere negativ konditioniert werden“, sagt er. Mit Gummigeschossen könne man sie verschrecken. „Und dort, wo die Situation zu kritisch wird, müssen die Tiere aus der Population entnommen werden“, sagt Stier. „Das Risiko ist einfach zu groß. Wenn beispielsweise Hund und Wolf aufeinander treffen, dann ist auch der Hundehalter in Gefahr.“

Sollten im Wald Menschen mit ihrem Hund auf Wölfe treffen, rät Matthias Weber zur Ruhe: „Man sollte erst einmal beobachten, wie der Wolf sich verhält. Kommt er näher, helfen lautes Rufen und Bewegungen den Wolf zu verschrecken.“ Junge Wölfe seien oft neugierig und können sich Menschen nähern. Ausgewachsene Wölfe mustern Menschen oft nur einige Sekunden und verschwinden dann. Auf der Internetseite empfiehlt Norman Stier es so zu tun wie Harald Grohmann an jenem Sonnabendmorgen: „Genießen Sie den Augenblick.Denn es ist, trotz immer mehr freilebender Wölfe in Deutschland, ein sehr seltenes Ereignis.“

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