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Ludwigsluster Tageblatt

12. Dezember 2017 | 03:55 Uhr

Niendorf : Wo der Festtagsbraten schnattert

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Freilandgeflügelhaltung ist für Niendorfer Landwirt zweites Standbein geworden / Erste Enten und Gänse der Saison geschlachtet

svz.de von
erstellt am 23.Sep.2014 | 11:39 Uhr

Munteres Geschnatter begrüßt Niendorfer und Gäste derzeit im Ludwigsluster Ortsteil. Es stammt von den Enten und Gänsen, die auf einer Wiese am Dorfrand den lieben langen Tag herumwatscheln und Grashalme zupfen. Mit seinem Geschnatter macht das Federvieh Werbung in eigener Sache. Spätestens Weihnachten soll es als leckerer Braten auf dem Tisch stehen. Bis dahin haben Landwirt André Hoop und seine Leute noch einiges zu tun, um das Freilandgeflügel zur Schlachtreife zu bringen.

Vor fünf Jahren hatte Hoop mit der Freilandgeflügelhaltung begonnen. Damals waren es 200 Enten und Gänse, in diesem Jahr sind es schon 500 Gänse und 800 Enten, Tendenz weiter steigend. Während sich der Landwirt bei den Gänsen auf die Dithmarscher festgelegt hat, gibt es bei den Enten zwei Arten. „Das Fleisch des Flugerpels ist eher trocken“, erklärt Hoop. „Die Mularden, die eine Kreuzung aus Flugerpel und Pekingente sind, sind nicht zu fett und nicht zu trocken. Sie werden nicht ganz so groß wie die Flugerpel.“

Ende Mai hatte Hoop die Tiere eingestallt – die Enten im Alter von drei Wochen („Da sind sie aus dem Gröbsten heraus“), die Gänse als Eintagsküken. „Der Preisunterschied zwischen Eintagsküken und mehrwöchigen Jungvögeln ist da erheblich“, begründet Hoop den Unterschied. Im Stall unter wärmenden Lampen bleiben die Tiere aber nur zwei bis vier Wochen. Dann geht es raus auf die Wiese. Rund 4,5 Hektar hat das Federvieh für sich, macht rein rechnerisch mehr als 30 Quadratmeter für jedes der Tiere, die aber dennoch lieber in größeren Gruppen über die Wiese watscheln.

„Die Tiere bekommen nur Weizen aus hofeigener Produktion und das Grün, das sie selbst auf der Wiese zupfen“, beschreibt André Hoop die Ernährung. „Die Langmast und die Tatsache, dass die Tiere viel an der frischen Luft laufen, sorgt für einen hohen Anteil Muskelfleisch und für sehr festes Fleisch.“ Antibiotika kämen generell nicht zum Einsatz. Um rechtzeitig zu erkennen, wenn in der Gruppe gesundheitlich etwas nicht stimmt, bedient sich Hoop eines tierischen Tricks. Zwischen Enten und Gänsen scharren auch ein paar Hühner im Sand. „An ihnen ist frühzeitig zu sehen, wenn etwas nicht stimmt“, erklärt der 35-jährige Landwirtschaftsmeister, der den Niendorfer Betrieb vor zwölf Jahren gemeinsam mit seinen Eltern übernommen hatte, aber allein führt.

Um Futter und Wasser müssen sich der Landwirt und seine Mitarbeiter nicht ständig kümmern – dafür gibt es sozusagen Selbstbedienungsautomaten. Trotzdem schauen sie mehrmals am Tag nach den schnatternden Masttieren. Abends gegen 23 Uhr führt Hoops letzter Gang immer zu den Enten und Gänsen. Die meisten haben sich dann schon von selbst in den Stall zurückgezogen, die Nachzügler treibt der Landwirt hinterher und schließt die Tür. Wären die Tiere über Nacht draußen, wären sie leichte Beute für Fuchs, Marder und anderes Raubwild. Selbst am Tag schlagen diese manchmal zu – zum Glück aber nur ein-, zweimal im Jahr.

Jetzt, rund vier Monate nach der Ankunft, werden auf dem Hof in Niendorf schon die ersten Enten und Gänse geschlachtet. Wenn André Hoops Ehefrau im Oktober den Hofladen öffnet, soll es dort gleich wieder geräucherte Gänsebrust und Sauerfleisch nach Großmutters Rezept aus eigener Produktion geben.

Die letzten Gänsebraten werden erst am 23. Dezember auf dem Hof abgeholt. So sorgt das Freilandgeflügel für eine willkommene Verlängerung der Landwirtschaftssaison. Und es ist ein zweites Standbein für den Betrieb, dessen Hauptgeschäft die Milchviehhaltung mit Ackerbau ist. „Das macht uns ein bisschen unabhängiger vom Milchpreis, der wegen des russischen Lieferverbots für Milcherzeugnisse derzeit schon wieder einmal um sechs Cent gefallen ist.“









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