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Sanierung Schloss Ludwigslust Teil 3 : Wo einst die Zarenfamilie schlief

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Ostflügel des Ludwigsluster Schlosses wird am 6. März nach umfangreicher Sanierung wieder eröffnet. SVZ gewährt bis dahin täglich einen Blick hinter die Fassade.

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erstellt am 27.Feb.2016 | 16:00 Uhr

Noch 8 Tage: Der Ostflügel des Ludwigsluster Schlosses wird am 6. März nach umfangreicher Sanierung und Restaurierung wieder eröffnet. SVZ gewährt bis dahin täglich einen Blick hinter die herrschaftliche Fassade.

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Im Rahmen der Baumaßnahme von 2011 bis 2015 wurden auch erstmalig die Gästeappartements im zweiten Obergeschoss des Ostflügels saniert und restauriert. Waren die Räume des ersten Obergeschosses, der Beletage, ausschließlich dem Herzogspaar als Wohnbereich vorbehalten, dienten das Erd- und das zweite Obergeschoss im Ostflügel als Gästeappartements für die Unterbringung naher Familienangehöriger und hochrangiger Gäste. Herzog Friedrich war es wichtig, dass sich auch in der repräsentativen Gestaltung der Gästeappartements Geschmack und Reichtum widerspiegelten. Die vier Gästeappartements unterscheiden sich nach Raumgröße und der Anzahl der Zimmer. Zudem variiert ihre Ausstattung mit Seiden- oder Papiertapeten, Kaminen, Spiegeln, Vergoldungen sowie in der Fußbodengestaltung.

Das erlesenste Appartement bestand aus vier Zimmern mit wertvoller Seidenwandbespannung, einem Kamin, Spiegeln und hochwertigen Marketeriefußböden, wohingegen der Gast im einfachsten Appartement schlichte Dielen, graue Paneele und Leimdrucktapete vorfand und auf Kamine, Spiegel oder Vergoldungen gänzlich verzichten musste. Entsprechend Rang und Stellung konnten somit unterschiedliche Wohnqualitäten genutzt werden. Die ursprüngliche historische Möblierung ist nicht erhalten geblieben. Eines der schönsten und auch repräsentativsten Zimmer ist das „Russische Zimmer“. Das Wohnzimmer gehört neben Schlafzimmer zum letzten Appartement im zweiten Obergeschoss des Ostflügels. Die Bezeichnung „Russisches Zimmer“ am Ende des 19. Jahrhunderts geht vermutlich auf einen oder mehrere Besuche von Angehörigen der Zarenfamilie zurück. Hier wurde nach restauratorischen Befunden eine Papiertapete rekonstruiert. Neben der textilen Wandbespannung setzte sich die Papiertapete seit der Mitte des 18. Jahrhunderts als Gestaltungselement in den Wohnräumen des Adels und des aufstrebenden Bürgertums durch. Dieses zeigt sich auch im Wandel des Interieurs im Schloss Ludwigslust. Die Papiertapeten wurden in den originalen Drucktechniken des 19. Jahrhunderts, wie Handmodeldruck oder Maschinenleimdruck rekonstruiert.

Die raumbeherrschende Draperie-Dekoration, eine handgedruckte Velourstapete, stammt aus der bedeutenden Tapetenmanufaktur Dofour & Cie. in Paris. Durch die Verwendung von Materialien und Rezepturen nach historischem Vorbild und des Handmodeldruckes war es möglich, dass das Druckbild der neugefertigten Tapeten mit den originalen Vorlagen annähernd übereinstimmt und die Raumwirkung dem historischen Vorbild des frühen 19. Jahrhunderts entspricht.

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